Dabei zeigte sich schnell: Im Mittelpunkt standen weniger einzelne Technologien als die Frage, wie Menschen, Unternehmen und Regionen mit wachsender Komplexität in unsicheren Zeiten umgehen können.
Der Veranstaltungsort hätte passender kaum sein können. Das Team des Studiengangs Digital Management Solutions (DiMS) der TH OWL hatte ins Kongresszentrum am BildungsCampus Herford eingeladen, wo der Studiengang auch gelehrt wird. Das historische Gelände der ehemaligen Wentworth-Kaserne steht selbst für Wandel und Neuanfang. Die Gebäude spiegelten die Themen des Tages eindrucksvoll wider.
Durch den Tag führte Moderator Gero Brinkmann vom Institut für Wissenschaftsdialog (IWD) der TH OWL. Anspruchsvolle Themen vermittelte er verständlich, ohne ihre Tiefe zu verlieren. Immer wieder stellte Brinkmann Bezüge zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis her – genau dort, wo der digitale Wandel im Alltag von Unternehmen, Beschäftigten und Studierenden ankommt.
OWL 2.0: Die Zukunft wächst aus vorhandenen Stärken
Wie groß die Herausforderungen dieses Wandels inzwischen sind, machte Keynote-Speaker Thomas Sattelberger gleich zu Beginn deutlich. Der ehemalige Telekom-Vorstand und frühere Staatssekretär verwies auf die enorme Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen: Während Innovationen heute oft exponentiell voranschritten, würden viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen noch immer linear denken und handeln.
Deutschland habe viele Weltmarktführer und Hidden Champions hervorgebracht; im internationalen Wettbewerb reiche das jedoch nicht mehr aus.Das Land müsse zusätzliche „Spielbeine“ in Zukunftsfeldern wie KI entwickeln. Als positive Beispiele nannte er Länder wie Dänemark im Bereich der Biotechnologie oder die Schweiz mit ihren Schwerpunkten in KI und Pharma.
Ostwestfalen-Lippe sieht er mit seinen mittelständischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Innovationsplattformen in einer guten Ausgangsposition. „Innovation ist angesagt in OWL“, sagte Sattelberger. Er zeichnete das Bild einer möglichen Modellregion 2.0 mit besonderen Chancen in industrieller KI, Mobilität und Smart Food. Voraussetzung dafür sei ein voll ausgereiftes Innovationsökosystem, ein Netzwerk aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren, die Innovation gemeinsam voranbringen.
Gamification in der Arbeitswelt: Technik muss sich am Menschen orientieren
Vom wirtschaftlichen Wandel führte Viktoria Mordaschew den Blick auf den Menschen. Die Arbeitswissenschaftlerin ist Praxis-Promovierende im Projekt PROFuture und verbindet dabei Forschung an der TH OWL mit praktischer Arbeit beim Softwareunternehmen delta3. Sie forscht an der Schnittstelle von Mensch-Technik-Interaktion und Arbeitsgestaltung. 2026 wurde sie mit dem Best Young Scientist Award ausgezeichnet. In ihrem Vortrag zeigte Mordaschew, wie Gamification dazu beitragen kann, Motivation, Teilhabe und Akzeptanz neuer Technologien im Arbeitsalltag zu fördern.
Ausgangspunkt ihrer Forschung ist die Frage, warum Menschen neue Systeme nutzen – oder eben nicht. Spiele schafften etwas, woran viele Digitalisierungsprojekte trotz guter Technik scheiterten: Sie vermitteln Sinn, Orientierung und ein klares Ziel, geben direktes Feedback und machen Fortschritte sichtbar. Menschen beteiligen sich freiwillig, obwohl sie immer wieder scheitern und dieselben Aufgaben wiederholen.
Wie können Arbeitsprozesse so gestaltet werden, dass Menschen ähnliche positive Erfahrungen machen wie in gut gestalteten Spielen? Technik müsse sich stärker an den unterschiedlichen Bedürfnissen, Vorkenntnissen und Fähigkeiten der Beschäftigten orientieren, nicht umgekehrt, so Mordaschew. Erkenntnisse aus der Spieleforschung könnten dabei helfen, Arbeitsprozesse verständlicher, attraktiver und individueller zu gestalten.
