Praktiken der Unternehmensnachfolge in der Bundesrepublik Deutschland

Vanessa Becker promoviert im Bereich der Unternehmensnachfolge bei Herrn Prof. Dr. Jürgen Nautz in Kooperation mit der Universität Leipzig zum Thema "Praktiken der Unternehmensnachfolge in der Bundesrepublik Deutschland. Exogene und endogene Einflussfaktoren auf die Nachfolgeregelung und deren Ergebnisse bei eigentümergeführten Unternehmen."

Vanessa Becker

Für Unternehmen sind Wechsel in der Unternehmensleitung seit jeher kritische Phasen, die oft den Charakter eines disruptiven Ereignisses annehmen. In jüngster Zeit ist das Problem Unternehmensnachfolge in einer breiteren Öffentlichkeit vor allem im Zusammenhang mit dem sog. demographischen Wandel thematisiert worden. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Übergabeproblematik – vor allem auch in der Unternehmensgeschichte wird der Umgang mit der Unternehmensnachfolge in den Kontext der Resilienzforschung gebracht. Hier ist auch dieses Projekt anzusiedeln:

Eine alleinige Konnotierung von Unternehmensnachfolge und demographischen Wandel ist aber eine sehr verkürzte Sichtweise der Schwierigkeiten bei der Weitergabe eines Unternehmens. Im Zentrum der Untersuchung stehen exogene und endogene Einflüsse auf die Nachfolgeregelung und deren Ergebnisse bei eigentümergeführten Unternehmen. Zu den exogenen Determinanten zählen u.a. demographische Faktoren, die Wirtschaftsordnung, finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen, Genderaspekte oder auch europäische und internationale Verflechtung. Die endogenen Restriktionen hingegen erwachsen aus der Konstitution des Unternehmens sowie jener der Eigentümer bzw. Eigentümerfamilien. Dazu gehören der wirtschaftliche und technologische Zustand des Unternehmens sowie die regionale Verortung, Macht, Besitz oder Netzwerke, aber auch die Dynamiken innerhalb der Eigentümerfamilie sowie moralische und ethische Standards. Durch die diachrone Betrachtung gelingt es, die Prozessdynamik zu erfassen. Exogene wie endogene Faktoren wie auch deren Wirkungsmächtigkeit verändern sich im Laufe der Zeit. Deutlich wird dies zum Beispiel an den Optionen von Frauen. War die Leitung eines Unternehmens bis weit ins 20. Jahrhundert beinahe undenkbar, so hat hier ein Wandlungsprozess eingesetzt, der ohne eine Änderung der Vorstellungen der Genderrollen nicht denkbar wäre. Auch für die potentiellen männlichen Unternehmensnachfolger haben sich die Handlungsspielräume erweitert. Der älteste Sohn verfügt zunehmend über Alternativen.

Anhand unternehmenshistorischer Quellen und Zeitzeugeninterviews arbeitet die Studie die exogenen und endogenen Einflussfaktoren über den Verlauf von Unternehmensübergaben für die Bundesrepublik bis in die jüngste Vergangenheit auf. Ziel ist die Bestimmung und Gewichtung dieser Einflussfaktoren im Laufe der Zeit und die Frage nach der Wirkung auf den Verlauf der Firmenübergabe.