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Lehren für Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit

Was versteht man unter barrierefreier Lehre und warum wird sie gebraucht?

Definition barrierefreie Lehre

Was bedeutet barrierefreie Lehre eigentlich? Oft denken wir bei dem Begriff zuerst an Rollstuhlrampen oder barrierefreie Toiletten. Doch im akademischen Alltag geht Barrierefreiheit weit darüber hinaus. Es bedeutet, Lehr- und Lernangebote von vornherein so zu planen und zu gestalten, dass sie für alle Studierenden eigenständig zugänglich und nutzbar sind. Das schließt Studierende mit physischen, psychischen oder sensorischen Beeinträchtigungen ebenso ein wie chronisch kranke oder neurodivergente Menschen.

Warum ist barrierefreie Lehre so wichtig?

  • Gelebte Inklusion und Chancengleichheit: Bildung ist ein grundlegendes Recht. Indem wir Hürden in der Lehre abbauen, ermöglichen wir allen Studierenden eine gleichberechtigte Teilhabe am akademischen Diskurs, unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen.
  • Mehrwert für alle: Von einer barrierefreien Didaktik profitieren am Ende alle Studierenden. Klare Strukturen, rechtzeitig bereitgestellte Materialien und transparente Kommunikationswege erleichtern das Lernen generell – genau wie ein abgesenkter Bordstein nicht nur Rollstuhlfahrenden, sondern auch Menschen mit Rollkoffern oder Kinderwagen hilft.
  • Weniger administrativer Aufwand: Je inklusiver und barrierefreier Ihre reguläre Lehre gestaltet ist, desto seltener müssen nachträglich individuelle und aufwendige Nachteilsausgleiche für einzelne Studierende organisiert werden.
Wie kann ich meine Lehre von Grund auf sinnvoll aufbauen?

Barrierefreiheit von Anfang an: Lehre mit den UDL-Guidelines gestalten

Die UDL-Guidelines (Universal Design for Learning) bieten einen systematischen Rahmen, um Hochschullehre von Grund auf lernfreundlich und konzeptionell sinnvoll aufzubauen. Statt Lehrkonzepte nachträglich aufwendig anzupassen, ermöglicht UDL die proaktive Integration von Flexibilität und Vielfalt in die Veranstaltungsplanung.

Indem Lernbarrieren systematisch minimiert und unterschiedliche Zugangskanäle geschaffen werden, leistet der Ansatz einen essenziellen Beitrag zu einer barrierefreien und chancengerechten Lehre. Davon profitieren nicht nur Studierende mit Beeinträchtigungen, sondern alle Lernenden durch ein zugängliches und zeitgemäßes Studienumfeld.

Universal-Design-for-Learning-Leitlinien (Deutsch)

Wie setze ich Barrierefreiheit in den digitalen Aspekten meiner Lehre um?

Digitale Barrierefreiheit in der Lehre

Ein Großteil der heutigen Lehre findet digital oder mediengestützt statt – sei es im Hörsaal über Präsentationsfolien, in Online-Seminaren oder asynchron über Lernplattformen. Genau hier entstehen oft unsichtbare Barrieren, die den Lernerfolg für betroffene Studierende massiv einschränken können.

Wenn Sie Ihre Lehre vorbereiten, gibt es einige Punkte auf die Sie achten sollten, damit digitale Barrieren gar nicht erst entstehen:

  • Skripte und Textdokumente (PDF, Word): Sind Überschriften logisch formatiert, sodass Vorleseprogramme (Screenreader) die Struktur erkennen können?
  • Präsentationen (PowerPoint): Sind die Kontraste stark genug und die Schriftgrößen ausreichend, damit die Folien auch aus der letzten Reihe oder mit einer Sehbeeinträchtigung gut lesbar sind?
  • Bilder und Grafiken: Sind wichtige visuelle Informationen und Diagramme mit erklärenden Alternativtexten (Alt-Texten) versehen?
  • Videos und Audioaufnahmen: Gibt es für multimediale Inhalte Untertitel oder Transkripte für Studierende mit einer Hörbeeinträchtigung? Gibt es Transkripte für Nicht-Muttersprachler*Innen auch auf englisch?
  • Lernplattformen (z.B. ILIAS): Ist Ihr Kursraum übersichtlich strukturiert, intuitiv navigierbar und rechtzeitig mit den nötigen Materialien gefüllt?
    Tipp: Die Kursraumvorlagen auf ILIAS können bei Struktur und Barrierearmut hilfreich sein. (Dieser Link ist nur nach vorheriger Anmeldung am eCampus (ILIAS) erreichbar)

Hier finden Sie Unterstützung:

In dem Bereich Digitale Barrierefreiheit haben wir Anleitungen, Tipps und Checklisten zusammengestellt.
Dort erfahren Sie beispielsweise:

Das Kompetenzzentrum NRW hat außerdem hilfreiche Checklisten zu Barrierefreiheit in der digitalen Lehre erstellt, die noch einmal übersichtlich zusammenfassen, wie und warum man worauf achten sollte.