KI verstehen, Risiken erkennen, Sicherheit neu denken
„Wer neue Technologien nutzen will, muss sie auch verstehen, einordnen und absichern können“, betonte Cybersicherheitsexperte Professor Dr. Henning Trsek, Leiter des Instituts für industrielle Informationstechnik (inIT) der TH OWL. In seinem Impuls-Vortrag lenkte er den Blick auf die Risiken der digitalen Transformation. Seine Botschaft: Künstliche Intelligenz macht nicht nur Unternehmen leistungsfähiger, sondern auch Angreifer. Unternehmen müssten daher Sicherheit, Datenqualität und Risikomanagement neu denken.
Perfekte Sicherheit sei dabei eine Illusion. Entscheidend sei vielmehr, Risiken frühzeitig zu erkennen, Systeme kontinuierlich zu überprüfen und auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.
Bounce Forward mit Future Skills: Handlungsfähig bleiben in unsicheren Zeiten
Genau diese Botschaft griff Professor Dr. Niko Kohls aus einer psychologischen Perspektive auf. Der Medizinpsychologe und Professor für Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Coburg forscht seit mehr als 20 Jahren zu Achtsamkeit, Resilienz und Selbstregulation. Angesichts einer Zeit, in der Krisen, Unsicherheit und technologische Umbrüche gleichzeitig auf Menschen und Organisationen einwirken, reiche es nicht mehr aus, Belastungen lediglich auszuhalten.
Die Welt verändere sich heute so schnell und grundlegend, dass bloßes Zurückkehren zum alten Zustand nach einer Krise oft nicht mehr möglich oder sinnvoll ist. Statt nur „zurückzuprallen“ brauche es ein „Bounce Forward“: die Fähigkeit, auch unter veränderten Bedingungen Orientierung zu bewahren und Zukunft aktiv mitzugestalten.
Dazu seien sogenannte Future Skills erforderlich – Fähigkeiten, die Menschen helfen können, auch in einer komplexen Welt handlungsfähig zu bleiben. Achtsamkeit unterstütze dabei, Situationen zunächst wahrzunehmen statt vorschnell zu bewerten. Ambiguitätstoleranz helfe, Uneindeutigkeit auszuhalten, während Resonanzfähigkeit die Verbindung zu anderen Menschen stärke.
Gefragt sei laut Kohls auch Spannungsfähigkeit: die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, auch wenn vertraute Gewissheiten ins Wanken geraten. Entscheidend sei es, Klarheit zu gewinnen und auch unter Druck bewusst handeln zu können. Letztlich gehe es darum, neue Wege zu erkennen und tragfähige Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft zu finden.
Die Kraft einfacher Fragen: Neue Perspektiven für den Mittelstand
Wie solche Antworten in der Praxis entstehen können, wenn Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an Zukunftsfragen arbeiten, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion zum Ideationsprint „Warehouse 2040“. Erst im März hatten Studierende des Bachelorstudiengangs Digital Management Solutions (DiMS) und des Masterstudiengangs Applied Entrepreneurship beim Familienunternehmen Remmert in Löhne innerhalb von drei Tagen Zukunftsideen für Lager- und Logistiksysteme entwickelt.
„Erstaunlich, wie schnell die Studierenden das Unternehmen verstanden haben“, sagte Christoph Paul, Produktmanager bei Remmert. Die frischen Perspektiven hätten neue Impulse geliefert und Diskussionen angestoßen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Innovation Zeit brauche. Nun gehe es darum, die Ideen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Professor Dr. Josef Löffl, Leiter des Instituts für Wissenschaftsdialog und des Lernorts Herford, hob dabei den besonderen Wert des unverstellten Blicks hervor. Studierende stellten oft Fragen auf „Sesamstraßenniveau“ – einfache W-Fragen, für die im Tagesgeschäft von Unternehmen kaum Raum sei. Gerade solche Fragen könnten jedoch neue Horizonte eröffnen und eingefahrene Denkweisen sichtbar machen.
Zum Abschluss widmete sich Löffl den Herausforderungen von Familienunternehmen. Das Thema Generationenwechsel werde in den kommenden Jahren für rund ein Viertel aller deutschen Unternehmen relevant. Wenn zahlreiche Babyboomer gleichzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden – auch aus Leitungs- und Führungspositionen –, gehe es nicht nur um die Übergabe von Eigentum, sondern um umfassende Transformationsprozesse.
In Familienunternehmen träfen dabei oft unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen aufeinander. Zugleich stelle sich die Frage, wie wertvolles Erfahrungswissen erhalten, Verantwortung übergeben und Unternehmen für die Zukunft weiterentwickelt werden können. Digitale Lösungen könnten dabei helfen, Wissen transparent zu machen und für nachfolgende Generationen zugänglich zu halten.
