Skip to Content

Diversity Inclusivity Hub

Fokusprofessor Ulrich Nether

Förderung von Vielfalt, Chancengleichheit und Teilhabe

Seit 2006 ist Ulrich Nether Professor für Produktdesign und Ergonomie an der Detmolder Schule für Gestaltung. Er arbeitet hauptsächlich in der Innenarchitektur. Die Schwerpunkte seiner Lehre und Forschung sind Designstrategien für Inklusion, Diversität und Nachhaltigkeit, User und Human Centered Design, Mensch-Objekt-Raum-Umwelt Beziehung, Digitalisierung des Raums sowie Speculative und Critical Design. In seinem Fokusprojekt „TH OWL Diversity Inclusivity Hub“ beschäftigt er sich seit 2023 mit der Entwicklung und Festigung einer Kultur der Vielfalt, Chancengleichheit und Teilhabe an der TH OWL und über die Hochschule hinaus. Dieses Fokusprojekt wird unterstützt von Professorin Dr. Uta Pottgiesser, der Vizepräsidentin für Kultur, Kommunikation und Internationales.

Fünf Fragen an den Fokusprofessor

Prof. Ulrich Nether spricht über die Idee und die Zielsetzungen seines Fokusprojekts „TH OWL Diversity Inclusivity Hub“.

Mit welchen gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigt sich Ihr Fokusprojekt?

Das sind nicht wenige, denn unsere Gesellschaft steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen. Die spüren wir natürlich auch hier an der TH OWL:

Der demografische Wandel führt in den nächsten Jahren dazu, dass Deutschland ein Land mit einer der ältesten Bevölkerungen weltweit sein wird. Der Arbeitsmarkt und die Hochschullandschaft stehen durch diese Entwicklung besonders unter Druck. Hinzu kommt, dass der anhaltende Fachkräftemangel Fortschritt und Innovation hemmt, überall in Europa, aber vor allem abseits der Metropolregionen, also in ländlicheren Gebieten. Hier braucht es effektive Gegenmaßnahmen, um die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte aufzuhalten. Gleichzeitig wird auch Migration immer wichtiger. Wir erleben bereits heute, dass qualifizierte Mitarbeiter:innen zunehmend aus anderen Weltgegenden zu uns kommen. Dafür benötigen wir eine bessere Willkommenskultur und ein grundlegendes Inklusionsverständnis, um Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen ein ehrliches Angebot zu machen und echte Chancengleichzeit zu gewährleisten.

All diese Entwicklungen und ihre Folgen zeigen sich auch bei uns an der TH OWL: Als Hochschule in einer ländlichen Region mit starker industrieller Prägung sind wir auf qualifizierte Fachkräfte und ein gutes Miteinander angewiesen – das gilt natürlich für die ganze Region OWL.

Der Dreiklang „Diversität, Chancengleichheit und Inklusion“ hat zwei Perspektiven: Wenn wir Chancengleichheit ermöglichen und Teilhabe für möglichst alle wollen, bedeutet das Arbeit für alle – auch an uns selbst: Die so genannte „Equity“-Perspektive, also die Gleichstellungsperspektive, zeigt auf, wo Probleme wie Diskriminierungen, Stigmatisierungen, Biases, Intersektionalität, also die Kulmination unterschiedlicher Diskriminierungen, bestehen, denen wir uns als Gesellschaft und als Hochschule stellen müssen. Mögliche Maßnahmen sind ein Leitbild, eine Antidiskriminierungsrichtlinie, eine Antidiskriminierungsstelle, der Abbau von Barrieren, Gleichstellungs- und Inklusionsarbeit, Weiterbildungen und Schulungen sowie weitere Anlaufstellen.

Warum das alles? Die Business-Perspektive der Diversität weist darauf hin, welche Potenziale sich eröffnen, wenn wir Vielfalt und Chancengleichheit zulassen. Alle diesbezüglichen Studien zeigen, dass divers besetzte Teams, divers besetzte Unternehmen, divers besetzte Forschungseinrichtungen erfolgreicher und innovativer sind als nicht divers besetzte.