Wie setze ich Barrierefreiheit in den analogen Aspekten meiner Lehre um?

Analoge und organisatorische Barrierefreiheit in der Lehre

Auch wenn ein Großteil der Lehre heute mediengestützt stattfindet, entscheidet sich gelebte Inklusion nach wie vor auch im physischen Raum und in der organisatorischen Gestaltung des Semesterbetriebs. Unstrukturierte Abläufe, unvorhergesehene Änderungen oder unzureichende Pausen können für Studierende mit chronischen Erkrankungen, psychischen Belastungen oder Mobilitäts- und Sinneseinschränkungen zu unüberwindbaren Hürden werden.

Wenn Sie Ihre Lehrveranstaltungen planen und durchführen, gibt es einige zentrale Punkte, auf die Sie achten sollten, um analoge und strukturelle Barrieren zu minimieren:

  • Semester- und Zeitplanung: Ist der Semesterplan frühzeitig kommuniziert, sodass ersichtlich ist, wann welche Themen besprochen werden? Dies hilft Studierenden (z. B. mit Autismus-Spektrum oder chronischen Erkrankungen), sich optimal auf die Sitzungen vorzubereiten und Lernprozesse zu strukturieren.
  • Inhaltliche Struktur: Folgen die Lehrinhalte einem logischen, transparenten Aufbau? Eine klare rote Linie erleichtert die kognitive Verarbeitung und Informationsaufnahme für alle Teilnehmenden.
  • Pausenzeiten und Rhythmus: Sind bei längeren Veranstaltungen (z. B. Blockseminaren oder mehrstündigen Vorlesungen) ausreichende und verlässliche Pausen eingeplant? Pausen sind essenziell für die Konzentration, Regeneration und für Studierende, die medizinische Versorgung oder längere Wegezeiten benötigen.
  • Bauliche Barrierefreiheit: Sind die Veranstaltungsräume für alle Studierenden zugänglich? Auf der Unterseite „Bauliche Barrierefreiheit“ finden Sie beispielsweise Lagepläne der Hochschulstandorte und Informationen darüber, wo sich barrierefreie WCs an der TH OWL befinden.
  • Prüfungen: Sind die Prüfungsmaterialien gut lesbar und ggf. hörbar und folgen einer klaren Struktur? Ist der Raum für die Prüfung und der Zugang zu Toiletten barrierefrei zugänglich? Sind alle nötigen Informationen klar, transparent und frühzeitig kommuniziert? Gibt es Studierende, die einen Nachteilsausgleich bekommen und sind die Ausgleichsleistungen bereits organisatorisch berücksichtigt?
  • Hörunterstützung: Aktuell testen wir im Rahmen eines Pilotbetriebs die moderne Bluetooth-Technologie Auracast, die Tonzeichen barrierefrei direkt auf Hörgeräte und Smartphones überträgt. Parallel klären wir die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine zukünftige Ausweitung innerhalb der Hochschule. Details und Updates dazu stehen in der Kachel „Hörunterstützung Auracast“.

In der Checkliste für barrierefreie Veranstaltungen (PDF, 102 KB) finden Sie noch einmal die generell wichtigen Aspekte zur Planung und Durchführung einer barrierefreien Veranstaltung.

Wer hilft mir an der TH OWL weiter, wenn ich meine Lehre barrierefrei gestalten möchte?

Ansprechpersonen TeLL

Die Umsetzung barrierefreier Lehre kann auf den ersten Blick vielleicht etwas überfordernd wirken.
Wir möchten es Ihnen als Lehrenden natürlich so einfach wie möglich machen, Ihre Lehre barrierefrei zu gestalten. Daher gibt es an der TH OWL Ansprechpersonen, die Sie unterstützen:

Das Team Lehre und Lernen (TeLL) aus dem S(kim) hilft Ihnen bei der Erstellung barrierefreier Materialien und kann auch bei assistiven Technologien behilflich sein.
Kontaktieren Sie das TeLL gerne jederzeit für Unterstützung.

