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Weltpremiere in Lemgo: MONOCAB fährt erstmals auf einer einzelnen Schiene

Auf dem Innovation Campus ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Campusbahn gelungen. Dafür wurde das MONOCAB „Thusnelda“ auf einer neuen Testschiene zwischen Verwaltungsgebäude und Campuswiese in Fahrt gebracht. Das Ziel: Herausfinden, wie gut Fahrzeug und die neu entwickelte Schienenkonstruktion zusammenspielen.

Der Einsatz des mehr als fünf Meter langen Versuchsfahrzeugs „Thusnelda“ war der sichtbare Auftakt zur MONOCAB-Campusbahn. Im Forschungsprojekt MONOCAB entwickelt das Team ein Einschienen-Verkehrssystem mit kleinen Fahrgastkabinen für vier bis acht Personen. Dank einer Kreiselstabilisierung bleiben die Fahrzeuge auf nur einer Schiene im Gleichgewicht. Perspektivisch können sie autonom, also ohne Fahrpersonal, sowohl auf reaktivierten Bahnstrecken im ländlichen Raum als auch auf neu gebauten Strecken im urbanen Raum unterwegs sein.

Das 20 Meter lange Gleisstück ist der erste Testaufbau und damit kein verkleinertes Stück der Campusbahn. Die Kombination aus Schiene und neu entwickeltem Gleisaufbau ist das Werkzeug, mit dem die Campusbahn überhaupt erst möglich wird. 

„Die geplante Campusbahn beginnt unmittelbar mit einer Steigung, verläuft später durch Kurven und quert die Campusallee“, sagt Professor Thomas Schulte, Gesamtprojektleiter des Forschungsprojekts MONOCAB. Bevor diese komplexere Strecke gebaut wird, sollte das Zusammenspiel der neuen Schienenkonstruktion und des Fahrzeugs unter möglichst einfachen Bedingungen erprobt und optimiert werden. „Erst wenn wir wissen, dass das System auf gerader Strecke zuverlässig funktioniert, gehen wir den nächsten Schritt zur Campusbahn“, erklärt Schulte.

„Das wichtigste Ergebnis war, dass das MONOCAB auf dem neuen Ein-Schienen-Aufbau fährt“, sagt Sören Lux, Projektleiter der Campusbahn an der TH OWL. Bei den Betontrögen für die Schiene sieht er noch Möglichkeiten, Material einzusparen.

Am ersten Testtag startete Thusnelda später als geplant. Nach dem Transport musste das MONOCAB technisch neu abgestimmt werden. Dann zeigte sich, dass die Spurrillensicherungen aus Hartgummi rechts und links neben der Schiene mehr Reibung erzeugten als erwartet. Deshalb kam Thusnelda am ersten Testtag noch nicht wie geplant in Fahrt. 

Bis zum zweiten Testtag blieb genau eine Woche. Mit kleinen Anpassungen an den Spurrillensicherungen und der Software bot das Team „Thusnelda“ die Strecke erneut an. Diesmal fuhr das MONOCAB. Hin und her. Immer wieder. 

Bei Sonnenschein feierte das Team das Erfolgserlebnis – mit einem Eis in der Hand und der Gewissheit: Es funktioniert. „Das Drehmoment des MONOCABs reicht aus, um die Reibwiderstände aus den Spurrillensicherungen zu überwinden“, erklärt Sören Lux. Das Profil der Spurrillensicherungen soll noch in Nuancen angepasst werden, damit es für die Campusbahn eingesetzt werden kann.

Für die spätere Campusbahn sind diese Gummiprofile unverzichtbar. „Sie verhindern, dass Räder, Gehstöcke oder Füße in den Spalt neben der Schiene geraten. Gleichzeitig müssen sie so ausgelegt sein, dass das MONOCAB möglichst wenig zusätzlichen Fahrwiderstand überwinden muss“, sagt Lux.

Auch die Haltestellensituation wurde auf der neuen Einschienen-Teststrecke erprobt. Das Team positionierte einen vorbereiteten Anhänger in Einstiegshöhe als Bahnsteig vor dem MONOCAB, um das Verhalten beim Anfahren und Halten zu untersuchen – alle Beteiligten waren zufrieden mit dem Ergebnis. 

Die Teststrecke in Lemgo entstand in enger Zusammenarbeit mit mehreren Industriepartnern. Viele Komponenten wurden speziell auf die Anforderungen des MONOCAB-Systems und der geplanten Strecke angepasst.

Aus den Erkenntnissen der Tests soll eine etwa 300 Meter lange Campusbahn auf dem Innovation Campus Lemgo entstehen. Nach aktuellem Planungsstand verläuft sie vom Gebäude 9 entlang des Campus Boulevard West, über die Campusallee und zwischen Hauptgebäude und CIIT in Richtung Liebigstraße.

Mit den erfolgreichen Testfahrten ist für das Team ein wichtiger Meilenstein erreicht – die eigentliche Arbeit in Richtung Campusbahn geht jedoch weiter.„Ich finde es toll, eine Idee Realität werden zu lassen und den Innovation Campus von morgen aktiv mitgestalten zu dürfen. Das gibt mir persönlich viel Antrieb und Energie“, sagt Sören Lux.

Die Campusbahn wird in Zukunft als Reallabor dienen. Die Forschenden wollen auf der Versuchsstrecke untersuchen, wie das MONOCAB während der Fahrt reagiert, wenn ihm Autos, Fußgänger:innen, Fahrräder oder Rollstühle in die Quere kommen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung des Systems ein. Fahrgäste dürfen noch nicht mitfahren.

Ziel ist es, im Herbst mit den Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt der Campusbahn zu beginnen. Bis dahin stehen die Freigabe der Schienenkonstruktion, weitere Optimierungen am Oberbau, abschließende Genehmigungen, Ausschreibungen sowie die Abstimmung mit parallellaufenden Bauarbeiten auf dem Innovation Campus an.

Aktuell entsteht bereits eine neue Fahrzeuggeneration des MONOCAB, die künftig auf der Campusbahn und weiteren Teststrecken eingesetzt werden soll. Für Thorsten Försterling, Ideengeber des MONOCAB-Konzepts, ist die erfolgreiche Testfahrt deshalb auch ein besonderer Moment: „Inzwischen ist die Idee gewachsen und findet breite Akzeptanz; im besten Sinne hat die kommende Innovation viele Väter.“

Für die Entwicklung der Campusbahn stehen im laufenden Projekt knapp eine Million Euro Fördermittel zur Verfügung. Das Projekt Campusbahn ist Teil der MONOCAB-Forschung der TH OWL, der Hochschule Bielefeld, der Universität Bielefeld und des Fraunhofer IOSB-INA. Es wird im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.