Planungstheorie und Planungsmethodik

Prof.'in Dr. Susanne Kost
Fachgebiet Planungstheorie und Planungsmethodik
Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
FB 1 – Detmolder Schule für Gestaltung
Emilienstr. 45, 32756 Detmold
Raum: R 4.209
Tel: +49 (0)5231 / 769-6485
Email: susanne.kost(at)th-owl.de
Sprechzeiten:
Donnerstags 13-14 Uhr (nur nach Anmeldung vorab per Email)
Arbeits- und Forschungsschwerpunkte:
Planungskulturen | Raumbilder, historische Raumbezüge | Mensch-Umwelt-Interaktionen | Beteiligungsprozesse | Cultural Studies | (Kultur-)Landschaftsforschung
Studentische Mitarbeiterinnen im Fachgebiet
Olivia Schaffrin (SHK, Stadtplanung)
Wie denken wir Stadt – und wie handeln wir im Raum?
Städte sind nie nur gebaut – sie sind gedacht, erzählt, umkämpft, verhandelt. Das Fachgebiet Planungstheorie und Planungsmethodik beschäftigt sich mit den Grundfragen, die hinter jedem planerischen Handeln stehen: Welches Bild von Stadt haben wir? Wer darf mitplanen? Welche Interessen prägen Entscheidungen – und mit welchen Methoden machen wir sie sichtbar, verhandelbar, veränderbar? Planungstheorie bietet das begriffliche und kritische Handwerkszeug, um das Planen selbst zu verstehen – als gesellschaftlichen Aushandlungsprozess, als politischen Akt, als kulturell geprägtes Handeln im Raum. Sie sensibilisiert dafür, wie stark unsere heutigen Planungsansätze von normativen Vorstellungen durchdrungen sind – etwa davon, was als „lebenswert“, „zukunftsfähig“ oder „geordnet“ gilt. Planungsmethodik bringt diese Reflexion in die konkrete Anwendung: Mit welchen Werkzeugen können wir gesellschaftliche Raum- und planerische Leitbilder erkennen, analysieren und kritisch hinterfragen? Wie entwerfen wir tragfähige Szenarien für zukunftsgerechtes Wohnen und eine lebenswerte Umwelt? Wie strukturieren wir Beteiligungsprozesse so, dass sie wirklich offen für neue Ideen sind – statt bestehende Machtverhältnisse zu reproduzieren?
Ein besonderer Fokus meiner Forschungstätigkeit liegt in zwei Themenbereichen:
Zukunftsgerechtes Wohnen – nicht nur als (stadt-)planerische Aufgabe, sondern als gesellschaftliche Verantwortung. In Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit und ökologischer Krisen reicht es nicht, neue Kubaturen und Modelle des Wohnens, Arbeitens und Lebens zu entwerfen; wir müssen auch fragen, wem Boden (nicht) gehört, wer Zugang zu Wohnraum (nicht) hat und wer über dessen Gestaltung (nicht) mitbestimmt. Politik, Stadtverwaltung, aber auch Grundeigentümer:innen und zivilgesellschaftliche Akteure tragen gemeinsam Verantwortung dafür, unterschiedliche Wohnformen zu ermöglichen, die lebenswert, nachhaltig, gerecht und vor allem bezahlbar sind. Wir alle tragen Verantwortung im Bauen, Wohnen und der Gestaltung unserer Lebensumwelt.
Die Analyse von Räumen im Kontext kultureller Praktiken – Räume sind nie unbestimmt oder ohne Bedeutung; sie werden belebt, genutzt, erzählt und von Machtverhältnissen durchzogen. Ob Wohnsiedlung, Straßenzug oder Stadtrand – überall begegnen uns Formen des Zusammenlebens, die von vergangenen Normen und Routinen geprägt sind. Diese gewachsenen, oft nicht hinterfragten, aber wirkmächtigen Strukturen formen nicht nur physisch das Stadtbild, sondern auch unsere Vorstellungen davon, was als angemessenes Tun im Umgang mit dem Raum gilt. Wer diese kulturellen Einschreibungen erkennt, kann Planung so gestalten, dass sie Raum schafft für neue Praktiken – statt alte stillschweigend zu konservieren.
Im Fachgebiet verbinden wir daher Theorie, Forschung und Praxis, Reflexion und Anwendung. Wir arbeiten mit Texten, Karten, Beispielen und Fallstudien – und mit der Neugier, Stadtplanung nicht nur zu erlernen, sondern kritisch zu hinterfragen und gemeinsam mit vielfältigen gesellschaftlichen Akteur:innen zu gestalten. Denn wer planen will, muss nicht nur wissen, was entstehen soll – sondern auch immer wieder fragen: wie und warum kann und soll etwas sein?