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Detmold, 07. November 2019 13:28 Alter: 6 Tage

Wilkhahn-Wettbewerb: Siegreicher Entwurf als limitierte Sonderedition

Freischwinger Metrik mit den produktionsreifen Bezügen des 1. Preises „Serape“ (Design: Swenja Fleur Fabian).
In der kühlen Jahreszeit lassen sich die Taschen öffnen und von beiden Seiten wie eine Decke über die Beine legen.
Die Studierenden, Prof. Kerber (l.) und die Erstplatzierte Swenja Fleur Fabian (2.v.l.) bei der Präsentation des Wettbewerbs „ZEIT.BEZÜGE“.
Die Ausstellung bei Wilkhahn ist noch bis 27. März gegen Voranmeldung zu sehen. Alle Fotos: Wilkhahn

„Learning from the Bauhaus: ZEIT.BEZÜGE – vom Bauhaus über die HfG Ulm ins Heute“ – so lautet der Titel einer Ausstellung, die am 13.11.2019 am Stammsitz des Büromöbelherstellers Wilkhahn in Bad Münder eröffnet wird. In der Sonderausstellung sind den Meilensteinen der Nachkriegsmoderne in „Möbel-Paarungen“ die heutigen Äquivalente gegenübergestellt. Im zweiten Ausstellungskomplex werden die Ergebnisse des studentischen Ideenwettbewerbs „ZEIT.BEZÜGE“ präsentiert, der im Textilen Atelier der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur an der TH Ostwestfalen-Lippe stattfand. Herausragend: Der 1. Preis von Swenja Fleur Fabian wurde bereits zur Produktionsreife weiterentwickelt und kann als limitierte Sonderedition käuflich erworben werden.  

Kern der Wilkhahn-Beiträge zum 100. Geburtstag der legendären Gestaltungsschule ist die Frage, welche Bedeutung der damalige Aufbruch für das Morgen haben kann. Der doppeldeutige Titel des Ideenwettbewerbs im Textilen Atelier der Detmolder Schule thematisiert ebenfalls die Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wilkhahn hatte den Wettbewerb gemeinsam mit seinem Vertriebspartner designfunktion ausgelobt. Neun Studierende setzten sich mit der Lehre am Bauhaus auseinander, um vor dem Hintergrund heutiger Herausforderungen und Fragestellungen neue Ideen für Bezüge des Freischwingers Metrik (Design WhiteID) zu entwickeln. Schließlich gilt die Stuhltypologie „Freischwinger“ als beispielgebende Erfindung und Entwicklung am Bauhaus, die durch den Einsatz von Stahlrohr erstmalig minimierten Materialeinsatz mit hohem Komfort und kostengünstigen Möglichkeiten der Serienproduktion verbunden hatte. Am 8. Juli 2019  wurden die Ergebnisse in Form von Skizzenbüchern, Materialkollagen und Konzeptbeschreibungen durch eine fachkundige Jury bewertet. Durchweg alle Entwürfe thematisierten die Nachhaltigkeit der eingesetzten Materialien, sei es als Natur-Materialien oder als kreatives Recycling, und stellten den individuellen Bezug zum Nutzer und Kunden in den Mittelpunkt.

Chefredakteurin Susanne Tamborini-Liebenberg von der Zeitschrift MD, Prof. Ulrike Kerber von der TH OWL, Mitarbeiter des Designbüros WhiteID, Designdirektor Hannes Neubert von der Webmanufaktur Gebrüder Munzert und Michael Englisch, Leiter Design und Entwicklung bei Wilkhahn, vergaben den 1. Preis einstimmig an Swenja Fleur Fabian für ihren Entwurf „serape“: Er verbindet die Freischwinger-Idee Marcel Breuers vom Sitzen auf einer „Luftsäule“ mit einem „fliegenden Teppich“ als Sitzfläche und einem hussenartigen Überwurf der Rücken- und Seitenlehnen. Der Name des Entwurfs ist Programm: Denn ähnlich der multifunktionalen Decke aus Mexiko kann der legere Bezug bei kühleren Temperaturen als Poncho genutzt werden, während er im Sommer griffgünstige Taschen für persönliche Utensilien bietet, die gerne dicht am Körper verstaut werden, wie etwa ein Mobiltelefon.

"Das ist für mich eine unglaubliche Erfahrung", sagt Fabian zu ihrem Sieg. "Die Kooperation mit der Firma Wilkhahn war wirklich inspirierend." Die einzige Schwierigkeit bei der Umsetzung sei gewesen, ein geeignetes Material für den Sitzbezug zu finden. Dafür sollte idealerweise ein voluminöser Hochflorteppich aus Recyclingmaterial dienen, jedoch schien die Teppichindustrie in diesem Bereich noch Zeit für die Entwicklung zu brauchen. "Deshalb entschieden wir uns für eine Variante, die zu 37% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird", so Fabian. Das Ergebnis mache sie mehr als stolz.

