LivingLab Essigfabrik: Visionen für den ehemaligen Industriehafen

Wie kann der Deutzer Hafen in Köln als künftiges Wohn- und Arbeitsquartier digital und kulturell genutzt werden? Zahlreiche Besucher widmeten sich dieser und weiteren Fragen am 11. Februar bei einer Veranstaltung des Hochschulprojekts „LivingLab Essigfabrik“ in Köln. Unter dem Titel „CultureTechTalk“ wurden spannende Projekte im Bereich Kultur und Technologie vorgestellt und gemeinsam mit Akteuren der Kölner Kulturszene und der Stadtentwicklung diskutiert. Zum Auftakt fand ein Rundgang durch den Deutzer Hafen statt, bei dem Stadtplanungsstudierende der Technischen Hochschule OWL (TH OWL) ihre Visionen hierzu in Form von Stop-Motion-Filmen präsentierten. Anschließend wurde in zwei Sessions impulsgebende Ideen und Projekte vorgestellt und mit den Gästen diskutiert.

Die Session 1 widmete sich interdisziplinären Zukunftsorten: Kultur und Technologie – was lässt sich denken? Die Schnittstellen zwischen kreativen Industrien, kulturellen Orten und digitalen Technologien bieten zahlreiche Kooperationspotentiale. Gemeinsam mit den Gästen Prof. Marco Hemmerling (TH Köln), Nico Hamm (concert team nrw, Düsseldorf) und dem Vertreter des LivingLab Essigfabrik, Prof. Axel Häusler, wurden Fragestellungen rund um das Thema Quartier der Zukunft und interdisziplinäre Vernetzung beleuchtet. Die Moderation übernahmen Julia Krick und Sonja Schendzielorz von STADTBOX (beides Stadtplanungs-Absolventinnen des Fachbereichs Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, TH OWL).

Session 2 thematisierte bereits realisierte Impulsorte: Prozesse und Entwicklungen – was kann umgesetzt werden? Hier wurden aktuelle Projekte vorgestellt, die bereits heute aktiv und erfolgreich urbane Kooperationsformen realisieren. Von nicht-kommerziellen Quartiers- und Kulturzentren über Street-Art-Projekten bis hin zu innovativen Start-ups schilderten die Gäste, wie Kreativ-, Kultur- und Digitalwirtschaft als Motor der Stadtentwicklung zukunftsfähig funktionieren können. Zu Gast waren Anna Blaich (Start-up Mannheim), Simon Mertens (B-Side, Münster) und Margit Miebach (Cityleaks, Köln), moderiert wurde dieser Teil sowie die restliche Veranstaltung von Ricarda Jacobi (TH OWL).

Das Event diente neben dem Austausch insbesondere der Präsentation der Ergebnisse des erstes Jahres des Forschungsteams des LivingLabs Essigfabrik. Neben interaktiven AugmentedReality-Entwicklungen fiel hierunter auch eine künstliche Intelligenz, welche die Diskussionsbeiträge in Echtzeit aufzeichnete und in einer Wordcloud live übertrug. 

Neben den Vorträgen wurde von 65 Studierenden des ersten Semesters Stadtplanung ein Modell mit den Ausmaßen von 6 x 2,5 m (Maßstab 1:200) des künftigen Deutzer Hafens aufgebaut. Über QR-Codes erreichten die Besucher die kurzen Stop-Motion-Filme. 

Hintergrund LivingLab Essigfabrik

Das Hochschul-Projekt „Living Lab Essigfabrik“ erforscht und entwickelt ein digitales Quartiers- und Kulturzentrum im Deutzer Hafen Köln. Die dort ansässige Essigfabrik ist seit fast 20 Jahren eine Kulturstätte für Konzerte und Events. Das gesamte Gebiet befindet sich aktuell in einem städtebaulichen Entwicklungsprozess vom Industriehafen zu einem Wohn- und Arbeitsquartier mit künftig etwa 6.900 Einwohnern und ca. 6.000 neuen Arbeitsplätzen. Damit stellt der Deutzer Hafen eines der größten, innerstädtischen Stadtentwicklungs-projekte dar. Vor diesem Hintergrund möchte das „Living Lab Essigfabrik“ bisherige Nutzungskonzepte von Quartiers- und Kulturzentren überdenken und neue, innovative Schnittstellen in Richtung einer kommunikativen, kreativen Digitalwirtschaft ausloten. Das Projekt wird im Zeitraum von 2019 bis 2022 aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes NRW gefördert. Im ungefähr jährlichen Zyklus bestimmen die typischen Stadtentwicklungsphasen „Städtebauliche Planung“, „Städtebauliche Projektentwicklung/Vermarktung“ und „bauliche Umsetzung“ den übergeordneten Kontext, innerhalb dessen Innovationszyklen, Stakeholder-Workshops, prototypische Software-Programmierungen und Feldtests mit einer Vielzahl unterschiedlicher Partner erarbeitet werden. Mit dieser Veranstaltung wurde die erste Phase abgeschlossen. Neben den beiden Antragspartnern TH OWL und moStar GmbH (Betreiber der Essigfabrik) werden im Verlauf weitere Kooperationspartner wie die TH Köln, Creative.NRW und andere beteiligt.

Weitere Informationen: www.livinglab-essigfabrik.eu