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Am Dienstag, den 16.04.2019 hat das Preisgericht in Bielefeld getagt und entschieden. Insgesamt hat die Jury drei Preise, drei Ankäufe und zwei Sonderpreise vergeben.

Studierende aus Studiengängen der Architektur, des Städtebaus oder der Landschaftsarchitektur verschiedener Hochschulen waren aufgefordert für eines von drei ausgelobten Plangebieten ein „StadtLandQuartier“ zu entwerfen. Gefragt war ein überzeugender Quartiersentwurf, der ein urbanes Lebensgefühl ermöglicht und es mit den Vorzügen des ländlichen Raums verbindet und durch ein stimmiges Gesamtkonzept unterlegt ist. Darüber hinaus waren innerhalb des städtebaulichen Entwurfs drei Vertiefungsrichtungen möglich.

Die Preisverleihung fand am 23. Mai 2019 auf dem „14. Bielefelder Kongress Stadtentwicklung“ in der Stadthalle Bielefeld statt. Auslobende des Wettbewerbs waren die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungswirtschaft Ostwestfalen-Lippe sowie der Forschungsschwerpunkt urbanLab der TH OWL. Insgesamt wurden 38 Arbeiten eingereicht.

Anmerkung: Der ursprünglich vorgesehene Sonderpreis für eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema „StadtLandQuartier“ wurde aufgrund der mangelnden Qualität der eingereichten wissenschaftlichen Arbeiten nicht vergeben. Das urbanLab hat sich deswegen dazu entschlossen diese Preissumme von 500€ dem Preispool der Entwurfsarbeiten zufließen zu lassen, so dass das Preisgericht zusätzlich zwei Sonderpreise je 250€ vergeben konnte.

Im Namen der Wohnungswirtschaft Ostwestfalen-Lippe und dem urbanLab der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe sowie unseren Kooperationspartnern Stadt Lemgo, Stadt Minden, Stadt Bielefeld und der OWL GmbH möchten wir uns bei allen Teilnehmern für die zahlreichen Einsendungen, interessanten Ideen und Impulse bedanken und den Preisträgern unter Ihnen herzlich gratulieren. 

 

1. Platz – NetzWERKeln - helfen, austauschen, verbinden

Anna Noldus, Denise Krins

(Master Städtebau NRW)

 

Beurteilung des Preisgerichts:

Das Projekt überzeugt insbesondere mit seinem partizipativen Ansatz zur Integration aktueller und zukünftiger Bewohner und seiner konsequenten Umsetzung eines der demografischen Situation angepassten zukunftsfähigen Zielgruppenkonzeptes. Von der Analyse bis zur Umsetzung beschäftigt sich der Vorschlag mit der älter werdenden Gesellschaft und der Organisation des Zusammenlebens verschiedener Generationen im Quartier. Der Entwurf erfüllt damit in anschaulicher Weise, wie lebenswerte Stadtteile mit und für die Bewohner entwickelt werden können. Die behutsame geplante Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes passt sich der stadträumlichen Situation an und schafft einen schlüssigen Übergang zwischen der bestehenden Wohnbebauung und dem Grünflächenzug. Sie schafft damit eine Ergänzung zum Bestand, ohne diesen städtebaulich zu dominieren. Die Qualitäten der Freiflächen bleiben den jetzigen Bewohnern zugänglich und werden durch die Neuqualifizierung darüber hinaus attraktiver. Insgesamt ist der Wettbewerbsbeitrag ein schlüssiges, realisierbares Projekt, in dem sich Antworten auf die Anforderungen zukünftiger Quartiersentwicklung finden. 

