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Director’s Cut: Warum diese Holzreste zu schade für den Ofen sind

Interdisziplinäres Studierendenteam der TH OWL will auch andere profitieren lassen.

Produktionsreste aus Tischlereien oder der Möbelindustrie werden nicht selten der „thermischen Verwertung“ zugeführt. Doch wenn es sich nicht um Sägespäne oder kleinteiligen Verschnitt handelt, sondern um größere Platten, aus denen man gut noch etwa ein Regal oder einen Beistelltisch bauen kann, sind diese zu schade, um sie in den Ofen zu stecken.

Damit beschäftigten sich im vorigen Semester auch Yannick Bollweg, Luca Dreisörner, Noemi König, Raja Maier und Finn Petermann aus dem Fachbereich Produktions- und Holztechnik der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) in ihrem interdisziplinären und studiengangsübergreifenden Projekt „Director’s Cut“. Dieses ist seit Juni zwar abgeschlossen, doch mit ihrem Projektnachfolger knüpfen die Studierenden nahtlos an.

„Zunächst ging es nur darum, die Reste – es handelt sich dabei um Platten, die wir von der Firma Hunger aus Bünde bekommen – zu Möbeln zu verarbeiten. Die Aufgabe hat uns Professor Martin Stosch gestellt“, berichten Yannick Bollweg und Luca Dreisörner, die an der TH OWL Wirtschaftsingenieurwesen studieren. „Mit den Themen Holz oder Möbelbau hatten wir bis dahin nichts zu tun“, ergänzen die beiden, die nach dem Abi gemeinsam eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert hatten. Entsprechendes Know-how brachte ihre Kommilitonin Noemi König ins Team ein, die auf dem Campus in Lemgo Holztechnik studiert.

Da das Projektteam die hochwertigen Holzteile nicht alle selbst nutzen konnte, entstand rasch die Idee, diese anderen Studierenden oder Interessierten auf dem Campus zur Verfügung stellen zu können. Aber wie? Mit einem Aushang am schwarzen Brett ist es nicht getan. Eine andere Plattform sollte es sein, und so legte das Team den Grundstein für eine maßgeschneiderte App – aktuell noch ein Prototyp.

„So können die Nutzer:innen später gleich sehen, wie die Holzreste aussehen und welche Maße sie haben“, erläutert Noemi König. „Es geht uns aber nicht darum, die Produktionsreste mit Gewinn weiterzuverkaufen, sondern sie denjenigen zur Verfügung zu stellen, die etwas damit anfangen können. Eben günstig und nachhaltig“, betonen Luca, Noemi und Yannick.

Mitten in der Projektphase hatte das Team vom Programm „DigitalChangeMaker Accelerator“ des Stifterverbandes und der Reinhard Frank-Stiftung gehört und sich um eine Förderung beworben. Mit Erfolg! „Mit Bewerber:innen von 14 anderen Hochschulen und Unis wurden wir ausgewählt und im August nach Berlin eingeladen, um unser Projekt vorzustellen“, berichtet Luca Dreisörner. Neben der ideellen Förderung kann sich das Team über eine Förderpauschale freuen.

Und um die aus der Küchenzulieferindustrie stammenden Platten einem breiteren Publikum verfügbar zu machen, arbeiten sie bereits an einer Weiterentwicklung der App, die zukünftig rein webbasiert und so für jeden verfügbar sein soll. Zudem möchte die „Director’s Cut“-Mannschaft nun in geeignete Hard- und Software investieren, und auch ein Plattenlager muss her, um die Platten vernünftig lagern und handhaben zu können. So kam die Förderpauschale wie gerufen.

Den Probebetrieb, der seinen Mittelpunkt im Smart Wood Center OWL auf dem historischen Gelände des Schlosses Brake haben soll, peilen Noemi, Yannick und Luca für Mitte kommenden Jahres an. „Wir befinden uns aktuell also noch in einer sehr frühen Phase unseres Nachfolgeprojekts“, sagen sie. „Es ist wie eine kleine Firma, nur eben non-profit, ohne Gewinnabsicht zwar, dafür aber auch ohne unternehmerisches Risiko.“ Gleichwohl will das Team sein „Unternehmen“ so professionell wie möglich führen. Und dafür ist die Basis gelegt.