Inhalt

Archiv

Detmold, 26. Juli 2019 13:59 Alter: 109 Tage

Gestaltung: Viel mehr als nur die gute Form

Nach 30 Jahren Lehrtätigkeit ist Prof. Verena Wriedt von TH-Präsident Prof. Dr. Jürgen Krahl zum Ende des Sommersemesters 2019 in den Ruhestand verabschiedet worden. Die 65-jährige Hamburgerin hat am Fachbereich Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur das Lehrgebiet "Möbel und Produktentwicklung" unterrichtet.

Verena Wriedt lernte zunächst das Handwerk der Tischlerin, bevor sie ein zweijähriges Studium für Entwurf und Fertigung an der "John Makepeace School for Craftsmen in Wood" im englischen Dorset abschloss. Von 1981 bis 2001 hatte sie eine eigene Werkstatt in Hamburg für Entwurf und Fertigung von Möbeln und Produkten in Holz. Es folgten zahlreiche Ankäufe öffentlicher Sammlungen, darunter so renommierte wie das Victoria & Albert Museum London, das Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg und das Design Zentrum Bremen.

Durch einen Artikel in einer Fachzeitschrift wurde die Detmolder Schule auf die Hamburgerin aufmerksam. 1989 wurde sie auf ihr Lehrgebiet berufen. Zusätzlich zu ihrer Lehrtätigkeit übernahm sie mehrere Ämter in der Hochschule, darunter das der ersten Frauenbeauftragten (1991-1996), auch wurde sie Prodekanin (2004-06) und schließlich Dekanin (2008-2009) des Fachbereichs. Seit 2003 ist Prof. Wriedt außerdem Leiterin der Modellbau-Werkstatt.

Im Mittelpunkt ihrer Lehre standen Möbel und Produkte, Modellbau, Ökologie sowie Social Design. Als 2008 der neue Campus an der Emilienstraße bezogen wurde, war Wriedt maßgeblich am Konzept der Gestaltung der Gebäude des Fachbereichs beteiligt. Dazu gehörten unter anderem auch der Entwurf und die Konstruktion der Möbel im Bülowblock und die der Prof-Boxen im Neubau. Mit Massivholzplatten für die Tische in der Mensa konnte sie sich aufgrund der erforderlichen Pflege leider nicht durchsetzen, wie sie nachträglich bedauert.

Ein Höhepunkt ihrer Tätigkeit war das Forschungsprojekt "Wohn-Vision-2020" (2009-2011), das die Entwicklung ressourcenschonender Einrichtungs-Visionen aus gebrauchten Materialien zum Ziel hatte. Zudem sollten kleine und mittlere Unternehmen gestärkt sowie benachteiligte Jugendliche und Langzeitarbeitslose qualifiziert werden. Gefördert wurde das Forschungsvorhaben durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), initiiert worden war es von der TU Dortmund. Es endete mit einer großen Veranstaltung und einer vielbeachteten Ausstellung im Foyer der Detmolder Schule. Passend dazu war Verena Wriedt seit seinen Anfängen im Jahr 2007 Jurymitglied des Recycling Design Preises.

Auch mit Projekten im Bereich "Social Design" hat sich Wriedt einen Namen gemacht u.a. in Kooperationen mit proWerk in Bethel und der JVA Herford. In diesen wurde Gestaltung als Mittel zur Integration und Inklusion genutzt. Arbeiten, die in den Projekten mit jungen männlichen Gefangenen und Studierenden der TH OWL im Gefängnis entstanden, wurden von Oktober 2016 bis Februar 2019 im Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg ausgestellt und befinden sich jetzt in der internationalen Wanderausstellung "In Prison" (2019-2021, initiiert vom Deutschen Hygiene-Museum Dresden).

"Es war mir immer wichtig, mir der Verantwortung bewusst zu sein, die ich gegenüber den Studierenden trage", sagt Wriedt und fügt hinzu: "Es ist eine großartige Aufgabe, an einer Institution zu arbeiten, die den Auftrag hat, auf gesellschaftliche Herausforderungen mit ihren Mitteln der Gestaltung zu reagieren."In ihrem "Ruhestand" möchte die Hamburgerin "sich Zeit nehmen, um nachhaltiger zu leben".