Wir sehen also: Es ist ebenso notwendig wie lohnenswert, in Vielfalt, Gleichberechtigung und Teilhabe zu investieren.

Wie gehen Sie in Ihrem Projektansatz vor und was ist Ihr Ziel?

Der Diversity Inclusivity Hub setzt gezielt dort an, wo Wandel und Innovation notwendig sind, und soll Lösungen bieten, indem er Plattformen für Zusammenarbeit schafft und Programme zur Förderung von Diversität und Inklusion entwickelt. Mit dem Diversity Inclusivity Hub zielen wir darauf ab, spezifische Bedarfe der Region zu untersuchen und passende Diversity-Strategien zu entwickeln, die sowohl lokal als auch international Strahlkraft besitzen. Wir bieten dazu eine Hub-Struktur, also eine Art Knotenpunkt, eine Plattform, in der Akteur:innen der verschiedensten Bereiche an diesen Themen arbeiten können. So entsteht ein enger Austausch sowohl in Wissenschaft, Forschung und Lehre als auch mit lokalen Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und der Zivilgesellschaft: Diversität und Inklusion als Entwicklungsstrategie.

Und mit Blick auf die TH OWL?
Für die TH OWL ist unser Ziel, eine Kultur der Diversität und Inklusivität zu schaffen, die eine echte und offene Bereitschaft zu Gespräch, Auseinandersetzung und Mitarbeit voraussetzt. Um das zu erreichen, definiert unser Diversity-Konzept fünf konkrete Teilziele:

  • Chancengleichheit realisieren – indem wir gleiche Zugangsmöglichkeiten für alle ermöglichen.
  • Talente fördern – indem wir individuelle Stärken erkennen und unterstützen.
  • Diskriminierungsschutz gewährleisten – indem wir ein sicheres Umfeld für alle anstreben.
  • Gemeinschaftssinn entwickeln – indem wir das Zusammengehörigkeitsgefühl und die gegenseitige Unterstützung stärken.
  • Potenziale der Vielfalt aktivieren – indem wir unterschiedliche Perspektiven als Ressource begreifen und nutzen.

Das Projekt strebt also an, Diversität, Chancengleichheit und Teilhabe inter-, multi- und transdisziplinär weiterzuentwickeln. Ziel ist es, alle Bereiche der Hochschule, von Lehre und Forschung bis hin zu Administration und Management, mit innovativen Impulsen zu bereichern. Durch diesen Ansatz soll nicht nur ein Beitrag zur nachhaltigen Hochschulkultur geleistet, sondern auch das Profil der TH OWL gestärkt und langfristig zukunftsfähig gemacht werden. Darüber hinaus sollen Best-Practice-Modelle entwickelt werden, die auch von anderen Hochschulen übernommen werden können.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?
Vielfalt und Inklusion sind Querschnittsthemen. Um die genannten Ziele zu erreichen, ist ein strukturiertes Vorgehen in allen Bereichen und mit allen Beteiligten der Hochschule sowie darüber hinaus nötig. 

Um schnell Ergebnisse zu erzielen, haben wir einerseits einfach angefangen und beispielsweise erstmals eine zugängliche Übersicht über alle Angebote der TH im Kontext geschaffen, verschiedene Formate für Zusammenarbeit initiiert, Synergien gesucht in OWL und auch konkrete Projekte gestartet in Lehre und Forschung. Parallel entwickeln wir zusammen mit allen Hochschulangehörigen ein Leitbild, das zentrale Werte und Zielsetzungen definiert und eine gemeinsame Grundlage schafft. Darauf aufbauend ist dann ein konkreter Diversity-Plan mit klaren Maßnahmen und einer abgestimmten Ressourcenplanung erforderlich, um Schritte zur Förderung von Vielfalt gezielt und nachhaltig umzusetzen. Wesentlich ist auch der Aufbau von Lehr- und Forschungsnetzwerken, um Wissenstransfer und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken. Diese Netzwerke fördern innovative Ansätze und verankern das Thema in Wissenschaft und Praxis. Auch damit haben wir begonnen. Zur langfristigen Umsetzung möchten wir eine Diversity-Management-Struktur konzipieren, die dann Maßnahmen koordiniert, evaluiert und weiterentwickelt. Nicht zuletzt sind regionale und internationale Kooperationen wichtig, um Perspektiven zu erweitern, gemeinsame Projekte zu ermöglichen und die gesellschaftliche Offenheit zu fördern.

