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Detmold, 20. Dezember 2013 09:35 Alter: 6 Jahr/e

Auszug: ZDF berichtet vom Diogenes-Projekt

Wie viel ist genug zum Leben? Was brauche ich wirklich, um zufrieden zu sein? Zur Beantwortung dieser Fragen hat der Detmolder Literaturwissenschaftler und Philosoph Sven Stemmer ein halbes Jahr (10.6.-19.12.2013) in einem Bauwagen auf den Detmolder Campus der Hochschule OWL gelebt. Jetzt ist er wieder ausgezogen. Das ZDF blickt in seiner Sendung "sonntags" am 29. Dezember um 9 Uhr auf seine Zeit im Bauwagen zurück. Der Entwurf für den Bauwagen geht auf ein Master-Projekt im Studiengang Innenarchitektur im Wintersemester 2012/13 zurück.

"Es ging mir nicht darum, irgendein Aussteigerleben vorzuexerzieren", sagt Sven Stemmer. "Vielmehr ging es um die Frage, wie viel man zum Leben braucht." Eine philosophisch-gesellschaftliche Frage vor dem Hintergrund weltweit schwindender Ressourcen. Jeder von uns habe im Schnitt 10 000 Gegenstände, aber was ist davon wirklich nötig? Nur wenig, so das Resümee des 41-Jährigen, der über seine Erfahrungen auf engstem Raum ein Buch veröffentlichen wird. Die Zeit im Bauwagen habe entschleunigend auf ihn gewirkt.

Im Sommer 2012 hatte sich der Doktorand der Philosophie an die Innenarchitekten und Innenarchitektinnen der Hochschule gewandt und sein Vorhaben erläutert, für ein halbes Jahr auf kleinstem Raum auf dem Campus leben zu wollen - auf den Spuren des Diogenes. Die Idee stieß bei Prof. Dipl.-Ing. Eva Filter (Lehrgebiet Entwerfen und Konstruieren von Wohnungen und Einrichtungen) auf Begeisterung. Im Wintersemester 2012/13 machte sie sich mit ihren Master-Studierenden an die Arbeit. Ihr Glück: Ein alter Bauwagen wurde vom Vater einer Studierenden zur Verfügung gestellt. Jetzt konnten gemeinsam mit der hochschuleigenen Tischlerei die Arbeiten an der Inneneinrichtung beginnen. Drei Studierenden-Entwürfe wurden zu einem vereinigt und umgesetzt. Diese zeichneten sich vor allem durch Schlichtheit im Design, dem Weglassen von Unnötigem und einem Schwerpunkt auf Restmaterialien aus. In dem 5,08 m x 2,25 m großen Bauwagen erhielt Sven Stemmer ein Minimum an Ausstattung. Nur die notwendigen Dinge des Alltags waren platzsparend im Bauwagen untergebracht. Im Herbst kam noch ein kleiner Heizlüfter hinzu. Im Juni, Juli und September bot Sven Stemmer mit Ausnahme der Sommerferien immer montags um 20 Uhr ein Programm zum Thema "Suffizienz" an seinem Bauwagen an. Außerdem veröffentlichte Sven Stemmer einen Blog über seine Zeit im Bauwagen, den er auch noch weiter führen wird, die Adresse: www.diogenes-projekt.de. Mit 30 Gegenständen war Stemmer im Juni in den Bauwagen gezogen, beim Auszug passt nicht mehr alles in seinen Rucksack. "Es war schön, Sie hier gehabt zu haben", sagte Prof. Eva Filter.

Das Projekt war bundesweit auf ein großes Medienecho gestoßen - von der Bild-Zeitung, über die Welt bis hin zum ZDF. Und es geht noch weiter: Im Mai 2014 ist Stemmer vom WDR als Vortragender zum internationalen Philosophiefestival "phil cologne" eingeladen. Mit etwas Wehmut blickt der 41-Jährige auf seine Zeit im Bauwagen zurück. Würde er es noch mal machen? Die Antwort kommt prompt: "Ja!".