„Wer ständig das operative Geschäft priorisiert, findet oft keine Zeit für die Zukunft des Unternehmens“, gab Professor Löffl zu bedenken. Mit genau diesen Herausforderungen soll sich künftig auch der geplante Masterstudiengang Lead Next beschäftigen, der Transformation und Nachfolge in Familienunternehmen in den Blick nehmen und einen geschützten Raum für Austausch, Reflexion und konkrete Lösungen schaffen soll.
Die TH OWL sieht Löffl dabei als „ehrlichen Makler“ und neutralen Akteur zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, der unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt und Veränderungsprozesse begleitet.
Verbindungen sichtbar machen – gemeinsam Orientierung schaffen
Eine wichtige Rolle bei der Konferenz spielte auch Graphic Recorderin Cornelia Nass. Am Bühnenrand hielt sie die zentralen Gedanken des Tages zeichnerisch fest. Aus Begriffen, Symbolen und Schlagworten entstand Schritt für Schritt ein großes Bild, das die Themen der Konferenz auf einer einzigen Fläche zusammenführte.
Das Graphic Recording machte sichtbar, was viele Beiträge des Tages verband: Wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrung und gesunder Menschenverstand stehen nicht im Widerspruch. Sie ergänzen sich.
Technologie ist wichtig – entscheidend bleibt der Mensch.
Die DiMS-Konferenz machte deutlich, dass technologische Entwicklungen allein nicht ausreichen. Gefragt sind Menschen, die Veränderungen einordnen, Chancen erkennen und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen können.
Mit praxisnahen Studiengängen wie Digital Management Solutions, Transferformaten wie den Ideationsprints und innovativen Angeboten wie dem geplanten Masterstudiengang Lead Next bereitet die TH OWL ihre Studierenden auf genau diese Aufgaben vor. Sie lernen nicht nur, technologische Entwicklungen anzuwenden, sondern auch, mit Veränderungen und Unsicherheiten umzugehen, Wandel aktiv zu gestalten und tragfähige Lösungen für die Herausforderungen von morgen zu entwickeln. Genau diese Qualitäten brauchen Unternehmen, Organisationen und Regionen, um auch künftig erfolgreich und handlungsfähig zu bleiben.Dabei zeigte sich schnell: Im Mittelpunkt standen weniger einzelne Technologien als die Frage, wie Menschen, Unternehmen und Regionen mit wachsender Komplexität in unsicheren Zeiten umgehen können.
Der Veranstaltungsort hätte passender kaum sein können. Das Team des Studiengangs Digital Management Solutions (DiMS) der TH OWL hatte ins Kongresszentrum am BildungsCampus Herford eingeladen, wo der Studiengang auch gelehrt wird. Das historische Gelände der ehemaligen Wentworth-Kaserne steht selbst für Wandel und Neuanfang. Die Gebäude spiegelten die Themen des Tages eindrucksvoll wider.
Durch den Tag führte Moderator Gero Brinkmann vom Institut für Wissenschaftsdialog (IWD) der TH OWL. Anspruchsvolle Themen vermittelte er verständlich, ohne ihre Tiefe zu verlieren. Immer wieder stellte Brinkmann Bezüge zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis her – genau dort, wo der digitale Wandel im Alltag von Unternehmen, Beschäftigten und Studierenden ankommt.
OWL 2.0: Die Zukunft wächst aus vorhandenen Stärken
Wie groß die Herausforderungen dieses Wandels inzwischen sind, machte Keynote-Speaker Thomas Sattelberger gleich zu Beginn deutlich. Der ehemalige Telekom-Vorstand und frühere Staatssekretär verwies auf die enorme Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen: Während Innovationen heute oft exponentiell voranschritten, würden viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen noch immer linear denken und handeln.
Deutschland habe viele Weltmarktführer und Hidden Champions hervorgebracht; im internationalen Wettbewerb reiche das jedoch nicht mehr aus.Das Land müsse zusätzliche „Spielbeine“ in Zukunftsfeldern wie KI entwickeln. Als positive Beispiele nannte er Länder wie Dänemark im Bereich der Biotechnologie oder die Schweiz mit ihren Schwerpunkten in KI und Pharma.
Ostwestfalen-Lippe sieht er mit seinen mittelständischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Innovationsplattformen in einer guten Ausgangsposition. „Innovation ist angesagt in OWL“, sagte Sattelberger. Er zeichnete das Bild einer möglichen Modellregion 2.0 mit besonderen Chancen in industrieller KI, Mobilität und Smart Food. Voraussetzung dafür sei ein voll ausgereiftes Innovationsökosystem, ein Netzwerk aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren, die Innovation gemeinsam voranbringen.