Der 2. Preis ging an Ann-Kristin Fischer für ihren Entwurf „crudo“, bei dem die regionale Gewinnung natürlicher Wolle und ihre traditionelle Verarbeitung mit der Hightech-Fertigung des Metrik-Freischwingers kontrastiert wird und zudem Möglichkeiten bestehen, je nach Witterung kühlende oder wärmende Elemente in den Bezug zu integrieren.

Beim 3. Preis für den Entwurf „Take a seat“ von Rika Schuhen würdigte die Jury die mehrschichtigen, konzeptionellen Ableitungen aus der Bauhaus-Lehre zur Architektur und zur Verbindung von Industrie und Handwerk. Als Vorlage für den innovativen Sitzbezug dienten hier frei angeordnete und miteinander vernähte Teebeutel, die zu einer völlig neuartigen Anmutung der Sitzfläche führen.

Limitierte Sonderedition bei designfunktion

In den vergangenen Wochen hat das Wilkhahn-Designmanagement mit der Wettbewerbsgewinnerin die Entwurfsidee „serape“ zu produktionsreifen Prototypen weiterentwickelt. Sie werden erstmalig zur Ausstellungseröffnung präsentiert und können in den nächsten Monaten als limitierte Sonderedition zum Bauhaus-Jubiläumsjahr exklusiv über den Kooperationspartner designfunktion erworben werden.

Durch Werkbund und Bauhaus geprägt

Die Ausstellungseröffnung am 13. November markiert den Höhepunkt der Beiträge von Wilkhahn zum 100. Geburtstag der legendären Gestaltungsschule. Das 1907 gegründete Unternehmen hatte sich direkt nach dem zweiten Weltkrieg der Weiterentwicklung der Gestaltungsideen der Moderne verschrieben, die durch den Deutschen Werkbund und das Bauhaus geprägt waren: Mit dem Bauhaus-Schüler Herbert Hirche wurden nicht nur zahlreiche Möbelentwürfe, sondern auch das Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude realisiert. In enger Zusammenarbeit mit der deutschen „Nachfolgeschule“, der Hochschule für Gestaltung in Ulm (1953 -1968), entstanden bei Wilkhahn die Grundlagen für die ganzheitliche Weiterentwicklung des Unternehmens, die frühzeitig auch die ökologische Verantwortung einschloss: von der Produktgestaltung über das Corporate Design bis zur Campus-Bebauung mit Frei Otto und Thomas Herzog.

Neun Paare und ein zukunftsweisender Solitär

Wie bei Wilkhahn die Transformation der Moderne in die Zukunft erfolgt, zeigen in der Ausstellung insgesamt neun „Paarungen“, in denen historische Meilensteine den zeitgenössischen Äquivalenten gegenübergestellt werden. Entwürfe von Herbert Hirche, Roland Rainer, Walter Papst, Georg Leowald, Delta-Design, Nick Roericht und Klaus Franck treffen hier auf aktuelle Wilkhahn-Produkte von RSW, Wolfgang C.R. Mezger, Jehs & Laub, Phoenix Design, Andreas Störiko, Thorsten Franck, White ID und der Wilkhahn-Designabteilung: abstrakt gestaltete Sitzobjekte für Haltungswechsel und Bewegungsförderung, vielseitige Kombinationen aus Kunststoffschalen mit unterschiedlichen Stuhlgestellen, A-Stapler und Kufenstühle, Chefsessel und synchron bewegliche Bürostühle.  Die Paarbildungen zeigen wie hier einerseits neue Materialien und neue Fertigungstechnologien zu neuen Funktions- und Ausdrucksformen führen – und dass andererseits die damals entwickelten Prinzipien und Typologien noch heute hochaktuell sind. Besonders spannend ist die Präsentation der Herstellung des PrintStool One (Design Thorsten Franck), eines im 3-D-Druckverfahren hergestellten Hockers, im Kontext der ursprünglichen Bauhaus-Ideen: Industrie und Handwerk, Theorie und Praxis, Design und Build, Kunde und Hersteller können in den zukunftsweisenden digitalen Produktionsverfahren wieder ganz nah zusammenfinden.

Ausstellungseröffnung: 13.11.2019, 18.00 Uhr

Ort: im „Labor“, Wilkhahn-Campus, Fritz-Hahne-Straße 8, 31848 Bad Münder, Ortsteil Eimbeckhausen

Anmeldungen: bis 11.11.2019 an gisela.hahne(at)wilkhahn.de

Dauer: Die Ausstellung ist vom 14.11.2019 bis 27.03.2020 gegen Voranmeldung zu besichtigen. Anmeldungen bitte ebenfalls unter gisela.hahne@wilkhahn.de