Essen für das Immunsystem

Die Auswahl unserer Lebensmittel spielt eine große Rolle für unsere Abwehrkräfte. Im Interview erklärt uns Professor Rainer Barnekow vom Fachbereich Life Science Technologies der TH OWL, welche Lebensmittel unserem Immunsystem zugutekommen und was wir ansonsten noch beachten sollten.

Die Auswahl unserer Lebensmittel spielt eine große Rolle für unsere Abwehrkräfte. Im Interview erklärt uns Professor Rainer Barnekow vom Fachbereich Life Science Technologies der TH OWL, welche Lebensmittel unserem Immunsystem zugutekommen und was wir ansonsten noch beachten sollten.

Können wir unser Immunsystem durch das, was wir essen, stärken?

Ja, die Qualität unserer Ernährung beeinflusst in hohem Maße die Widerstandsfähigkeit unseres Immunsystems. Die drei Säulen Ernährung, Bewegung und Psyche beeinflussen sich gegenseitig.

Ernährung hat nicht nur Einfluß auf unsere Abwehrkräfte, sondern auch auf unsere Psyche. Man denke nur an die Geheimwaffe Schokolade für gute Laune oder an die Kraft und Wärme einer deftigen Suppe nach einem kalten Tag. Bekanntlich geht ja sogar die Liebe durch den Magen. Ebenso würde kein Leistungssportler seine Spitzenleistung erreichen, ohne auf eine entsprechende ausgewogene Ernährung zu achten.

Die Ernährung bildet somit zusammen mit der Fitness – sprich Bewegung – und der Psyche einen Dreiklang, der die Leistungsfähigkeit unseres Immunsystems beeinflusst. Nicht umsonst wird das „Sitzen“ als das neue „Rauchen“ bezeichnet.

Wir können unser Immunsystem übrigens nicht nur durch eine gesunde Ernährung stärken, sondern durch unser Verhalten auch gezielt schwächen – so zum Beispiel durch das Rauchen. Es gibt bereits erste wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Rauchen einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Covid-19-Infizierten hat. Die aktuelle Situation wäre daher der perfekte Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Welche Lebensmittel spielen eine große Rolle bei der Stärkung des Immunsystems?

Oft werden die Klassiker Vitamin C und Zink für ein gutes Immunsystem genannt. Leider ist es jedoch nicht ganz so einfach. Jeder Mangel schwächt unseren Köper und damit auch unsere Abwehrkräfte.

Grundsätzlich kann man aber nicht viel falsch machen, wenn man sich an die sogenannten „10 Regeln der DGE“ – also der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. – hält. Dazu gehört zum Beispiel: fünf Portionen Obst am Tag und ein bis zweimal in der Woche Fisch. Es gibt aber natürlich eine Reihe an Lebensmitteln, deren wertvolle Inhaltsstoffe förderlich und zum Teil sogar elementar für ein funktionierendes Immunsystem sind, wie zum Beispiel das Vitamin C in roter Paprika oder die B-Vitamine in Kartoffeln, Kichererbsen und tierischen Lebensmitteln.

Vitamin D spielt ebenfalls eine Rolle. Dieses Vitamin kann unser Körper jedoch durch Sonnenlicht auf unserer Haut größtenteils selbst bilden. Hier reicht es also, so viel Zeit wie möglich draußen an der frischen Luft zu verbringen.

Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage der Zubereitung von Lebensmitteln. Lassen Sie uns dies kurz an dem Lebensmittel erklären, von dem ja bekanntlich die Schwerkraft abhängt: dem Apfel. In einem Apfel sind Vitamine, Polyphenole und viele andere Stoffe enthalten, die für uns wichtig sind. Durch Zubereitung und Konservierung als Apfelmus, nimmt der Gehalt dieser wertvollen Stoffe ab. Für den Energiebedarf durch den gleichbleibenden Zuckergehalt spielt dies keine Rolle – für das Immunsystem jedoch schon. Außerdem verliert das Immunsystem einen wichtigen Trainingspartner. Aus der bemannten Raumfahrt ist bekannt, dass das Essen von ausschließlich konservierter Nahrung das Immunsystem schwächt. Wie genial also, dass unter anderem Erdbeeren, Spargel und Waldmeister gerade Saison haben.

Übrigens: Nahrungsergänzungsmittel sind aus meiner Sicht bei einer ausgewogenen Ernährung unnötig. Natürlich gibt es auch Mangelerscheinungen, die durch Ergänzungen unbedingt behoben werden müssen. Aber das gehört ausschließlich in die Hände von Fachleuten.

Es bleibt also nur zu sagen: Eine vielseitige Ernährung mit möglichst frischen Zutaten ist das A und O. Trotzdem darf der „Genussfaktor“ nicht zu kurz kommen. Denn mindestens genauso wichtig wie die Lebensmittelauswahl ist die Freude am Essen: Erlaubt ist, was Spaß macht!

Welche Bedeutung hat die Flüssigkeitszufuhr bei einem starken Immunsystem?

Ein Mensch kann wesentlich länger ohne Nahrung überleben als ohne Flüssigkeit. Ausreichend zu trinken ist deshalb sowohl für die geistige als auch körperliche Leistungsfähigkeit elementar.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) gibt seit Jahren entsprechende Empfehlungen, die leider aber oft unterschritten werden. So sollen Erwachsene täglich ca. 1,5 Liter Wasser trinken. Der Flüssigkeitsbedarf ist jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig. Bei Hitze, Erkrankungen (z.B. mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall) und beim Sport oder körperlich anstrengender Arbeit wird daher mehr Flüssigkeit benötigt. Das Gute ist: Ein Zuviel an Flüssigkeit schadet dem Körper nicht. Also lieber zu viel als zu wenig trinken.

Am besten sollten Wasser, ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees und Saftschorlen (1 Teil Saft und 3 Teile Wasser) getrunken werden. Es wird viel darüber diskutiert, ob Kaffee oder auch schwarzer und grüner Tee bei der täglich aufgenommenen Flüssigkeitsmenge mitgezählt werden dürfen. Die DGE bejaht dies, jedoch sollte man diese Getränke aufgrund ihrer Inhaltsstoffe wie Koffein bzw. Theobromin nur in Maßen trinken.

Um eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten, trinkt man am besten zu jeder Mahlzeit ein Glas und für zwischendurch sorgt ein Getränk in Reichweite dafür, dass man ans Trinken erinnert wird.

Hier gehts zum Überblick zur Aktion "Immunsystem stärken"