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Detmold, 02. September 2019 08:40 Alter: 70 Tage

Klein, leicht, smart: Nora Michalke gewinnt Studierendenwettbewerb

Der Entwurf der Erstplatzierten Nora Michalke
Eva Gronemeiers Entwurf machte den 2. Platz.
Dritter Rang: der Entwurf von Anna Hoyermann
Die Teilnehmer/-innen

Wohnraum ist eines der meist diskutierten Themen unserer Zeit: kaum noch erschwinglich in den Großstädten, als Immobilie zu unbeweglich für unser mobiles Leben und meist wenig nachhaltig in Material, Konstruktion und Technik. Kann eine Leichtbauweise die Lösung sein? Dieser Frage widmete sich ein Studierendenwettbewerb, den die Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur (TH OWL) in Kooperation mit dem Reisemobil-Hersteller Knaus Tabbert und der Interessengemeinschaft Leichtbau (igeL) veranstaltete. Es gewannen die Studierenden Nora Michalke (1. Platz), Eva Gronemeier (2.) und Anne Hoyermann (3.). Die Jury sprach zusätzlich fünf Anerkennungen aus.

Knaus Tabbert, Hersteller von Reisemobilen und Caravans, hatte den Studierenden von Prof. Ulrich Nether (Lehrgebiet Ergonomie) bereits im Wintersemester 2018/19 die Frage gestellt, wie Wohnen auf kleinstem Raum mobil und flexibel (leicht), smart und großzügig zugleich sein könne. Im Sommersemester 2019 wurden die Sieger ermittelt.

Den ersten Preis erhielt Nora Michalke, Studentin im dritten Semester Bachelor Innenarchitektur, für den Entwurf "Hexagon". Laut Jury gelang es ihr, sowohl konzeptionell als auch in der räumlichen Qualität bis hin zur Innenraum- und Materialgestaltung einen innovativen, gestalterisch überzeugenden und sozial relevanten Beitrag zum Thema zu leisten. Die Arbeit "Klein, aber frei" von Eva Gronemeier, Studentin im Master Innenarchitektur, erhielt den zweiten Preis. Ihr Konzept, Dachflächen vor allem in Städten zu nutzen, zeigt auf beeindruckende Art, welches Potenzial hier zur Verfügung steht. Ganz anders fasst der Entwurf "Dupiani" von Anne Hoyermann, eine Bachelorthesis in der Innenarchitektur, die Aufgabe auf: Wohnraum wird bei ihr noch mobiler durch eine kluge Art, einen Autoanhänger zu entfalten. Die Arbeit erhalte genau dadurch eine ganz besondere räumliche Finesse bis ins Detail, lobt die Jury.

Des Weiteren sprach die Jury folgenden Projektarbeiten eine Anerkennung aus: Telse Beck schafft mit "neighbourHut" neuartige Flüchtlingsunterkünfte für Katastrophenfälle, Lukas Geier mit "Cineo" ein vollständiges, in einem Anhänger untergebrachtes Pop-Up Open-Air Kino. Renée Tesche nutzt leerstehende Fabrikhallen für ihr mobiles Wohnkonzept "Fünfer", "Geerdet" von Stina Tüchsen ermöglicht die Nutzung von Gärten und Höfen in Siedlungen mit autarken, aus nachwachsenden Rohstoffen errichteten Kleinsthäusern. Und Johanna Ziebart schlägt vor, sich mit "HAENG" am Fahrrad auf den Weg zu machen und im Park, im Wald, am Strand oder wo auch immer zu kochen und gemeinsam zu speisen.

Die angehenden Innenarchitektinnen und -architekten hatten die Aufgabe, innovative Lösungen und Entwürfe mit Umsetzungspotenzial für das Wohnen auf engstem Raum zu suchen. Dabei standen sowohl das Produkt im Fokus als auch der Gebrauchswert und die räumliche Qualität. Die Fragestellung hatte Knaus Tabbert wie folgt formuliert: "Leichtbau (ist) als Basis zu nehmen für eine flexible und nachhaltige, ökologisch und wirtschaftlich angelegte individuelle Wohnsituation. Konkret ist ein ganzheitlicher Ansatz einer kompakten (Wohnraum-)Hülle mit einem bedarfs- und funktionsbezogenen Interieur auf Basis von Leichtbauwerkstoffen und Leichtbaukonstruktionen vorgesehen, welcher neben einer hohen Gestaltungsfreiheit, ressourcenschonend und kostengünstig auch eine hohe Standortflexibilität ermöglicht. Hiermit verbunden sein soll ein hoher Grad an Flexibilität in der Nutzung."

Insgesamt hatten 28 Studierende in zwei Projektgruppen im Wintersemester 2018/19 diese Herausforderung angenommen. Die Ergebnisse sollten sich an ihrem Bezug zum Nutzer ("user oriented design"), der technisch-konstruktiven Stichhaltigkeit, der Durcharbeitung der Details und dem Nachhaltigkeitskonzept messen lassen. Zudem sollte über die Zielgruppen für die Konzepte nachgedacht werden.

Die Resultate zeigen auf, welche vielfältige Herausforderungen in der Thematik stecken und welch unterschiedliche, interessante Lösungsansätze möglich sind, erläutert Nether. Nicht nur die Jury war überzeugt. Parallel stellten die Studierenden ihre Arbeiten in Kurzpräsentationen und in einer Ausstellung mehr als zwanzig Vertreterinnen und Vertretern der igeL-Mitgliedsunternehmen und -institutionen vor. Auch diese äußerten sich begeistert und verabredeten, die Entwürfe zu sichten und in Ruhe zu untersuchen, welche Konzepte und Ansätze für sie so interessant sind, dass sie weiterverfolgt werden sollten.

Jury: Michaela Fey, Thomas Frick, Hubertus Schulte-Nölke (alle Knaus Tabbert), Peter Kettler (Interessengemeinschaft Leichtbau), Rainer Kalesse (Architekt), Susanne Tamborini (Chefredakteurin des MD-Magazins) sowie Johanna Julia Dorf und Prof. Ulrich Nether (beide Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur)