Erfolgsgeschichten
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VeMura – Vom Bauschutt zum Designmaterial

Laura und Domenico entwickeln mit VeMura ökologische Baumaterialien aus dem, was sonst auf dem Müll landet – Bauschutt und industrielle Reststoffe. Ihre Vision: Nachhaltiges Bauen soll nicht nur ökologisch, sondern auch ästhetisch und individuell sein.
Im Gespräch erzählen sie, wie aus einer spontanen Idee während des Innenarchitektur-Studiums ein junges Unternehmen mit Zukunft wurde.
Wie ist VeMura entstanden – und wer steckt dahinter?
Wir haben uns gleich am ersten Studientag im Innenarchitekturstudium an der Technischen Hochschule OWL in Detmold kennengelernt. Schon in den ersten Projekten haben wir gemerkt, dass wir unglaublich gut zusammenarbeiten – kreativ, zuverlässig und mit einem ähnlichen Gespür für Gestaltung.
Während unserer Bachelorarbeit, einem ökologischen Ferienhausprojekt im Wald, standen wir plötzlich vor einer Herausforderung: Wir suchten nach einem wirklich nachhaltigen Putz, der unseren Ansprüchen entsprach – aber es gab einfach nichts Passendes auf dem Markt. Da dachten wir uns: Dann entwickeln wir eben selbst etwas Passendes.
Wir haben uns alte Ziegel im Ziegeleimuseum Lage besorgt, sie per Hand zerkleinert und experimentiert, bis der erste funktionierende Putz entstand. Es war staubig, anstrengend und ehrlich gesagt ziemlich verrückt – aber auch unglaublich spannend.
Mit diesem ersten Prototypen haben wir am RecyclingDesignpreis im Marta Herford teilgenommen und gleich den zweiten Platz gewonnen. Das war der Moment, in dem wir gemerkt haben: Unsere Idee hat echtes Potenzial.
In welcher Branche seid ihr tätig – und was macht euer Geschäftsmodell besonders?
Wir sind in der Baustoff- und Designbranche tätig, an der Schnittstelle von Handwerk, Architektur und Nachhaltigkeit. Unser Unternehmen ist im Grunde eine Manufaktur für ökologische Baumaterialien.
Wir schaffen Wandfarben und Oberflächen, die zu rund 70 % aus recyceltem Ziegel, Glas und natürlichen Rohstoffen bestehen – frei von Beton und Chemie. Wir geben alten Materialien neues Leben und gestalten nachhaltige Räume mit Stil und Verantwortung.
Das Besondere ist, dass jedes Produkt individuell für ein Projekt hergestellt wird. Wir arbeiten eng mit unseren Kund:innen zusammen und passen Farbe, Struktur und Materialzusammensetzung an.
Unser Ziel ist es, nachhaltig zu produzieren, Ressourcen zu schonen und Materialien zu schaffen, die auch ästhetisch überzeugen. Für uns gehört zu Nachhaltigkeit nicht nur der ökologische Aspekt, sondern auch die Wertschätzung für das Handwerk und für das, was wir erschaffen.
Wie wurdet ihr unterstützt – und welche Rolle spielte die Campus Foundery OWL?
Ohne die Campus Foundery OWL wären wir heute sicher nicht da, wo wir sind. Über unsere Professor:innen haben wir vom Kick-Start-Stipendium erfahren, das uns ermöglicht hat, erste Rohstoffe zu kaufen, Prototypen herzustellen und unsere Idee professionell weiterzuentwickeln.
Neben der finanziellen Unterstützung waren die Coachings und Workshops besonders wertvoll. Wir haben beide eine wirtschaftliche Grundlage, kommen aber beide eher aus der Gestaltung – Themen wie Preisgestaltung, Markenaufbau oder Geschäftsstrategie waren für uns nur Theorie. Durch die Begleitung der Campus Foundery haben wir gelernt unternehmerisch zu denken und dies dank ihrer Unterstützung praktisch anzuwenden, ohne dabei unsere kreative Seite zu verlieren.
Ein riesiger Vorteil war auch, dass wir die Werkstätten und Maschinen der Hochschule nutzen konnten. Dadurch konnten wir viele Experimente durchführen, unser Material optimieren und unsere Produktionsprozesse aufbauen. Diese frühe Testphase war entscheidend für alles, was danach kam.
Was macht euer Konzept besonders?
Unser Ansatz verbindet Nachhaltigkeit und Design. Wir möchten zeigen, dass ökologische Materialien nicht nach „Öko“ aussehen müssen, sondern hochwertig, individuell und ästhetisch sein können.
Wir arbeiten sehr handwerklich – jede Oberfläche entsteht in sorgfältiger Handarbeit. Oft sagen unsere Kund:innen, dass wir ihre Projekte so behandeln, als wären es unsere eigenen – und das stimmt auch. Wir begleiten jedes Projekt von der ersten Idee bis zur fertigen Wand und gehen auf jedes Detail ein.
Uns ist wichtig, dass unsere Materialien ehrlich sind: frei von Chemie, langlebig, und in ihrer Haptik und Optik einzigartig. Jede Fläche erzählt eine Geschichte – manchmal sogar wortwörtlich, weil der Ziegel aus einem alten Gebäude stammt, das abgerissen wurde.
Welche Vision verfolgt ihr mit VeMura?
Unsere Vision ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Handwerk, Design und Forschung zusammenkommen. Wir wünschen uns eine eigene Werkstatt mit einem kleinen Team, das mit uns neue ökologische Materialien entwickelt und unsere Werte teilt.
Langfristig möchten wir auch ein Innenarchitekturbüro aufbauen, das eng mit unserer Materialwerkstatt zusammenarbeitet. So könnten wir Architektur und Materialgestaltung noch stärker miteinander verbinden – vom Konzept bis zur Umsetzung.
Uns treibt die Idee an, das Bauen nachhaltiger, ehrlicher und zugleich schöner zu machen.
Welche Erfahrungen waren besonders prägend – und was würdet ihr anderen Gründer:innen raten?
Gründen ist Freiheit und Verantwortung zugleich. Wir haben gelernt, dass man nur dann wirklich durchhält, wenn man an seine Idee glaubt. Es gab Momente, die waren alles andere als glamourös – zum Beispiel, als uns beim Abholen von Bauschutt mit unserem kleinen Fiat 500 die Achse gebrochen ist. Aber das gehört dazu. Solche Erlebnisse schweißen zusammen und bleiben auch mit einem Lachen in Erinnerung.
Unser wichtigster Rat an andere Gründer:innen: Einfach machen. Nicht alles zu Tode planen, sondern loslegen. Viele versuchen erst, eine Idee zu finden, nur um gründen zu können – bei uns war es anders. Wir hatten ein echtes Problem und daraus entstand unsere Lösung.
Wenn man aus Überzeugung handelt, wächst man mit seinen Aufgaben. Und genau das ist das Schöne am Gründen: Man lernt ständig dazu, man gestaltet, man schafft etwas Bleibendes.
Wie geht es bei euch weiter?
Wir arbeiten gerade daran, unser Material weiterzuentwickeln und unser Portfolio zu erweitern. Außerdem möchten wir langfristig ein Team aufbauen – mit Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen nachhaltige Baumaterialien neu denken – ästhetisch, ökologisch und individuell.

