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Common Green

Jahresthema 2025/2026

Common Green

Wir leben in einer Zeit in der zunehmend sichtbar wird, dass die Verteilung von Ressourcen nicht oder nur sehr eingeschränkt nach den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit erfolgt. Ressourcenknappheit und ökologische Krisen führen dazu das soziale und ökologische Aspekte oft gegeneinander ausgespielt werden. Gelang es den westlichen Industriegesellschaften diese Widersprüche in der Vergangenheit auf Kosten der Gesellschaften des globalen Südens aufzulösen, stößt dieses System an seine Grenzen. Klimawandel und Artensterben aber auch die zunehmenden Verteilungskonflikte und das Erstarken autokratischer politischer Systeme führen uns vor Augen, dass die Probleme zukünftig nicht mehr so einfach in den Griff zu bekommen sein werden. Gleichzeitig sind unsere, auf ein Wirtschaftswachstum ausgerichteten Gesellschaften nicht darauf vorbereitet mit den zu erwartenden Verlusten umzugehen.  Beruht unser Wohlstand auf dem Verteilen von Mehr, stellt sich zukünftig zunehmend die Frage wie wir das Weniger gerecht auf alle Schultern verteilen. 

Eine vorausschauende Planung die versucht die anstehenden Probleme im Sinne einer staatlichen Verantwortung zu bearbeiten kann hier zwar auf die zu behandelnden Fragestellungen hinweisen und Lösungsvorschläge in die Diskussion einbringen, ist aber unter den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer weniger in der Lage im Sinne einer sozial und ökologisch gerechten Fürsorge Herr der Lage zu werden. So mehren sich die Stimmen derer, für die traditionelle Planungsprozesse an ihre Grenzen stoßen. Diese Stimmen rufen nicht nach mehr hierarchischer Kontrolle, sondern geteilter Verantwortung – mit der Zivilgesellschaft als zentraler Akteurin der notwendigen Transformation. Gleichzeitig treffen im Freiraum und Landschaft und damit auch in der Landschaftsarchitektur Ansprüche, Handlungsoptionen und gesellschaftliche Interessen räumlich und inhaltlich aufeinander, was zu Verschiebungen eingeübter Planungsroutinen, -prozesse und Rollen führt. So sind wir zunehmend weniger als allwissende, steuernde Instanz gefragt, sondern Teil eines vielfältigen Netzwerks kooperativer Gestaltung von Freiräumen und Landschaft. Es geht darum (Spiel-)Räume für zivilgesellschaftliches Handeln zu entwickeln und kollektiven Prozesse zu initiieren, die soziale, kulturelle, politische und ökologische Kontexte gleichermaßen einbeziehen. Planen bedeutet daher nicht mehr jedes Detail gesellschaftlichen Lebens vorwegzunehmen, sondern flexible Strategien zu entwickeln, die gesellschaftliche Transformationen ermöglichen und vorantreiben. In diesem Kontext wollen wir im Rahmen des diesjährigen Oberthemas „Common Green“ als programmatischen Beitrag zur Debatte um gemeinschaftlich verantwortete, nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung von Freiräumen und Landschaften betrachten.

Masterprojekt

Der skizzierte Diskursrahmen ist nicht nur abstrakter planungstheoretischer Hintergrund, sondern trifft auf real planerisch zu bearbeitende Fragestellungen im Kontext der Strukturreform unserer Hochschule. Vor dem Hintergrund landespolitischer Sparzwänge zeichnet sich ab, dass mit der Einstellung des Lehrbetriebs am Hochschulstandort in Höxter der Auflösung des Fachbereichs Landschaftsarchitektur und Umweltplanung und der zukünftigen Zuordnung in zwei neu gegründete Fachbereiche „Gestaltung“ sowie „Bauen und Umwelt“ am Hochschulstandort in Detmold die für unseren Studiengänge zentralen „grünen“ Lernlandschaften nicht in gleicher Weise wie bislang durch die Institution Hochschule bereit gestellt werden können. Gleichzeitig fordert dieser disruptive Bruch mit dem bewährten und gleichzeitig gewohnten Angebot Fragen nach den möglichen Alternativen ein: Können wir (Lehrende und Studierende) die erforderlichen Dinge in die eigenen Hände nehmen? Was sind überhaupt die Lernlandschaften oder Reallabore in und an denen wir Landschaftsarchitektur und Umweltplanung Lehren und Lernen wollen? Welche Rahmenbedingungen müssen dafür vorhanden sein? … welche Partner:innen und Ressourcen brauchen wir dafür?

