Mit einem solchen Andrang hatte Professor Johannes Üpping mit dem Fachgebiet Physik und Energietechnik selbst nicht gerechnet. Bereits am späten Nachmittag füllte sich der Innovation Campus in Lemgo mit zahlreichen Besucher:innen. Als um 17 Uhr das Auditorium Maximum, der größte Hörsaal der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), seine Türen öffnete, riss der Besucherstrom nicht ab. Gäste aus Lemgo und der Region, von Jung bis Alt, waren am Mittwoch, 12. August 2026, auf Einladung der TH OWL und der Dr.-Waldemar-Reinecke-Sternwarte gekommen, um zunächst eine Experimentalvorlesung zu erleben und anschließend die partielle Sonnenfinsternis gemeinsam zu beobachten.
Professor Üpping, der die Sternwarte mit verantwortet, erklärte das seltene Himmelsereignis anschaulich, verständlich und mit zahlreichen praktischen Experimenten. Im Mittelpunkt stand die partielle Sonnenfinsternis, bei der der Mond in Lemgo maximal rund 89 Prozent der Sonnenscheibe bedeckte. Das Maximum wurde gegen 20:10 Uhr erreicht; die Finsternis begann in Lemgo um 19:16 Uhr und endete gegen 20:54 Uhr.
Besonders eindrucksvoll war die Verbindung von wissenschaftlicher Erklärung und praktischer Demonstration. Mit Styroporkugeln, Lichtstrahlen, Videosequenzen, Animationen und Tafelbildern zeigte Üpping, wie Sonne, Mond und Erde zueinander stehen und wie der Mond bei einer Sonnenfinsternis seinen Schatten auf die Erde wirft. Auch die Frage, warum der direkte Blick in die Sonne gefährlich für die Augen ist und warum ausschließlich geeigneter Sonnenschutz verwendet werden darf, wurde anschaulich erklärt.
„Das war richtig cool – vor allem, als man gesehen hat, wie der Mond vor der Sonne vorbeizieht“, beschrieb eines der Kinder die Demonstration mit der Styroporkugel.
Auch bei den erwachsenen Besucher:innen kam die Mischung aus Wissenschaft und Unterhaltung gut an. „Ich hätte nicht gedacht, dass man Astronomie so anschaulich erklären kann. Man versteht plötzlich, was da oben tatsächlich passiert“, lobte eine Besucherin den Professor im Anschluss an den Vortrag.
Nach der rund anderthalbstündigen Vorlesung nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Anschließend ging es vom Hauptgebäude der Hochschule über den Campus zum InnovationSPIN. Von zwei Balkonen mit freiem Blick nach Westen konnten die Besucher:innen die Finsternis mit geeigneten Sonnenfinsternisbrillen sicher verfolgen. Wer wollte, konnte zusätzlich einen Blick durch ein Teleskop werfen. Auch auf der Campuswiese wurde ein Sonnenfernglas für die vielen Gäste aufgestellt.
„Ich fand besonders spannend, dass wir erst gelernt haben, warum die Finsternis entsteht, und sie danach selbst beobachten konnten“, berichteten Studierende beim Staunen auf dem Balkon.
Das sonnige Wetter spielte den Beobachter:innen dabei in die Karten. Mit freiem Blick zum westlichen Horizont konnten die Gäste verfolgen, wie der Mond die Sonnenscheibe immer weiter bedeckte.
Doch der Abend hatte noch mehr zu bieten. Denn wer in der Vorlesung gut aufgepasst hatte, erhielt von Professor Üpping die Empfehlung, sich später einen möglichst dunklen Beobachtungsplatz im Freien zu suchen. Auch nach der Sonnenfinsternis richtete sich der Blick deshalb weiterhin auf den Nachthimmel. Grund dafür waren die Perseiden, einer der bekanntesten jährlichen Meteorschauer, deren Aktivität Mitte August ihren Höhepunkt erreicht. Die Erde durchquert dabei die Teilchenspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Treffen die Staub-, Gesteins und Eisteilchen auf die Erdatmosphäre, verglühen sie und werden als leuchtende Meteore – umgangssprachlich Sternschnuppen – sichtbar.
Bei guten Sichtbedingungen waren außerdem die Sternbilder Perseus, Kassiopeia und Andromeda in derselben Himmelregion zu finden, dort liegt auch die Andromedagalaxie, die unter dunklem Himmel als schwaches, nebliges Objekt sichtbar werden kann.
Damit verband der Abend gleich mehrere faszinierende Phänomene unseres Sonnensystems und des Nachthimmels: Zunächst zog die partielle Sonnenfinsternis die Blicke auf sich, später konnten die Besucher:innen den Sternenhimmel und mit etwas Glück auch Meteore beobachten. Für viele dürfte die Veranstaltung damit noch lange nach dem Ende auf dem Campus weitergewirkt haben – vielleicht sogar bei einem eigenen Blick in den nächtlichen Himmel.
Auch eine Mitarbeiterin der Hochschule, die mit ihren Kindern an der Veranstaltung teilgenommen hatte, war begeistert: „Ich glaube, heute Abend schaue ich zu Hause noch einmal nach oben. Jetzt weiß ich wenigstens, wonach ich suchen muss.“
Professor Üpping zeigte sich angesichts des großen Interesses begeistert. Die Veranstaltung habe deutlich gemacht, wie groß die Neugier auf astronomische Themen und naturwissenschaftliche Zusammenhänge sei.
Die Sternwarte der TH OWL bietet regelmäßig offene Veranstaltungen und Vorlesungen zu astronomischen Themen an. Interessierte finden die aktuellen Termine auf der Website der TH OWL unter www.th-owl.de/sternwarte sowie im Eventkalender der TH OWL.




































