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MIAD P3 Kontextuelles Entwerfen

MIAD P3 Kino Bielefeld

  • Zeit \ Mittwoch 14:00-18:00
  • Ort \ 4.207
  • Erstes Treffen \ 05.10.2023,14:00 vor Ort in Bielefeld, Friedrich-Ebert-Straße 3
  • Teilnehmer:innen \ 20
  • Modulkurzzeichen \ MIAD P3
  • SWS \ 360
  • CR \ 12
  • Sprache \ deutsch| englisch

Das Kino gibt es seit fast 120 Jahren, zunächst als Schaubude auf Jahrmärkten, dann als Attraktion in regulären Theatern und Sälen, bald aber auch als exklusiver Kinotempel. Lebende Fotografie konnte so als bewegtes Bild einem breiten Publikum dargeboten werden.

Das Kino öffnete neue Welten, Bilder aus weit entfernten Ländern, Experimenten mit Bild, Farbe und Ton und verzweigte sich über die Zeit in viele Richtungen: kommerzielle Großproduktionen, unabhängiges Kino, Dokumentarfilme, Kinderkino, als unabhängige Kunstform und so weiter und so weiter. Kino konnte und kann die Menschen in eine andere Welt entführen und dafür sorgen, die eigene Lebensrealität für einen Moment zu vergessen. Die zu sammelnden Erfahrungen bei einem Kinoabend reichen von poetischen oder unerwarteten Eindrücken auf der Leinwand über zauberhafte Raumerlebnisse bis hin zu kritischen Diskussionsrunden mit ganz neuen Standpunkten. Lawrence L’Estrange, einen britischen Diplomaten und Abenteurer, beschrieb das 1927 am Beispiel der New Yorker Kinopaläste wie folgt: „Schon das Vestibül […] ist sehenswert. Die Raumverschwendung einer Kathedrale vereinigt sich dort mit der strahlenden Pracht überladener Ornamentik, was aber den Massen gefällt und sie anlockt. […] Betreten wir einmal an einem heißen Sommernachmittag nach Geschäftsschluss einen New Yorker Filmpalast. Die überhitzte Atmosphäre, der Staub und der Trubel der hauptstädtischen Straßen sind unerträglich; wie matte Fliegen schleppen sich die Leute durch den glühenden Hexenkessel – da reißt ein prächtig uniformierter Portier die doppelten Flügeltüren des Lichtspieltheaters auf, und wenn wir eintreten, fühlen wir uns in eine schönere Welt versetzt. Die Temperatur ist sofort um 6 bis 7 Grad gesunken, reine, duftende, eisgekühlte Luft durchflutet das ganze Gebäude […] alles richtet sich auf, man fühlt sich neu belebt und das Leben ist wieder einmal wert, genossen zu werden.“

Wie vielfältig diese Entwicklungen sind, kann abgelesen werden in dem Lexikon der Filmbegriffe, ein Projekt der Unis Kiel, Münster, Hagen, Luxemburg und Zürich.

filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/beitraege

 

 

Mit den Kinobesuchern ging es aber auch auf und ab: zunächst als Massenphänomen scheinbar für alle attraktiv und erschwinglich, schwanken die Kinobesucherzahlen seit jeher stark – sei es durch das Aufkommen von Fernsehen, Internet und Streaming oder zuletzt durch die Corona-Krise. Doch in der Regel schafften es die Kinos und natürlich auch das Filmangebot, die Besucher wieder ins Kino zu locken. Dies geschah durch die Verbesserung der Technik (Dolby, 3D usw.), der Öffnungszeiten, des Eintrittspreises, der Qualität des Saals, der Sitze, des Angebots rund um den Film (Catering, Veranstaltungen), des Standorts des Kinos selbst (außerhalb der Innenstadt, in Einkaufszentren, an Bahnhöfen) und des Profils des Kinos (Arthouse, City-Multi, Megaplex).

Auch der Bielefelder Kinobestand hat turbulente Zeiten hinter sich. Seit der Eröffnung des ersten Kinos im Jahr 1907 waren bis zu 50 Kinos in Betrieb, von denen heute nur noch drei übrig sind.