Im Rahmen des Oberthemas „Common Green“ und vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen – wie Ressourcenknappheit, Klimawandel und der Notwendigkeit sozial-ökologischer Transformation – soll im Projekt untersucht werden, welche Lernlandschaften als innovative, unterstützende Räume für Studium, Lehre und gesellschaftliches Engagement wir brauchen und wie diese gestaltet und gemanagt werden können. Ziel ist es, verschiedene Typen und Maßstabsebenen von Lernlandschaften zu definieren, deren Potenzialbereiche räumlich zu identifizieren und konkrete Ansätze für deren Entwicklung und Nutzung zu erarbeiten. Dabei sind sowohl zentrale, campusnahe, neu zu erschließende Flächen für ein „Lernlabor unter freiem Himmel“ zu berücksichtigen wie auch dezentrale Flächen in Stadt und Landschaft mit Potentialen für die Lehre zu identifizieren und ggf. im Sinne zukünftiger Lernlandschaften zu entwickeln.

Projektziele

  • Definition von Lernlandschaften: Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses, was unter Lernlandschaften im Kontext von Hochschule, Stadt und Gesellschaft zu verstehen ist. Dabei können und sollen sowohl großräumige als auch kleinräumige, temporäre oder dauerhafte Räume betrachtet werden.
  • Räumliche Identifikation von Potenzialbereichen: Analyse und Kartierung von Flächen, die sich als Lernlandschaften eignen – von universitären Grünflächen über urbane Freiräume bis hin zu Nachbarschaftsgärten oder Zwischennutzungen.
  • Entwicklung von Nutzungskonzepten: Erarbeitung von Konzepten, wie diese Räume gemeinschaftlich, partizipativ und nachhaltig genutzt, gestaltet und verwaltet werden können.

Die Lernlandschaften können verschiedene Ansätze verfolgen, die das Studium und die gesellschaftliche Teilhabe fördern. Mögliche Schwerpunkte sind:

  • Gemeinschaftlich genutzte und verwaltete Grünflächen: Entwicklung und Erprobung von Modellen, bei denen Studierende, Lehrende, Bürger*innen, Initiativen oder zivilgesellschaftliche Organisationen gemeinsam Verantwortung für Grünflächen übernehmen. Beispiele sind Urban Gardening-Projekte, Campusgärten, gemeinschaftlich gepflegte Parks, Biotoppatenschaften, Streuobstwiesen…
  • Partizipative und kooperative Planungs- und Gestaltungsprozesse: Schaffung von Räumen, in denen Studierende zusammen mit der Zivilgesellschaft, lokalen Akteuren und Expert*innen Planungs- und Gestaltungsprozesse initiieren und umsetzen. Dies kann durch Workshops, Beteiligungsverfahren oder partizipative Aktionen geschehen, die den Dialog und das gemeinsame Lernen fördern
  • Nachhaltige, sozial gerechte und ökologisch tragfähige Entwicklung: Entwicklung von Konzepten, die auf kollektive Verantwortung und geteilte Ressourcen setzen. Ziel ist es, Freiräume und Landschaften so zu gestalten, dass sie ökologisch wertvoll, sozial inklusiv und langfristig tragfähig sind. Dabei können Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung, wie die Integration der SDGs, angewendet werden. 

    Quellen

ARCH+ 258 Urbane Praxis (Dezember 2024)