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BA 503 Projekt Kontext

Wie man wohnt

Dynamisch Wohnen

Wohnen ist ein dynamischer Prozess, sowohl die Wünsche an das Haus (wie wohne ich) als auch der Ort (wo wohne ich) verändern sich ständig: In der Stadt, auf dem Land, im Einfamilienhaus, in der gemütlichen Wohnung, als Familie, als Wohngemeinschaft, im HomeOffice. Das sind Veränderungen in der Gesellschaft, die großen Bewegungen des Klimas, der Demographie und der Politik, aber auch persönliche Veränderungen, Wünsche und Träume ändern sich mit dem Alter, der Form des Zusammenlebens (ledig, verheiratet, geschieden.......). Im Projekt Kontext untersuchen wir, ob und wie sich diese unterschiedlichen Lebenswelten und Wünsche in einem begrenzten Teil von Detmold realisieren lassen. Zu Entwerfen ist ein Experiment, eine Form der Forschung, die Möglichkeiten im Raum auslotet, Hypothesen aufstellt und auch das Undenkbare oder nicht Vorstellbare denkbar macht. Was braucht die Zukunft und wie können wir als Architekten dazu beitragen?

Wohnatmosphären
Wohnen kann man im städtischen, suburbanen oder ländlichen Raum. Stadt, Suburb und Land lassen sich plakativ nach drei Wohnformen charakterisieren:
Für das Städtische steht das Wohngebäude, mit waagrechter und senkrechter Staffelung der Wohnungen. Die meisten Wohnungen haben keine direkte Verbindung mit dem Grundstück und der Straße, man teilt sich die Erschließung der Wohnung mit den anderen Bewohnern des Gebäudes, welche man nicht notwendigerweise kennt, und man diese Anonymität vielleicht sogar mag. Der Außenraum ist eine Terrasse oder ein Balkon.
Im suburbanen Kontext gibt es das Reihenhaus. Das Reihenhaus hat einen Garten, die Bewohner haben Nachbarn, die sich direkt hinter einer der Wände des Hauses befinden und die man wahrscheinlich kennt. Die Bewohner legen Wert auf eine starke Trennung zwischen dem öffentlichen Bereich an der Straße (vorne) und der privaten Seite des Gartens. Das klassische Reihenhaus hat zwei Etagen und ein Dachgeschoss. Wenn man Anbauten realisieren will, muss man das mit den Nachbarn abstimmen. Im ländlichen Raum, oder auch im Dorf steht das freistehende Haus, möglicherweise eine Villa oder auch ein einfaches Einfamilienhaus, nennen wir es das  ́Urhaus ́ oder das  ́HausHaus ́. Das  ́HausHau´ steht auf einem privaten Grundstück, man hat Aussicht (auf die Landschaft!) und es befinden sich ein oder mehrere Nebengebäude auf dem Grundstück (Schuppen, Scheune, Garage, Werkstatt). Es leben Menschen und Tiere in und rund um dem Haus. Man kennt sich hier, nicht nur die direkten Nachbarn, sondern auch die Bewohner im Dorf.

Sie sind im Projekt Kontext herzlich eingeladen diese Beschreibungen zu ergänzen, zu widersprechen und zu diskutieren.

In postmodernen Zeiten, und wir leben in postmodernen Zeiten, sind diese deutlichen Unterschiede ziemlich durcheinander geraten. Man wohnt in der Stadt wie auf dem Land: hat Gemüsegärten auf Dächern, baut Apartmentgebäude im Dorf, staffelt Villen und Reihenhäuser werden in alle möglichen Richtungen gestapelt, gestaucht, gestreched und vervielfacht.

Wir machen in Projekt Kontext auf dieser Schiene weiter im postmodernen Kunterbunt. Ein Wohnhochhaus, mit Nebenbebauung in Detmold, Rosenstrasse, Ecke Willi Hofmannstrasse ist in diesem Jahr Gegenstand der Projekt Kontextaufgabe. Es ist das von 1969 bis 1976 nach den Plänen der Architektin Gertrud Enzensberger und ihres Sohnes Peter Junkers für die „Baugemeinschaft Rosenstraße Detmold“ errichtete Appartementhaus mit Garagen, Arztpraxis und Postamt. Es ist als erster Hochhausbau mit versetzt angeordneten Gewerbebauten bedeutend für die Geschichte der Stadt Detmold und deshalb auch teilweise unter Denkmalschutz gestellt. Durch die gestaffelte Baumasse scheint es sich um mehrere Hochhäuser zu handeln. Es gibt noch mehr Auffälligkeiten/Merkmale an diesem Gebäude: Während die meisten Hochhäuser dieser Zeit in Neubaugebieten situiert waren, befinden sich diese Häuser in einem der schönsten und teuersten Stadtviertel von Detmold, gleich neben dem Palaisgarten, am Hang, in der Nachbarschaft von Villen. Die Hanglage ermöglicht eine gute Aussicht über die Stadt. Die Türme haben ein Sockelgeschoss, in dem sich ursprünglich eine Arztpraxis mit zugehöriger Wohnung, der Eingang zu den Apartments, Abstellräume, eine gemeinschaftliche Waschküche und eine Parkgarage befanden. In vielen Städten wurden in der Nachkriegszeit an verschiedenen Orten Wohnhochhäuser gebaut. Bis in die 70er Jahre wurden meist mehrere Hochhäuser gleichzeitig gebaut, die oft auch unter sich miteinander verbunden waren. Wohnhochhäuser waren, anders als in den 80ern, nicht der ultimative Ausdruck von Individualität und Macht ‐ je höher desto besser - sondern viel mehr eine Stadtmarkierung von einfacher Ausprägung.