Können Sie uns erste konkrete Beispiele für die netzwerkbildenden und transferfördernden Maßnahmen aus Ihrem Fokusprojekt nennen?

Neben dem Webauftritt „Vielfalt und Inklusion“ der TH OWL haben wir es geschafft, mit dem UNI DIV DAY OWL und den UNI DIV TALKs nicht nur für unsere Hochschule intern ein neues Format in Sachen „Diversity Equity Inclusion“ zu entwickeln: Wir konnten sechs Hochschulen aus der Region gewinnen, sodass gerade ein Netzwerk wächst, das ganz OWL umfasst. Die Veranstaltung fand zum Deutschen Diversity Tag 2025 im KIO in Detmold statt. Zu Gast an der TH waren die Universitäten Bielefeld und Paderborn, die Hochschule Bielefeld, die Katholische Hochschule NRW (Paderborn) und die Hochschule für Musik Detmold.

Studierende aller Hochschulen leisteten Beiträge zum Themenbereich und leiteten Workshops vor Ort. Studierende der Medienproduktion setzten einen Livestream professionell um, sodass die Beiträge online verfolgt werden konnten – und weiterhin auf dem Youtube-Kanal TH OWL zur Verfügung stehen.

Alle Hochschulen wollen das Format weiterverfolgen. Im Jahr 2026 wird es an der Uni Paderborn stattfinden, erweitert um wissenschaftliche Beiträge. Es entsteht ein Hochschulnetzwerk OWL zu Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion.

Außerdem starten wir derzeit das EFRE-geförderte Forschungsprojekt CoSiMo (Concierge System for Inclusive Mobility), das gemeinsam mit Professor Hans Sachs sowie Kolleg:innen der Hochschule Rhein-Waal und dem Unternehmen XignSys beantragt wurde. Interessant ist das Projekt, weil es zwei Fokusprofessuren gemeinsam entwickelt haben und maßgeblich durchführen werden: KI Bau und Diversity Inclusivity Hub. Es geht um die Verknüpfung von Menschen (Inklusion) und digitaler Technologie (KI) für die Zukunft von Mobilität vor allem im ländlichen Raum. 

 

Fokusthemen für die Zukunft

Leuchtturmprojekte der TH OWL

Die Hochschule setzt mit den laufenden Fokusprofessuren auf Innovation und Zukunftsgestaltung. Die interdisziplinär angelegten Leuchtturmprojekte in Forschung, Lehre, Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft sowie Diversität entwickeln Zukunftsthemen weiter und stärken die TH OWL in ihren strategischen Entwicklungsfeldern.

Ermöglicht werden sie durch das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz geförderte Projekt PROFuture@TH-OWL.

Kontakt

Sie haben Fragen?

Sie möchten mehr über das Fokusprojekt „TH OWL Diversity Inclusivity Hub" erfahren? Wenden Sie sich gern direkt an die Fokusprofessor:
Prof. Ulrich Nether
+49 5231 769 6990
ulrich.nether(at)th-owl.de

Sie interessieren sich für unsere Fokusprojekte im Allgemeinen? Melden Sie sich gern bei:
Miriam Magadi
PROFuture@TH-OWL | Graduiertenprogramme mit der Wirtschaft, Transfer- und Fokusprofessuren
+49 5261 702 5120
miriam.magadi(at)th-owl.de | profuture(at)th-owl.de

Das Projekt PROFuture@TH-OWL ist Teil der BMFTR-Förderline „FH Personal“ und wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) unterstützt.

Gefördert durch: