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HUeBro - Haushebung in Überschwemmungsgebieten

Bedingt durch den sich abzeichnenden Klimawandel treten extreme Hochwasser als Teil der natürlichen Umwelt häufiger auf, oft als Folge langer, relativ niederschlagsarmer Perioden mit darauf folgendem Unwetter und starken beziehungsweise langandauernden Niederschlägen. Hiervon betroffen ist auch das mehr als tausend Jahre alte Angerdorf Brockwitz an der Elbe, zwischen Dresden und Meißen, wo über die letzten Jahre drei Extremhochwasser zu verzeichnen waren.

In dem Forschungsprojekt „Haushebung in Ueberschwemmungsgebieten am Beispiel des Elbe-Dorfes Brockwitz“ (HUeBro) wurde erforscht, inwiefern die Anhebung von Häusern in Flutgebieten, unter gewissen Voraussetzungen, eine innovative Alternative für klassische Hochwasserschutzmaßnahmen (Deiche etc.) sein kann. Ausgelöst durch den Impuls der Stadt Coswig haben sich Projektpartner*innen aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen und Einrichtungen gefunden (TH Nürnberg, TU Dresden, TH Ostwestfalen-Lippe, IÖR Dresden, Stadt Coswig), um das angedachte Verfahren interdisziplinär und exemplarisch für den Standort Brockwitz zu untersuchen und mittels multikriterieller Bewertungsverfahren zu beurteilen. Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe war mit den drei Forschungsschwerpunkten urbanLab, ConstructionLab und nextPlace an dem Projekt beteiligt.



Partizipativer Workshop mit den Bürger*innen
Auszüge aus Analyse und Entwurfsvarianten

Die Forschungsschwerpunkte urbanLab und nextPlace haben in dem Arbeitspaket „Orts- und Freiraumplanung“ existierende Partizipationsmethoden für das Anheben von Häusern auf Ortsebene erprobt. Die Auswirkungen und Potenziale auf Ortsbild und Freiraum wurden in einem entwurfsbasierten Ansatz erforscht. Die entwickelte Methodik wurde in dem „Handbuch Haushebung Brockwitz“ in einzelnen Schritten beschrieben und Empfehlungen ausgesprochen.

Als Ergebnis wird grundsätzlich ein Partizipationsprozess für Haushebung auf Ortsebene empfohlen. Die Inhalte der Forschung wurden verallgemeinert in dem Erfahrungsbericht und richten sich sowohl an Planende wie auch an projektbeteiligte Bürger*innen und Projektpartner*innen in vergleichbaren Projekten. Die Dokumentation des Arbeitsprozesses lässt ein Nachvollziehen und Wiederholen der Methodik zu. Somit ist eine Übertragbarkeit auf ähnliche Situationen möglich.

Auszug aus dem Bauteilkatalog.
Auszug aus der vergleichenden Bewertungsmatrix.

Der Forschungsschwerpunkt ConstructionLab hat in dem Arbeitspaket „Architektur und Technologie“ unterschiedliche, auf dem Markt befindliche Hebeverfahren analysiert und miteinander verglichen, um den Aufwand, Potentiale und Risiken für unterschiedliche Gebäudearten, -größen und -alter abschätzen zu können. Die Ergebnisse wurden in dem „Gesamtkatalog Haushebung Brockwitz Architektur & Technologie“ zusammengestellt. Für die Untersuchungen wurden eine Hebeverfahrensanalyse sowie eine Gebäudetypologisierung erstellt, aus der eine Checkliste entwickelt wurde. Die Methode führte zu einer vergleichenden Bewertung von Kombinationen aus Gebäudetypologien und Hebeverfahren, basierend auf objektiven Kriterien. Konstruktive und gestalterische Leitdetails sowie Empfehlungen für den Einsatz von Hebeverfahren bilden den zweiten Teil des Gesamtkatalogs.

Ergebnis der Untersuchungen ist, dass sich jedes Gebäude in Brockwitz heben lässt, die Technologien dafür sind erhältlich. Dabei kann der Aufwand für die Hebung sich stark unterschieden, abhängig von Baualter, Bauzustand, Denkmalwert, Bewohner*innensituation und Grundstücksgröße. Der Gesamtkatalog dient als Planungshilfe für Planende und Projektpartner*innen in vergleichbaren Projekten.

 

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Handbuch Haushebung Brockwitz (Download hier)
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Gesamtkatalog Haushebung Brockwitz Architektur & Technologie (Download hier)
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Laufzeit:
April 2017 – Mai 2019

Gefördert durch:


Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Förderkennzeichen: 03DAS104ABCDE
Förderprogramm: Anpassung an den Klimawandel
Schwerpunkt: Kommunale Leuchtturmvorhaben

Verbundpartner:

Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm: Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Nürnberg.
Technische Universität Dresden: Institut für Hydrologie und Meteorologie, Dresden.
Technische Universität Dresden: Institut für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege, Dresden.
Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe: Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, Detmold.
Leibniz Institut für ökologische Raumentwicklung e.V., Dresden.

Kooperationspartner:

Stadt Coswig
Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt
Regionaler Planungsverband Obers Elbtal / Osterzgebirge
Landratsamt Meißen
Bürgerinitiative Brockwitz - Niederseite


 
Wissenschaftliche Leitung:

Prof. ir. Michel Melenhorst
Prof. Dipl.-Ing. Kathrin Volk
Prof. Dr.-Ing. Axel Häusler


Carsten Schade, Dipl.-Ing.
 

Bearbeitung:



Jens Renneke, MA.
Benjamin Dally, Dipl.-Ing.

Susann Kreplin, MA.
Christine Naumann, Dipl.-Ing., MA.