Dass Hass und Gewalt an Mädchen und Frauen nach wie vor ein gravierendes gesellschaftliches Problem darstellt, das weiter zunimmt, wird beim Blick auf aktuelle Zahlen schnell sichtbar: Jede dritte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben physische oder sexualisierte Gewalt, die Gewalt geschieht dabei oft im engsten Umfeld von Familie oder Partnerschaft (BMBFSFJ 2025). Besonders erschreckend sind die Zahlen zu Femiziden. Als Femizid wird die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts bezeichnet. Oft werden diese in (Ex-)Partnerschaften ausgeübt, sie können aber auch außerhalb stattfinden. Der Begriff zielt unter anderem darauf ab, die strukturelle Dimension der Gewalt zu betonen (bpb 2025). Laut Statistik des Lagebilds „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten der Bundesregierung 2023“ sind die Zahlen von 2023 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 2023 wurden 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Der Anteil an weiblichen Opfern, die im Zusammenhang mit partnerschaftlichen Beziehungen Opfer von Tötungsdelikten wurden, liegt bei 80,6 Prozent. Insgesamt wurden 360 Mädchen und Frauen Opfer vollendeter Taten. Demnach gab es statistisch 2023 beinahe jeden Tag einen Femizid in Deutschland. Aber auch bei Sexualstraftaten, digitaler Gewalt, häuslicher Gewalt, politisch motivierter Kriminalität an Frauen und Mädchen sowie Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zeigt sich ein Anstieg.
Um mehr über das Thema sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch im Hochschulkontext zu erfahren, veranstaltet die Gleichstellung der TH OWL am 25. November 2025 einen Online-Vortrag mit anschließender Austausch- und Diskussionsmöglichkeit von Dr.‘in Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum an der FU Berlin) mit dem Titel „Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt im Hochschulkontext“. Der Vortrag kann von allen Hochschulmitgliedern und weiteren Interessierten besucht werden. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme wird für Mitarbeitende als Arbeitszeit gerechnet.
Termin für den Online-Vortrag:
25. November 2025, 12.00 – 14.00 Uhr
Link zur Veranstaltung
Brötchentüten-Aktion und Internationales Handzeichen für Hilfe („Stiller Hilferuf)
Außerdem beteiligt sich die Gleichstellung der TH OWL anlässlich des Aktionstags unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ beziehungsweise „Gewalt kommt mir nicht auf den Campus!“ an der Lippischen Brötchentüten-Aktion sowie als eine von vielen Kooperationspartner:innen der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen und Universitätsklinika NRW (LaKof NRW) an deren Brötchentüten-Aktion: Im Rahmen der Aktion werden in Mensen und Cafeterien Brötchentüten mit Botschaften ausgegeben, die das Bewusstsein für das Thema schärfen sollen. Die aufgedruckten Informationen und Hilfsangebote, wie die Nummer des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ (08000 116 016) und die Darstellung des „stillen Hilferufs“, bieten Betroffenen und ihrem Umfeld konkrete Unterstützung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr.
Die Aktion findet im Kontext der Kampagne „Orange Days“ statt. Seit 1991 macht die UN weltweit aufmerksam auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen anlässlich des Internationalen Tags zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November. Doch die Aktion ist mehr als ein symbolischer Akt: Sie ist ein klarer Appell an alle, Gewalt nicht hinzunehmen, sondern hinzuschauen und aktiv zu werden. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ruft jährlich ins Gedächtnis, dass es nicht allein die Aufgabe von Betroffenen ist, Lösungen zu finden – die gesamte Gesellschaft ist gefragt, sich für Respekt, Schutz und Gleichberechtigung einzusetzen. Mit jeder ausgegebenen Brötchentüte möchten wir nicht nur informieren, sondern auch Mut machen: Niemand ist allein. Es gibt Wege aus der Gewalt und es gibt Menschen und Institutionen, die helfen können. Gemeinsam können wir dazu beitragen, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Gewalt keinen Platz hat.