 

2. Platz – Catterick Barracks. Bestand neu interpretiert

Tristan Jack Rath, Vanessa Nicola Luz, Johannes Nils Patrick Deneser

(Master Städtebau NRW)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Verfasser formulieren eine sensible Strategie, die den Besonderheiten eines jahrzehntelang abgeschlossenen Kasernenareals Rechnung trägt und mit der glaubhaft schrittweise ein städtebaulich gemischtes und lebendiges Quartier entstehen kann. Das Preisgericht begrüßt den Umgang mit den Bestandsgebäuden und den naturräumlichen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus überzeugt die konzeptionelle Einbindung und das vielfältige Raumangebot für die künftigen Bewohner — ob Studierende, Familien, Kreative oder Unternehmer. Der städtebauliche Entwurf der Verfasser wird vom Preisgericht zwar als ausbaufähig bewertet, insgesamt wertet das Preisgericht die Arbeit aber weniger als Endergebnis, sondern vielmehr als einen Standpunkt für einen Prozess der Aneignung eines städtischen Potentialraumes. Der Wettbewerbsbeitrag zeigt anschaulich, welches Potential in dem Areal steckt, insbesondere für die junge und agile Szene der Wissenschaftsstadt Bielefeld.

3. Platz - Genossenschaft 2.0 - participation, connectivity & mixture

Alexandra Garbar, Emine Baykus, Annalena Grobbel

(Master Städtebau NRW)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit Genossenschaft 2.0 überzeugt insbesondere durch ihre behutsame Berücksichtigung und Analyse der Ausgangssituation. Der Fokus des Konzeptes richtet sich auf die Entwicklung des Wohnungsbestandes und dem Wohnungsneubau an einigen wenigen Stellen des Quartiers. Diese umfassende Bestands- und Bedarfsanalyse ist die Grundlage für ein Konzept, das aus Sicht der Jury für den Standort besonders tragfähig und zukunftsweisend ist. Das Konzept greift die bestehenden Strukturen und Akteursnetzwerke auf, entwickelt diese fort und begreift das genossenschaftliche Modell als einen nachhaltigen Ansatz in der Quartiersentwicklung. Das gelungene mehrstufige Entwicklungskonzept sieht zunächst informelle Beteiligungsverfahren und einem im Prozess fortschreitenden Grad der Formalisierung vor. Dabei bleiben sowohl Konzept als auch bauliche Module so flexibel, dass auf veränderte Rahmenbedingungen jederzeit Rücksicht genommen werden kann. Insgesamt wird die Arbeit als beispielhaftes Konzept zur Weiterentwicklung des genossenschaftlichen Gedankens gewürdigt. Allerdings werden sowohl städtebauliche als auch freiraumplanerische Entwicklungsmöglichkeiten im restlichen Plangebiet nicht genutzt.

 

Ankauf - StadtLandQuartier Minden

Adrian Buck, Denice Müller

(HTWG Konstanz)

Beurteilung des Preisgerichts:

Das stabile städtebauliche Gerüst der Arbeit überzeugt durch die gelungene Verbindung des Grünzuges vom Mittellandkanal zum Botanischen Garten, die durch ihren modular ausgearbeiteten Funktionsmix hohes Aneignungspotential durch die anliegende Bewohnerschaft generiert. Die Freihaltung von motorisiertem Verkehr in Nord-Süd-Richtung wird ausdrücklich begrüßt. Die durchaus offensive Bestandserweiterung erzielt eine qualitative Aufwertung des Gesamtareals, ohne sich gegenüber der bereits bestehenden Bebauung als zu dominant oder gar separierend zu präsentieren. Insgesamt zeigt der Entwurf eine solide städtebauliche Antwort für den Standort, die aber mehr konzeptionelle Tiefe in Bezug auf die speziellen Fragen der Auslobung liefern könnte.

 

Ankauf – Catterick City

Laura Kreische, Ecem Bezdüz, Arthur Spruck

(TH OWL)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Verfasser schlagen ein sozial heterogenes und energieautarkes Quartier vor, dass die Dachlandschaft als Verfügungsmasse miteinbezieht. Das Preisgericht würdigt diesen konzeptionellen Ansatz und die gekonnte Einbeziehung des Bestands. In der Durcharbeitung werden jedoch städtebauliche Mängel deutlich, die eine mögliche Klimaneutralität zugunsten von einer erwartbar hohen Zahl an motorisiertem Verkehr aufgibt. So geht die städtebauliche Qualität durch einen Parkplatz direkt auf dem Kreativcampus verloren. Das südliche Quartier mit den Punkthäusern am Fuß des Teutoburger Wald erscheint gewagt, ist aber als solitäre Bebauung direkt am Park gelegen nachvollziehbar. Die den Punkthäusern gegenüberliegende Riegelbebauung wird kritisch bewertet, da diese dem Solitärgedanken städtebaulich zuwider läuft. Insgesamt betrachtet, bewertet das Preisgericht die Arbeit als interessantes Zukunftskonzept, das an einigen Stellen noch städtebauliche Potentiale außer Acht lässt.

