Zum Inhalt springen

Wirtschafts- und Energieexperten informieren sich über das „Kraftwerk Land“ im Innovationszentrum Dörentrup

Im Innovationszentrum Dörentrup forschen einige der schlauesten Köpfe der Region an Lösungen zu den technologischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen unserer Zeit. Jetzt waren Frank Bonaldo vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz sowie Dieter Bockey, Referent der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e V. zu Besuch und überzeugten sich von den zukunftsträchtigen Experimenten der ansässigen Projekte.

Die Experten aus Forschung, Wirtschaft und Politik sind sich einig: Die Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Ressourcen ist die einzig nachhaltige Alternative zu fossilen Brennstoffen. Doch noch immer stellt die Speicherung regenerativ erzeugter Energie eine große Herausforderung dar. Im „Kraftwerk Land“, einem Forschungsprojekt am Innovationszentrum Dörentrup, hat man sich genau dieser Problematik angenommen. Wasserstoff ist hier der große Hoffnungsträger, der zur Lösung des Speicherproblems angenommen wird.

Auch im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stellt man sich diesen Fragen. So ist die Idee für ein gemeinsames Treffen in Dörentrup entstanden, um gegenseitige Erfahrungen auszutauschen und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. Frank Bonaldo ist Referatsleiter für den Bereich "Mineralöl und andere Kraftstoffe, Versorgungssicherheit und Krisenmanagement". Er befasst sich in seinem Themengebiet damit auch mit den Einsatzmöglichkeiten erneuerbarer Energien im Sektor Mobilität. Er ist ebenfalls Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Energiehafen Rostock“ im Rahmen der Bund-Länder-Projektgruppe „Schwedt“. Hier werden u.a. Themen rund um die gesamte Infrastruktur alternativer Energieversorgung besprochen. „Die Sektorkopplung führt im Ergebnis zu effizienteren Energiesystemen. Weil sie häufig dezentral angelegt ist, trägt sie zu einer regionalen Wertschöpfung bei und überwindet damit auch ein Stück weit die Stadt-Land-Problematik“, so Bonaldo.

Ebenfalls zu Gast war Dieter Bockey, Referent der UFOP (Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V.). Der Verein aus Berlin beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Möglichkeiten der Kraftstoffgewinnung und –Verwendung aus nachwachsenden Rohstoffen. Sämtliche Ressourcen der Landwirtschaft zur Energiegewinnung heranzuziehen, ist das gemeinsame Ziel des Berliner Vereins und dem Forschungsprojekt „Kraftwerk Land“. „Was wir heute hier erfahren haben, ist höchst interessant und spannend. Ich sehe hier starke Verbindungen und Anknüpfpunkte zu unserer Arbeit mit dem Ziel, Wertschöpfung im ländlichen Raum zu generieren“, sagt Bockey. Er ist bei der UFOP zuständig für die Projektförderung und Koordination mit Wirtschaft und Wissenschaft. Als Biomassexperte unterstützt er beratend Projektvorhaben zu alternativen Kraftstoffen.

Mit den Ressourcen der Landwirtschaft und den neuesten Fortschritten der Energieumwandlung und Speicherung kann ein dezentrales Versorgungssystem und damit eine nachhaltige Unabhängigkeit von externen Energieversorgern und fossilen Rohstoffen entstehen. Sonne, Wind und Biogas sind zwar in großen Mengen verfügbar, aber können nur mit ausreichender Fläche effizient gewonnen werden. Daher bietet sich der ländliche Raum für diese Netzwerke an. Da diese Energie aber nicht ganzjährig und gleichmäßig zur Verfügung steht, sind Speicherung und Transport einige der zentralen Herausforderungen der Energieindustrie.

Durch die Elektrolyse von Wasser kann mithilfe des sauberen Stroms „grüner Wasserstoff“ als Zwischenspeicher erzeugt werden. Doch die Lagerung von Wasserstoff verlangt hohen Druck und niedrige Temperaturen. Darum ist der Transport über weite Strecken unpraktisch. Damit steht der umweltfreundlichen Energiegewinnung ein weiterer Stein im Wege. Die Lösung scheint die chemische Umwandlung in Methan, Methanol oder Ammoniak zu sein. Diese Stoffe lassen sich nicht nur einfacherer transportieren, sondern können währenddessen selbst als Treibstoff für das Beförderungsmittel dienen.

In dem Laborprojekt „Kraftwerk Land“ forschen Mitarbeiter der TH OWL an den Möglichkeiten der Wasserstoffherstellung und Speicherung. Der kleine, industrielle Maßstab der Kraftwerke bietet die Möglichkeiten einer dezentralen Installation in autonomen Gebieten. Indem viele Produktions- und Speichersysteme gekoppelt werden, ist auch eine flächendeckende Versorgung möglich. Auch Kooperationen mit Ländern mit einem hohen landwirtschaftlichen Potenzial sind denkbar. So kann in Zukunft eine weitere essentielle Schnittstelle zwischen Land und Stadt entstehen.

Text und Bild: Ralf Freitag