Was ist die Aufgabe?

Sie entwerfen, mit dem bestehenden Apartmenthaus als  ́Basissubstanź mehrere Wohnbebauungen mit drei unterschiedlichem Wohnambiente. Diese Bebauungen (inklusive des Bestandsbaus) haben mal die städtischen, mal die suburbanen oder ländlichen Merkmale  ‐ wie oben beschrieben, ergänzt mit Ihrer eigenen Merkmalsdefinition. Die heutigen Wohnhochhäuser haben pro Etage zwei kleine und zwei große Wohnungen. Entwerfen Sie eine ggf. neue Einteilung, fügen Sie z.B. die zwei kleinen Wohnungen zusammen, gegebenenfalls können Sie die bestehenden Gebäude erweitern, verbinden mit den Neubauten wobei die Denkmalstatus der Türme berücksichtigt, aber auch kritisch hinterfragt werden kann. Es gibt im Bestand vier Dachgärten, die keine direkte Verbindung zu den Wohnungen haben. Überlegen sie sich diese Situation und verbinden Sie ggf die Dachgärten mit einer oder mehreren Wohnungen (Das muss nicht notwendigerweise eine Wohnung der oberen Etage sein.). Entwerfen Sie ein neues Wohnhochhaus: entweder auf der Parkgarage und/oder auf dem ehemaligen Postamt (jetzt Stellwerkstatt). Der neue Wohnturm hat einen eigenen Eingang, Aufzug, Treppenhaus und Abstellräume. Die Höhe der Wohntürme ist nicht vorgegeben. Es dürfen direkte Verbindungen zu den Wohnungen des nahegelegenen Turmes gemacht werden. Jede Wohnung in Alt und Neubau erhält einen Arbeitsbereich. Wobei insgesamt mindestens drei verschiedene Arbeitsbereichstypen realisiert werden müssen, die jeweils für ihre Nutzung optimiert sind (Nutzungsbeispiele: Musikunterricht, Arztpraxis, Berater, Modeatelier usw.). Eine Wohnung in dem Altbau kann also ein Arbeitsraum in den Neubau haben, genauso kann eine Wohnung in dem Neubau Arbeitsbereiche in dem Altbau haben!

Seien Sie schlau und hinterfragen Sie die Aufgabenstellung und die Randbedingungen; schlagen Sie gerne schlaue, lustige, experimentelle, nachhaltige, herausfordernde Alternativen vor!

 

Projekt Ablauf

Stadt‐ und GebäudeAnalyse.

Schritt eins: Ortsbegehung am 30.09. um 10.00h für die Vormittagsgruppen und um 14.00h für die Nachmittagsgruppen

Schritt zwei: Analyse Anfang Oktober bis Mitte November

Umgebung und Bestandsanalyse  (Wie groß, wieviel, welches Material, wie gut, wie schlecht?)

‐ Analyse des Grundstückes und deren Umgebung

‐ Festlegung der wichtigen/interessanten Sichtbezüge aus der Umgebung/auf die Umgebung

‐ eine Beschreibung/Darstellung der räumlichen Merkmale des Grundstückes (Form, Grenze, Größe, Topografie)

‐ Untersuchungen der nahen Umgebung: Höhe der Hochhäuser, Schattenbildung, Struktur des Stadtviertels, Baumasse, Gärten, private und öffentliche Bereiche...

‐ Darstellung der Sequenzen der Straßenprofile (Schmal, breit, tief, eng.....)

