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Ehemalige Studentin der Medienproduktion erhält Deutschen Filmpreis

„Mission Ulja Funk“ von Barbara Kronenberg wird am 13. Dezember im Hansa Kino in Lemgo gezeigt

„Das Studium an der TH OWL hat den Grundstein für meinen Weg in die Filmbranche gelegt“, würdigt Barbara Kronenberg. Die Autorin und Drehbuchautorin studierte Medienproduktion an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL). Ihr Langfilmdebüt „Mission Ulja Funk“ wurde dieses Jahr von der Deutschen Filmakademie mit dem Deutschen Filmpreis „Lola“ ausgezeichnet. Der Deutsche Filmpreis ist die renommierteste und höchstdotierte Auszeichnung für den deutschen Film. Am 13. Dezember wird der Film um 19.30 Uhr im Hansa Kino in Lemgo gezeigt.

Die gebürtige Bochumerin begeisterte sich schon früh für verschiedene künstlerische Darstellungsformen wie Theater, Literatur und Malerei. Aber erst über Umwege besann sie sich schließlich durch ihr Studium an der TH OWL auf eine weitere ihrer Leidenschaften: Den Film. „Das Studium der Medienproduktion bot mir die Möglichkeit, viele unterschiedliche Disziplinen auszuprobieren und vermittelte mir nicht nur gestalterische, sondern auch technische und wirtschaftliche Grundlagen“, erinnert sich Kronenberg. „Talent ist beim Filmemachen eine Sache, doch es gehört auch Handwerk, Begeisterung und Ausdauer dazu.“

Bestätigt durch den Bachelorstudiengang Medienproduktion setzte Kronenberg ihr Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln mit dem Schwerpunkt Drehbuch und Regie fort. Die Entscheidung wurde belohnt: Ihre Abschlussarbeit, der Film „Die Ballade von Ella Plummhoff“, wurde mehrfach ausgezeichnet und für den Nachwuchspreis „First Steps“ nominiert.

Im Jahrgang 2016/2017 gewann Kronenberg im Rahmen der Akademie für Kindermedien den Förderpreis der Mitteldeutschen Medienförderung mit ihrem Treatment zu dem Film „Mission Ulja Funk“. Kronenberg schrieb das Drehbuch und führte Regie. Es geht um die 12-jährige Ulja, die sich im Gegensatz zu ihrem religiös geprägten Umfeld für die Wissenschaft begeistert. Sie entdeckt einen Asteroiden, der in Kürze im 1.000 Kilometer entfernten Weißrussland auf die Erde fallen wird. Ihre Entdeckung stößt in der Gemeinde auf Ablehnung und Unverständnis. Als ihre Großmutter aus fehlgeleiteter Fürsorge gemeinsam mit dem Pastor Uljas Forschungsequipment entsorgt, beschließt sie, selbst nach Weißrussland zu reisen, um den Einschlag „ihres“ Asteroiden zu bezeugen. Ihren Mitschüler Henk heuert sie als Fahrer an. Ein turbulentes Roadmovie beginnt, als die Familie gemeinsam mit der Kirchengemeinde die Verfolgung aufnimmt. Auf dem Weg offenbaren sich allerlei latente Konflikte innerhalb der sonst so korrekten Gemeinschaft und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht. Auf der anderen Seite schließen sich zwischenmenschliche Barrieren, neue Freundschaften und Ideale entstehen. Der Film behandelt Fragen der eigenen Identität und Zugehörigkeit genauso wie die Überschneidung von Religion und Wissenschaft, die sich in kleinen alltäglichen Wundern offenbart.

Der Film „Mission Ulja Funk“ wurde auf zahlreichen Festivals vorgeführt und vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er auf dem Kinderfilmfestival Kristiansand den Preis für den besten internationalen Kinderfilm. Beim Deutschen Kinder Medien Festival bekam er in der Kategorie Langfilm die Auszeichnung „Goldener Spatz“. Außerdem wurde er mit dem Gilde Filmpreis 2021 in der Kategorie Kinderfilm ausgezeichnet, der von der AG Kino verliehen wird. Im Mai 2023 wurde der Film dann mit dem Deutschen Filmpreis „Lola“ für den besten Kinderfilm geehrt. Der Deutsche Filmpreis besteht seit 1951 und gilt als die renommierteste Auszeichnung für den deutschen Film.

Kronenbergs eigener Filmgeschmack wurde geprägt durch Filmemacher und Autoren wie Wes Anderson, Todd Solondz und Loriot, deren Werke sich durch unverkennbare bildnerische Darstellungen, skurrile Geschichten und eine gute Portion gesellschaftskritischen Humor auszeichnen. „Ich hatte schon immer ein Faible für Komödien. Das kommt wahrscheinlich daher, dass meine Familie einen ausgeprägten Sinn für Humor besitzt“, erklärt Kronenberg. „Dabei fußt Humor oft auf Schmerz und Wahrheit und ist letztlich auch ein Weg, die Welt zu betrachten und wahrzunehmen. In meinen Geschichten nutze ich den Humor bewusst, um schwierige Themen zugänglicher zu machen. Dabei geht es also nie nur ums Lachen, sondern um die Tragik, die der Komödie zugrunde liegt.“ Wahrscheinlich ist „Mission Ulja Funk“ daher ein Film, der nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene anspricht. Kronenberg ist der Meinung, dass man Kinder nicht unterschätzen sollte. Die Grenzen vom Kinder- zum Erwachsenenfilm seien oft nicht strikt zu ziehen.

Der Weg von der Idee eines Films zu dessen Fertigstellung kann sich über mehrere Jahre hinziehen. Der eigentliche Dreh nimmt dabei in der Regel die geringste Zeit in Anspruch. Kronenberg arbeitet immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Anfang September startete auf Disney+ die Serie „Die drei !!!“, die Verfilmung der beliebten Detektivgeschichten für Kinder und Jugendliche, bei der Barbara Kronenberg ebenfalls Regie geführt hat.

Am 13. Dezember wird ihr preisgekrönter Film „Mission Ulja Funk“ im Rahmen eines „Screenings“ im Hansa Kino in Lemgo gezeigt. Einlass ist um 19 Uhr, die Vorstellung beginnt um 19.30 Uhr. Tickets können für 7 Euro ab dem 1. Dezember im Hansa Kino erworben werden.  Im Anschluss an die Vorstellung haben alle Filminteressierten die Gelegenheit, mit der Regisseurin ins Gespräch zu kommen.

Am 14. Dezember veranstaltet Kronenberg außerdem gemeinsam mit ihrer ehemaligen Mentorin Kathrin Lemme für alle Studierenden der Medienproduktion eine Case Study im Bereich Debütfilm. Erfahrungen aus erster Hand sollen den ambitionierten Studierenden dabei helfen, die ersten Hürden einer eigenen Filmproduktion zu meistern.

Die ehemalige Studentin fühlt sich der TH OWL weiterhin verbunden. Wer genau hinsieht, kann in einer der ersten Szenen ihres Debütfilms eine Anspielung auf ihren früheren Studienort, im Filmgenre „Easter Egg“ genannt, entdecken. Ihre Fans dürfen gespannt auf die folgenden Werke von Barbara Kronenberg bleiben.