Wie ein Frühstücksbrettchen die Welt verbessert

Jannis Stadtmann hat Holztechnik am Fachbereich Produktions und Holztechnik an der Technischen Hochschule OWL studiert und startet bald im Master. Vor zwei Jahren hatte er eine Idee: Holzbrettchen in Schweinchenform produzieren, verkaufen und den Erlös zur Unterstützung von Projekten sowie der Herstellung weiterer Produkte einsetzen. Fast 1.500 Euro konnten so bereits gespendet werden. Durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne kann das Projekt nun weiterwachsen, um noch mehr Gutes zu tun.

Jannis Stadtmann sitzt am Frühstückstisch seiner WG, als ihm plötzlich eine Idee kommt: „Was wäre, wenn ein Frühstücksbrettchen die Welt verbessern könnte?“ Den Anstoß dazu gab ein kleines Holzbrettchen in Schweinchenform, das der Opa, Klemens Stadtmann, während der Ausbildung von seinen Lehrlingen zur Übung herstellen ließ. Einige davon sind danach auch in der WG von Jannis Stadtmann gelandet, wo er dann die Idee zu seinem Projekt „Spendenschwein“ hatte. „Ich wollte schon immer etwas Gemeinnütziges tun. Da ich gelernter Tischler bin, wollte ich zunächst meine Fähigkeiten dafür nutzen und Produkte aus Holz herstellen. So ist schließlich das Frühstücksbrettchen entstanden“, sagt Jannis Stadtmann. Die ersten Brettchen fertigte er in den Werkstätten seiner Verwandten. „Mein Opa und mein Onkel sind beide Tischler-Meister“, erklärt er.

Die Idee und das Prinzip hinter den Spendenschweinen sind eigentlich recht einfach: „Jemand kauft ein tolles Produkt, unterstützt dabei direkt ein Projekt und ermöglicht wiederum die Herstellung weiterer Produkte. Dadurch entsteht dann ein Spendenschneeballeffekt und aus einem kleinen Beitrag wird langfristig ein viel größerer“, erläutert der 27-Jährige. Die Unterstützung des Projekts Spendenschwein ist zudem gemeinnützig und nachhaltig, denn es sind nicht nur die unterstützten Projekte von großer Bedeutung, sondern auch die Herstellverfahren der Produkte sowie deren Produktverpackungen. So sind die Frühstücksbrettchen beispielweise in Kartons, die mit Holzfasern gefüllt sind, verpackt und einige Printprodukte sind auf Grasfaserpapier gedruckt. „Die Brettchen werden integrativ in Zusammenarbeit mit der Stiftung Eben-Ezer hergestellt“, so Stadtmann. Arbeitsplatz hat er im knOWLedgeCUBE, wo er seine Gründungs- und Projektarbeit macht und sich vor dem Trubel in der Hochschule zurückziehen kann. Dort findet er ein offenes und kreatives Ambiente auf dem Campus der TH OWL in Lemgo vor, mit Angeboten für Studierende, Gründungsinteressierte und Unternehmen. Neben der Gründungsberatung konnte Stadtmann hier seine Erfahrungen mit anderen Gründerinnen und Gründern austauschen und bekam Unterstützung bei der Bewerbung für das Gründerstipendium NRW. Dadurch kann er sich im Rahmen seines Masters, den er zum Wintersemester 2019/2020 beginnen wird, zwei Urlaubssemester nehmen und sich vollumfänglich seinem Projekt widmen. Das Spendenschwein soll dann ein Verein werden, in dem die Idee längerfristig existiert und der die Mitarbeit von Freiwilligen ermöglicht.

In einem kleinen Umfang konnten durch das Projekt Spendenschwein bereits einige Projekte und Vereine unterstützt werden. Das erste war ein von befreundeten Studierenden der Architektur und des Designs an der Hochschule Dessau initiiertes Projekt. Sie wollten ein Schulgebäude für die P´Yan School in Thailand planen und vor Ort in Zusammenarbeit mit lokalen Arbeiterinnen und Arbeitern realisieren – was auch erfolgreich war. Das zweite unterstützte Projekt war der Kinderplanet in Halle an der Saale des Vereins zur Förderung krebskranker Kinder, dass Stadtmann durch das Soziale Jahr seiner Schwester kennenlernte. Es handelt sich dabei um einen Ort, an dem die jungen Patienten für eine bestimmte Zeit durch Spiel und Spaß ihre Erkrankung vergessen können und ihre Angehörigen Beratung, Zuspruch und Betreuung der Kinder und bei langen Anreisen sogar Übernachtungsmöglichkeiten finden. Durch die Spendengelder konnte ein Ausflug für die Kinder realisiert werden. Im Jahr 2017 engagierte sich Jannis Stadtmann im interdisziplinären Ghana-Projekt, bei dem acht Studierende der TH OWL nach Ghana aufgebrochen sind, um dort in einem Entwicklungshilfeprojekt mitzuwirken. Mit Hilfe von verschiedenen Spenden, wie denen aus dem Spendenschwein-Projekt, konnten sie finanzielle Mittel generieren und somit einen Teil der anfallenden Reise- und Aufenthaltskosten bestreiten. Zudem wurde die Nachsorgeklinik Tannheim im Südschwarzwald unterstützt, die dort ein vielseitiges, speziell auf Familien mit chronisch kranken Kindern abgestimmtes, Rehabilitationsprogramm bietet. Eine Besonderheit ist die „junge Reha“, die jungen Menschen mit Krebserkrankungen, Mukoviszidose oder einem angeborenen Herzfehler ein Umfeld zur Erholung schafft. Gemeinsam mit einer Freundin konnte Stadtmann durch ihre generierten Spenden einen Beitrag zur Gestaltung der Räumlichkeiten der jungen Reha leisten. Zuletzt unterstützte der Holztechniker das studentische Chile-Projekt der TH OWL mit dem Erlös eines Spendenschwein-Verkaufs auf dem Lemgoer Strohsemmelfest.

„Damit das Prinzip jedoch in Zukunft wirklich funktionieren und die Unterstützung durch Spendenschwein einen nachhaltig und langfristigen Beitrag leisten kann, müssen die Spendenschweine in einer viel größeren Stückzahl hergestellt werden“, so der Holztechniker. Deswegen hat Jannis Stadtmann Anfang des Jahres eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und 8.000 Euro für das Projekt zusammenbekommen. „Mit diesem Betrag kann ich die Gründungskosten für eine gemeinnützige Struktur bezahlen, die Dankeschön-Geschenke für Unterstützerinnen und Unterstützer realisieren und ungefähr 300 Spendenschweine herstellen“, erklärt Stadtmann. Zukünftig wird es dann nicht nur Frühstücksbretter, sondern auch Schneidebrettchen und Schlüsselanhänger in einem Online-Shop und einigen Läden der Lemgoer Innenstadt zu kaufen geben.

„Ich freue mich, wenn weiterhin möglichst viele das Projekt unterstützen. Nur so wird es in Zukunft möglich sein, Spendenschwein effektiver zu betreiben, mehr Produkte herzustellen und somit viel mehr Unterstützung zu leisten“, so der Spendenschwein-Gründer. „Bereits jetzt bekomme ich viel Zuspruch für das Projekt Spendenschwein und das zeigt mir, dass es sich auch weiterhin lohnt, sämtliche Mühen auf sich zu nehmen."

Kontakt

Jannis Stadtmann

E-Mail: kontakt(at)spendenschwein.info

Webseite: www.spendenschwein.info