 

Ankauf – Höhen und Geraden

Marvin Düsterhus

(TH OWL)

Beurteilung des Preisgerichts:

Mit einer grafisch konzeptionellen Auseinandersetzung entwerfen die Verfasser eine städtebauliche Struktur, die sich an den Höhenlinien des nahen Teutoburger Wald-Höhenzugs anlehnt. Der Topografie folgend werden die Gebäude in einer aufgelockerten Blockstruktur parallel zur Detmolder Straße angeordnet. Eine städtische Blockstruktur wird mit Freiraumachsen überlagert, sodass eine hybridartige Fingerstruktur aus diesen beiden Komponenten entsteht, die auch zwischen den Blöcken Aufweitungen zulassen und die im zentralen Bereich des gesamten Areals zum Quartiersanger ausformuliert wird. Insgesamt wird durch den Entwurf eine Symbiose von Stadt und Land erzeugt, die in der flexiblen Gebäudestruktur eine Koexistenz von Wohnen, Arbeiten und Freizeit ebenso ermöglichen kann, wie die Umsetzung unterschiedlicher Wohnformen. In der Durcharbeitung offenbaren sich allerdings einige städtebaulich-architektonische Mängel durch die fehlende Differenzierung der baulichen Strukturen und der gewählten engen Blockstruktur. Eine differenzierte Nutzungsverteilung zwischen Wohnen, Gewerbe und Sondernutzungen ist in der Gebäudestruktur kaum erkennbar. Das Preisgericht bemängelt teilweise schwierige Lichtverhältnisse in den Höfen, wenig Privatheit und problematische, nicht mehr zeitgemäße Grundrisse in den Blöcken. Eine differenzierte Gestaltung von Grün- und Freiflächen wird ebenfalls vermisst. Insgesamt würdigt das Preisgericht die gekonnte Verschränkung zwischen Stadt und Land sowie die Transformation der Bestandsbauten als innovativen Ansatz, weist jedoch auf die Schwächen in der Durcharbeitung hin.

 

Sonderpreis – Stadt Land Quartier

Mathias Karuzys

(TH OWL)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Verfasser überraschen mit einem visionären Entwurf, der einer philosophischen Betrachtung entspringt. Die Herleitung der gedachten Lösung ist interessant und schlüssig. Leider führt das gewählte Konzept nicht zu einer realistischen Gebäude- und Lebensform, die das Stadt-Wohnen mit dem Naturerlebnis verbindet. Leben unter der Erde, um dem Stadtlärm zu entfliehen, entspricht nicht den natürlichen Lebensbedürfnissen in unseren Breitengraden. Außerdem würde die notwendige künstliche Beleuchtung und Belüftung erhebliche ökologische Nachteile bedeuten. Insgesamt würdigt das Preisgericht aber den mutigen und innovativen Ansatz und vergibt einen Sonderpreis.

 

Sonderpreis - Greenspired Dencity

Sandra Marin

(TH OWL)

Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf setzt sich insbesondere mit der nachhaltigen Quartiersentwicklung auseinander und zeigt, wie sich innovative Ansätze wie selbstversorgende Technologien und lokale Produktionstechnologien in die Stadtplanung integrieren lassen. Die Verfasser nutzen dabei gängige Konzepte wie Urban Gardening, Hydro- und Aquaponik sowie Energiegewinnung durch Solarkraft. Mit dem Sonderpreis würdigt das Preisgericht die Auseinandersetzung mit nachhaltiger Quartiersentwicklung und den Umgang mit alternativen Energien. Die Thematik wurde zwar informativ und prozessual im Entwurf dargestellt, aber nur ansatzweise in die städtebauliche Struktur überführt. Dementsprechend würdigt das Preisgericht insbesondere den konzeptionellen Ansatz.

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