CinemaxX, Kamera + Lichtwerk und Offline.

Das kann doch wohl nicht wahr sein, nur drei Kinos?

Höchste Zeit für einen Gegenzug, aber einen klugen, und das am besten »klug« in mehrfacher Hinsicht.

Der erste clevere Schachzug ist Ihnen gegeben: Entwerfen Sie ein Kino mit mehreren Sälen/Gelegenheiten in einem bestehenden (klug!) Gebäude in der Bielefelder Innenstadt. Das Gebäude liegt fest: das Technikgebäude der Telekom in der August-Bebel-Straße zwischen dem ehemaligen Post und dem ehemals Telekom, jetzt Goldbeck-Hochhaus.

 

In der ersten Phase des Projekts:

1.       Es wird das Bielefelder Gebäude auf seine baulichen, räumlichen, kulturellen, stadthistorischen und kontextuellen Aspekte hin untersucht.

2.       Es wird die Geschichte des Kinobaus nach Epochen aufgeschlüsselt, analysiert und interpretiert.

3.       Es werden die jüngsten Trends und Entwicklungen in der Kinolandschaft (Gebäude, Art der Filme, Besuchertyp, Angebote und Services) analysiert.

4.       Es wird ein grundlegendes Programm für alle technischen, räumlichen und funktionalen Anforderungen (die Kinosäle, Nebenfunktionen wie Restaurants etc. Personal, Technik, Logistik, Werbung und Erscheinungsbild, Parken, Multifunktionalität, Nachhaltigkeit und Umwelt) festgelegt, auf dem jeder für seinen Entwurf aufbauen kann.

5.       Zeigen Sie allen, was Ihr Lieblingsfilm ist, und wo und wie Sie ihn am liebsten sehen würden.

6.       Präsentieren Sie Ihr Lieblingskinogebäude und erklären Sie, warum es so gut ist.

 

 

Die Rechercheaufgaben, außer Aufgabe 5 und 6, werden in Gruppenarbeiten aufgeteilt und in Form einer Ausstellung im Raum 4.207 präsentiert. Sie bestimmen, wie sie die Ergebnisse kommunizieren, zeigen und präsentieren wollen, es sollte aber eine räumliche Installation sein.

Erstellen Sie zunächst einen Plan für die Vorgehensweise: Was brauchen Sie für die Analyse? (Informationsquellen bestimmen), wie möchten Sie vorgehen (Methode, z. B. Kartenanalyse, Spaziergang mit Aufzeichnung der Eindrücke, Interview....................... )? Wie wollen Sie dies präsentieren (Format, Technik)? Wer macht was, und wo und wie können oder wollen Sie es präsentieren? Wie teilen Sie Ihre Zeit ein? Machen Sie einen Stufenplan, um die Analyse innerhalb der vorgegebenen Zeit (vier Wochen) durchzuführen.

Schritt zwei ist die Entwicklung eines individuellen Konzeptes: Was möchten Sie herausfinden in Ihrem Entwurf? Was ist Ihr Beitrag in der Entwicklung des Kinos/Film/das Erlebnis des Filmanschauens und des Kinobesuches/die Bestandsentwicklung und natürlich mit all diesen Aspekten verbunden, verknüpft und integriert: Ihre räumlichen, kontextuellen, architektonischen Ziele, um die Magie des Cinemas weiterzuführen.

Zwischenpräsentation 1

Kurzer Text/Stellungnahme + räumliches Objekt + Zeichnung

Zwischenpräsentation 2

Sie bestimmen, was sie zeigen möchten, um den Stand ihres Entwurfs zu erläutern.

Prüfung

Wir bitten Sie, ein individuelles Skizzenbuch zu führen, in dem Sie spontane Ereignisse und Ideen notieren, zeichnend nach Lösungen suchen und Informationen und Inspirationsquellen sammeln. Dieses individuelle Skizzenbuch ist die einzige feste Abgabeleistung für das Projekt. Alles andere ist Teil des Prozesses, in dem Sie sich selbst und in Absprache mit uns überlegen, was nötig ist, um Ihre Ergebnisse bestmöglich zu präsentieren.