Kontakt TeLL

Gleichberechtigung für Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit

Nachteilsausgleich

In Kürze finden Sie hier ausführliche Informationen zum Nachteilsausgleich und die Verlinkung ins Prozessportal.  

Wie kann ich anfangen mich zu sensibilisieren?

Mehr über Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit lernen

BlindDate – Eine Hochschule für alle

BlindDate ist eine virtuelle Begegnungsplattform. Studierende als Personas mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten geben Einblicke in ihren Studienalltag. Dazu gehören Strategien, assistive Technologien und Barrieren, die ihnen im Alltag begegnen.

Auf der Seite von BlindDate lernen Sie typische Bedarfe und Situationen kennen und erhalten konkrete Handlungsempfehlungen, die Ihnen helfen, Barrieren in der eigenen Lehre abzubauen und Ihre Lehre barrierefrei zu gestalten. 

Personas im Blind Date kennenlernen

Serious Game: Beyond the Chalkboard

Im Serious Game „Beyond the Chalkboard“ (BtC) übernehmen die Spielenden die Perspektive von Sam, einer studierenden Person. Die Anwendung simuliert den Hochschulalltag inklusive der Interaktionen mit Lehrenden und der Studierendenschaft. Der inhaltliche Fokus liegt darauf, verschiedene Barrieren im akademischen Umfeld erfahrbar zu machen. Die Spielenden setzen sich dabei sowohl mit äußeren Faktoren – wie strukturellen Rahmenbedingungen der Hochschule und sozialen Reaktionen – als auch mit inneren Hürden, wie den Ängsten und depressiven Symptomen der Hauptfigur, auseinander.
In dem Trailer zu Beyond the Chalkboard können Sie einen ersten Eindruck bekommen, was Sie in dem Spiel erwartet.

„Beyond the Chalkboard“ (BtC)

UNSICHTBARRIEREN – Unsichtbar für dich

Die multimediale Kampagne UNSICHTBARRIEREN, die von Studierenden des Studiengangs Medienproduktion ins Leben gerufen wurde, befasst sich mit nicht sichtbaren Barrieren im Studienalltag.

Vor allem der Kurzfilm „UNSICHTBARRIEREN” und die Interviews, die das Team mit Betroffenen geführt hat, können Ihnen als Lehrkraft einen spannenden Einblick geben, wie es für Menschen ist, deren Behinderung und vor allem die damit verbundenen Barrieren nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

Mehr über UNSICHTBARRIEREN erfahren

DACHS: Lehre ohne Barrieren – Erleben. Verstehen. Umsetzen.

DACHS hilft Ihnen dabei, Barrieren in digitalen Lehrmaterialien zu erkennen, zu verstehen und nachhaltig abzubauen – interaktiv, praxisnah und ohne technische Vorkenntnisse.

Auf der DACHS-Website finden Sie verschiedene Simulationen. Diese veranschaulichen Beeinträchtigungen und Umweltreize, die im Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Inhalte Teilhabe verhindern können.
Tipp: Sollte die Simulation bei Ihnen nicht funktionieren, versuchen Sie es in einem anderen Browser.

Auch stellt DACHS Inhalte zum Sensibilisieren und Anleitungen für barrierefreie Lehrgestaltung bereit.

Zudem gibt es den Bereich Testen. Dieser ist nur für angemeldete Nutzer*innen zugänglich. Hier können Sie Kurse erstellen, Ihre hochgeladenen Seiten auf Barrierefreiheit testen und sich die Ergebnisse anzeigen lassen.

DACHS – Erleben. Verstehen. Umsetzen

Wo kann ich mich weiter informieren?

Weiterführende Materialien

Workshopangebot von barrierefreiheit.nrw

Das Kompetenzzentrum NRW bietet immer wieder hilfreiche Workshops und Weiterbildungen in verschiedenen Bereichen bezüglich Barrierefreiheit an. 

Weitere Informationen finden Sie unter „Termine“ auf barrierefreiheit.nrw.

Workshop Lehre für alle

Auf der Lernplattform ILIAS stehen Ihnen im Kurs „Barrierefreiheit TH OWL“ umfangreiche Materialien zur Barrierefreiheit zur Verfügung.
Darunter befindet sich auch der Workshop „Lehre für alle“, den Sie dort als PDF oder PPTX herunterladen können.
Hinweis: Die Links zum Kurs sind nur nach vorheriger Anmeldung am eCampus (ILIAS) erreichbar.