Gamification in der Arbeitswelt: Technik muss sich am Menschen orientieren
Vom wirtschaftlichen Wandel führte Viktoria Mordaschew den Blick auf den Menschen. Die Arbeitswissenschaftlerin ist Praxis-Promovierende im Projekt PROFuture und verbindet dabei Forschung an der TH OWL mit praktischer Arbeit beim Softwareunternehmen delta3. Sie forscht an der Schnittstelle von Mensch-Technik-Interaktion und Arbeitsgestaltung. 2026 wurde sie mit dem Best Young Scientist Award ausgezeichnet. In ihrem Vortrag zeigte Mordaschew, wie Gamification dazu beitragen kann, Motivation, Teilhabe und Akzeptanz neuer Technologien im Arbeitsalltag zu fördern.
Ausgangspunkt ihrer Forschung ist die Frage, warum Menschen neue Systeme nutzen – oder eben nicht. Spiele schafften etwas, woran viele Digitalisierungsprojekte trotz guter Technik scheiterten: Sie vermitteln Sinn, Orientierung und ein klares Ziel, geben direktes Feedback und machen Fortschritte sichtbar. Menschen beteiligen sich freiwillig, obwohl sie immer wieder scheitern und dieselben Aufgaben wiederholen.
Wie können Arbeitsprozesse so gestaltet werden, dass Menschen ähnliche positive Erfahrungen machen wie in gut gestalteten Spielen? Technik müsse sich stärker an den unterschiedlichen Bedürfnissen, Vorkenntnissen und Fähigkeiten der Beschäftigten orientieren, nicht umgekehrt, so Mordaschew. Erkenntnisse aus der Spieleforschung könnten dabei helfen, Arbeitsprozesse verständlicher, attraktiver und individueller zu gestalten.
KI verstehen, Risiken erkennen, Sicherheit neu denken
„Wer neue Technologien nutzen will, muss sie auch verstehen, einordnen und absichern können“, betonte Cybersicherheitsexperte Professor Dr. Henning Trsek, Leiter des Instituts für industrielle Informationstechnik (inIT) der TH OWL. In seinem Impuls-Vortrag lenkte er den Blick auf die Risiken der digitalen Transformation. Seine Botschaft: Künstliche Intelligenz macht nicht nur Unternehmen leistungsfähiger, sondern auch Angreifer. Unternehmen müssten daher Sicherheit, Datenqualität und Risikomanagement neu denken.
Perfekte Sicherheit sei dabei eine Illusion. Entscheidend sei vielmehr, Risiken frühzeitig zu erkennen, Systeme kontinuierlich zu überprüfen und auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.
Bounce Forward mit Future Skills: Handlungsfähig bleiben in unsicheren Zeiten
Genau diese Botschaft griff Professor Dr. Niko Kohls aus einer psychologischen Perspektive auf. Der Medizinpsychologe und Professor für Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Coburg forscht seit mehr als 20 Jahren zu Achtsamkeit, Resilienz und Selbstregulation. Angesichts einer Zeit, in der Krisen, Unsicherheit und technologische Umbrüche gleichzeitig auf Menschen und Organisationen einwirken, reiche es nicht mehr aus, Belastungen lediglich auszuhalten.
Die Welt verändere sich heute so schnell und grundlegend, dass bloßes Zurückkehren zum alten Zustand nach einer Krise oft nicht mehr möglich oder sinnvoll ist. Statt nur „zurückzuprallen“ brauche es ein „Bounce Forward“: die Fähigkeit, auch unter veränderten Bedingungen Orientierung zu bewahren und Zukunft aktiv mitzugestalten.
Dazu seien sogenannte Future Skills erforderlich – Fähigkeiten, die Menschen helfen können, auch in einer komplexen Welt handlungsfähig zu bleiben. Achtsamkeit unterstütze dabei, Situationen zunächst wahrzunehmen statt vorschnell zu bewerten. Ambiguitätstoleranz helfe, Uneindeutigkeit auszuhalten, während Resonanzfähigkeit die Verbindung zu anderen Menschen stärke.
Gefragt sei laut Kohls auch Spannungsfähigkeit: die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, auch wenn vertraute Gewissheiten ins Wanken geraten. Entscheidend sei es, Klarheit zu gewinnen und auch unter Druck bewusst handeln zu können. Letztlich gehe es darum, neue Wege zu erkennen und tragfähige Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft zu finden.