‐ Dokumentation von Farben, Materialien, Grün...
Produkt: Analysezeichnungen des Stadtgrundrisses (Beispiele werden gezeigt) + Darstellung mit einfachen Perspektiven einer Route vom Grundstück wegführend und zu dem Grundstück hinführend (z.B. von der Langen Straße über Hornschestraße/Gartenstraße bis zum Alten Postweg) / Fotografisch dokumentiert und von Hand oder im Computer überzeichnet und interpretiert und beschrieben (Warum, was ist interessant oder wichtig) + Kurzer 1,5 Minuten Film vom direkten Umgebung der Türme/Wege zur Türme + GebäudeAnalyse

Stadtanalyse: DetmolderQualitäten (Was macht Detmold zu Detmold, was ist gut, was ist schlecht, schön, einzigartig)
Produkt: DetmoldBuch, DINA4 Querformat, mit möglichst vielen (Dis)Qualitäten Detmolds, ein Bild der Qualität pro Seite + kurze Beschreibung der dargestellten Qualität.

Beispielrecherche Plananalyse Projekte Stadt/Suburban/Land (pro Gruppe eine Kategorie) Produkt: Referat über Projekte, die interessante, schöne und innovative Lösungen zeigen von Wohnbebauung und Interessante Typologien und Verdichtungen für die in dieser Aufgabe gefragte Kategorien (Urban/Suburban/Land) und vielleicht auch mal gemischte, vielleicht nicht 100% eindeutige mehrere Merkmale aufweisen. Diese Begriffe können bei der Analyse hilfreichsein:
‐öffentlich/privat
‐Front-/Rückfassade
‐Garten/Terrasse/Balkon
‐Erschließung ‐KontextundUmgebungsbezug

Selbstverständlich wird von Ihnen erläutert, warum die Projekte besonders zeigenswert sind und stehen Hochhäuser im Fokus. Die Analyse ist Grundlage für den Entwurf

 

Entwurf

Schrittdrei: Entwurfskonzepte/‐ideen Anfang Oktober bis Mitte November

Festlegung des Programms und Ausgangspunkte Formulieren sie ihre Aufgabe und bauen Sie ein `AnalyseModell` Experimentelles, Einfaches 3dModell, Im Modell überprüfen sie die Wirkungunterschiedliche Baumassen und Bauhöhen auf die Grundstücke.
Produkt: Bilder vom Modell mit schriftlich/grafisch einer Bewertung der unterschiedlichen Varianten (Was ist Gut, was ist schlecht und warum?) Entwicklung eines oder mehrere Entwurfskonzepte: wo kommt das Ländliche, wo das Suburbane und wo das Städtische, welcher Art der Typologien wollen sie nutzen? Was ist die Hauptbauform? Gibt es ein räumliches Leitmotiv, z.B.: alle Wohnungen und Häuser verteilen sich über minimal zwei Etagen und haben ein Blick auf den Hermann, oder: ist es eine zusammenhängende Familie von Bauten oder stehen die einzelnen Bauten für sich? Entwickeln sie ein Konzept für die Materialien, die sie nutzen wollen z.B.: Material in der Fassade bezieht sich auf Farbe und Material der Nachbarbebaung)? Was sind die Hauptmerkmale ihres Entwurfskonzeptes, was haben Sie vor, was möchten Sie erreichen und wie wollen Sie das erreichen? Es werden Übungen gemacht zu Konzeptdarstellung
Produkt: Modell/Skulptur/räumlicheDarstellung, maßstabslos, zeigt die räumlichen Komponenten der Entwurfsidee + Skizze und/oder Diagramm und/oder Kollage*Stichworte

Schritt vier: Ausarbeitung der Entwurfskonzepte Mitte November bis Ende Januar... Betreuungen nach Absprache, Gruppenbesprechungen Und das alles wird dann natürlich präsentiert

 

Präsentation

Schritt fünf: Festlegung des Layouts der Präsentation

Schritt sechs: Präsentation und Prüfung Abgabeleistung

‐ Darstellung Erläuterung des Entwurfskonzeptes/Herleitung

‐ Stadtgrundriss Maßstab 1:400

‐ Grundrisse aller Ebenen Maßstab 1:200

‐ 2 Schnitte (sind teilweise auch Ansichten) Maßstab 1:200

‐ Ansichten aller 4 Seiten Maßstab1:200

‐  4 Perspektiven  und eine Sequenz von 4 Bildern von kommend Stadt bis in den Innenraum hinein. Die Technik der Darstellung ist frei wählbar (Handzeichnung, Collage, Renderings, Mischtechnik),

‐ Ausarbeitung eines Teilbereiches, 20x20x20 Meter (in Abstimmung mit Dozenten festzulegen) im Maßstab 1:100 Grundrisse, Schnitte (2), Ansichten (2), Modell

‐ Modell 1:200 ( = Arbeitsmodell, da dieses ab Schritt 2 fortlaufend überarbeitet wird!

Termine