Das Handzeichen, das im Kontext von Gewalt an Frauen immer wieder thematisiert wird, spielt eine zentrale Rolle bei der Brötchentütenaktion der LaKof NRW. Bekannt als das internationale Signal für Hilfe, ermöglicht es Betroffenen, diskret auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Dieses einfache, aber kraftvolle Zeichen – eine Handfläche, die gezeigt wird, gefolgt vom Einklappen des Daumens in die Faust – kann in gefährlichen Situationen Leben retten. Es steht für Solidarität und den Willen, Betroffenen zuzuhören und zu helfen. Zusammen symbolisieren die Brötchentüte und das Handzeichen die Verbindung von Alltagsbewusstsein und direkter Hilfe. Sie zeigen, wie wichtig es ist, auf allen Ebenen – von der Nachbar:innenschaft bis zur Gesellschaft – aktiv gegen Gewalt einzutreten und Unterstützung sichtbar zu machen.
Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen“ bietet Frauen, Personen aus deren sozialem Umfeld und Fachkräften unter der Nummer 116 016 rund um die Uhr kostenlose, barrierefreie und anonyme Beratung auf Deutsch und 18 Fremdsprachen an. Weitere Informationen unter www.hilfetelefon.de.
Die neue zentrale externe Rechtsberatungsstelle der Landesrektorenkonferenz (LRK) für Betroffene von Machtmissbrauch an Hochschulen bietet eine unabhängige und hochschultypübergreifende rechtliche Erstberatung an und unterstützt Betroffene und hochschulinterne Stellen bei der rechtlichen Einordnung von Vorfällen sowie bei Fragen zu möglichen Melde- und Beschwerdewegen. Weitere Infos und Kontaktdaten hierzu und weitere Hilfsangebote stehen auf der Website der Gleichstellung zur Verfügung.
Veranstaltungen der LaKof NRW
Im Rahmen des Aktionstags zum „Orange Days“ findet außerdem eine von der LaKof NRW digitale und kostenfreie Vortragsreihe statt. Anmeldungen zu den Vorträgen sind über die Website der LaKof NRW möglich: www.lakofnrw.de/themen/orange-days-2025/
- 18. November 2025, 11.30-13.00 Uhr
Dominik Hammer: „Beyond the GerManosphere“ – Vortrag zu misogynen Online-Subkulturen - 25. November 2025, 12.00-13.30, Hybrid
Lea Martin: Wenn beim Geld die Liebe aufhört – Finanzielle Gewalt gegen Frauen* - 25. November 2025, 17.00-19.00 Uhr, Hybrid
Kathi Heffe: Von Dickpics bis Deepfakes – Digitale Gewalt gegen Frauen erkennen, benennen, handeln - 27. November 2025, 11.00-13.00 Uhr
Karola Rosenberg: Häusliche Gewalt im Familienrecht: „Zum Streiten gehören immer zwei“ – Wie falsche Denkmuster Schutz für Frauen und Kinder verhindern - 27. November 2025, 14.00-15.30 Uhr, Online
Dr. Sandra Schwark: Bystander Interventionen bei sexueller Belästigung - 01. Dezember 2025, 12.30-14.00 Uhr
Veronika Kracher: Incels - 03. Dezember 2025, 14.00-16.00 Uhr
Jule Grienitz: Konsens – Schutz und Lust
Veranstaltungen der Gleichstellung Kreis Lippe
Auch die Gleichstellung des Kreises Lippe plant anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen verschiedene Veranstaltungen:
- 25. November 2025, 18:00 Uhr, Filmbühne Bad Salzuflen
Frauenkinoabend „Nur eine Frau“. Anlässlich des Int. Tag gegen Gewalt an Frauen
Abendkasse und Vorverkauf durch die Filmbühne Bad Salzuflen - 25. November 2025, 19 Uhr, Hansa-Kino Lemgo
Kinofilm: „SHE SAID“. Anlässlich des Int. Tag gegen Gewalt an Frauen
Eintritt frei. Anmeldung unter: www.vhs-detmold-lemgo.de - 27. November 2025, 18:30-19:30 Uhr, Online
Tragische Einzelfälle? Berichterstattung über Gewalt an Frauen
Ohne Gebühr, Anmeldung unter www.vhs-detmold-lemgo.de - 27. November 2025, 18:45 Uhr, Hans-Kino Lemgo
Kinofilm „Morgen ist auch noch ein Tag“
15 Euro Eintritt