Die Kraft einfacher Fragen: Neue Perspektiven für den Mittelstand
Wie solche Antworten in der Praxis entstehen können, wenn Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an Zukunftsfragen arbeiten, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion zum Ideationsprint „Warehouse 2040“. Erst im März hatten Studierende des Bachelorstudiengangs Digital Management Solutions (DiMS) und des Masterstudiengangs Applied Entrepreneurship beim Familienunternehmen Remmert in Löhne innerhalb von drei Tagen Zukunftsideen für Lager- und Logistiksysteme entwickelt.
„Erstaunlich, wie schnell die Studierenden das Unternehmen verstanden haben“, sagte Christoph Paul, Produktmanager bei Remmert. Die frischen Perspektiven hätten neue Impulse geliefert und Diskussionen angestoßen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Innovation Zeit brauche. Nun gehe es darum, die Ideen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Professor Dr. Josef Löffl, Leiter des Instituts für Wissenschaftsdialog und des Lernorts Herford, hob dabei den besonderen Wert des unverstellten Blicks hervor. Studierende stellten oft Fragen auf „Sesamstraßenniveau“ – einfache W-Fragen, für die im Tagesgeschäft von Unternehmen kaum Raum sei. Gerade solche Fragen könnten jedoch neue Horizonte eröffnen und eingefahrene Denkweisen sichtbar machen.
Zum Abschluss widmete sich Löffl den Herausforderungen von Familienunternehmen. Das Thema Generationenwechsel werde in den kommenden Jahren für rund ein Viertel aller deutschen Unternehmen relevant. Wenn zahlreiche Babyboomer gleichzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden – auch aus Leitungs- und Führungspositionen –, gehe es nicht nur um die Übergabe von Eigentum, sondern um umfassende Transformationsprozesse.
In Familienunternehmen träfen dabei oft unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen aufeinander. Zugleich stelle sich die Frage, wie wertvolles Erfahrungswissen erhalten, Verantwortung übergeben und Unternehmen für die Zukunft weiterentwickelt werden können. Digitale Lösungen könnten dabei helfen, Wissen transparent zu machen und für nachfolgende Generationen zugänglich zu halten.
„Wer ständig das operative Geschäft priorisiert, findet oft keine Zeit für die Zukunft des Unternehmens“, gab Professor Löffl zu bedenken. Mit genau diesen Herausforderungen soll sich künftig auch der geplante Masterstudiengang Lead Next beschäftigen, der Transformation und Nachfolge in Familienunternehmen in den Blick nehmen und einen geschützten Raum für Austausch, Reflexion und konkrete Lösungen schaffen soll.
Die TH OWL sieht Löffl dabei als „ehrlichen Makler“ und neutralen Akteur zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, der unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt und Veränderungsprozesse begleitet.
Verbindungen sichtbar machen – gemeinsam Orientierung schaffen
Eine wichtige Rolle bei der Konferenz spielte auch Graphic Recorderin Cornelia Nass. Am Bühnenrand hielt sie die zentralen Gedanken des Tages zeichnerisch fest. Aus Begriffen, Symbolen und Schlagworten entstand Schritt für Schritt ein großes Bild, das die Themen der Konferenz auf einer einzigen Fläche zusammenführte.
Das Graphic Recording machte sichtbar, was viele Beiträge des Tages verband: Wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrung und gesunder Menschenverstand stehen nicht im Widerspruch. Sie ergänzen sich.
Technologie ist wichtig – entscheidend bleibt der Mensch.
Die DiMS-Konferenz machte deutlich, dass technologische Entwicklungen allein nicht ausreichen. Gefragt sind Menschen, die Veränderungen einordnen, Chancen erkennen und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen können.
Mit praxisnahen Studiengängen wie Digital Management Solutions, Transferformaten wie den Ideationsprints und innovativen Angeboten wie dem geplanten Masterstudiengang Lead Next bereitet die TH OWL ihre Studierenden auf genau diese Aufgaben vor. Sie lernen nicht nur, technologische Entwicklungen anzuwenden, sondern auch, mit Veränderungen und Unsicherheiten umzugehen, Wandel aktiv zu gestalten und tragfähige Lösungen für die Herausforderungen von morgen zu entwickeln. Genau diese Qualitäten brauchen Unternehmen, Organisationen und Regionen, um auch künftig erfolgreich und handlungsfähig zu bleiben.








