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Programmieren aus dem Baukastensystem: TH OWL unterstützt Unternehmen beim Thema Low-Code-Programmierung

IT-Fachkräfte sind in vielen Unternehmen ein knappe Ressource. Gleichzeitig steigt der Bedarf an betriebsspezifischen Softwareanwendungen rasant. Eine Lösung dafür heißt Low-Code-Programmierung, die es ermöglicht, Softwarenanwendungen ohne tiefe Programmierkenntnisse zu erstellen. Forschende der TH OWL unterstützen Unternehmen bei der Auswahl der richtigen Low-Code-Plattform und dem sinnvollen Einsatz.

Ernst Voß, Werkleiter der Homag Kantentechnik GmbH, ist stolz auf das Ergebnis. Sein Unternehmen hat mithilfe der Low-Code-Programmierung gemeinsam mit der TH OWL ein Montageassistenzsystem entwickelt. Eine Premiere für das Unternehmen. „Im Vergleich zur Programmierung über IT-Fachkräfte haben wir auf diese Weise eine sehr schnelle, günstige und bedarfsgerechte Lösung geschaffen“ berichtet Ernst Voß.

In Unternehmen besteht ein steigender Bedarf an betriebsspezifischen Softwareanwendungen zur Digitalisierung und Optimierung von Prozessen. Gleichzeitig sind die IT-Abteilungen stark ausgelastet und IT-Fachkräfte Mangelware. Low-Code-Programmierung kann eine mögliche Antwort auf dieses Problem sein. Mit einer Art Baukastensystem können Beschäftigte in Fachabteilungen auf einfache und schnelle Weise selbst betriebsspezifische Softwareanwendungen erstellen, mit denen Prozesse digital unterstützt und damit optimiert werden. An einer solchen Lösung arbeitet das Konsortium des vom Land NRW geförderten it‘s OWL Projektes „Pro-LowCode“. In dem Projekt geht es um die Entwicklung und Umsetzung eines ganzheitlichen Ansatzes zur Digitalisierung von Prozessen in Industriebetrieben mittels Low-Code-Software. Das Projekt ist Anfang März mit einer Laufzeit von zwei Jahren gestartet.

„Die Low-Code-Programmierung ermöglicht es, Softwareanwendungen ohne tiefe Programmierkenntnisse mit Hilfe einer grafischen Benutzeroberfläche zu erstellen. Dazu müssen vorgefertigte Funktionsbausteine nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt werden“, erläutert Alexander Nikolenko, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Industrial Engineering. Der Code wird automatisch im Hintergrund generiert. Ein Vorteil liegt darin, dass besonders passgenaue Lösungen realisiert werden können, weil Beschäftigte aus der Fachabteilung mit ihrem Fachwissen direkt an der Softwareentwicklung mitwirken. Darüber hinaus können Kosten eingespart und Entwicklungszeiten reduziert werden.

Trotz der zahlreichen Vorteile gibt es in Unternehmen noch Hürden für den Einsatz der Low-Code-Programmierung. Professor Dr.-Ing. Sven Hinrichsen leitet das Projekt an der TH OWL: „Die Low-Code-Programmierung ist in Betrieben noch weitgehend unbekannt und es mangelt an Untersuchungen zu den Einsatzmöglichkeiten und -grenzen dieser Art der Programmierung. Außerdem ist es für potenzielle Anwenderinnen und Anwender derzeit nicht transparent, welche Low-Code-Plattform für welche Anwendungsfälle geeignet ist. Eine weitere Herausforderung stellt die Integration von mit Low-Code-Plattformen entwickelten Programmen in bestehende IT-Systeme dar.“

„Genau an dieser Stelle setzt das Projekt Pro-LowCode an“, so Benjamin Adrian, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Industrial Engineering. „Im Rahmen des Projekts ermitteln wir gemeinsam mit Unternehmen, welche technischen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen erforderlich sind, um Low-Code-Plattformen erfolgreich einzusetzen.“ Darüber hinaus entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein methodisches und softwaretechnisches Rahmenwerk, das im realen Betrieb bei den Partnerunternehmen erprobt wird. Das Rahmenwerk ermöglicht die schnelle Integration eines Low-Code-Programms in bestehende IT-Systeme und Anwendungslandschaften. In Fallstudien zeigen die Forschenden erfolgreiche Low-Code-Lösungen aus verschiedenen Anwendungsbereichen. Ein „Open Call“ wird es weiteren Unternehmen noch während der Projektlaufzeit ermöglichen, an den Entwicklungen zu partizipieren und selbst Erfahrungen mit der Low-Code-Programmierung zu sammeln.

Am Projekt beteiligt sind neben dem Labor für Industrial Engineering der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe als Konsortialführer der Software Innovation Campus Paderborn (SICP) der Universität Paderborn, die S&N Invent GmbH als Umsetzungspartner, die Unternehmen HOMAG Kantentechnik GmbH und DENIOS AG als geförderte betriebliche Projektpartner sowie die assoziierten Partner BaSys – Bartels Systembeschläge GmbH und ISRINGHAUSEN GmbH & Co. KG.

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