Zum Inhalt springen

Erfolgreicher Workshop: TH OWL ist BNE-Modellzentrum

Wie lässt sich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) konkret in die Hochschullehre bringen? Darum ging es am 21. August 2026 im InnovationSPIN Lemgo.

Zum Einstieg gab Referentin Silke Bell vom BNE-Zentrum der Pädagogischen Hochschule Heidelberg einen Überblick, was BNE für Hochschulen bedeutet. Es geht zunächst um einen bildungspolitischen Auftrag, der in Bundes- und Landesstrategien sowie in der NRW-Hochschulvereinbarung hinterlegt ist: Lehrende wie Lernende sollen Wissen und Fähigkeiten erwerben, mit komplexen Herausforderungen umzugehen und nachhaltige Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Es geht also nicht nur um Nachhaltigkeits-Inhalte, sondern auch um dafür hilfreiche Didaktik und organisatorische wie bauliche Strukturen: BNE als ganzheitlicher Ansatz verbindet unter anderem Zukunftsorientierung, Reflexion, Werte, Inter- und Transdisziplinarität, Partizipation sowie Handlungsorientierung und nimmt die gesamte Hochschule als Lern- und Lebensort in den Blick. Damit passe BNE gut zum Nachhaltigkeits-Leitbild und zur aktuell in Entwicklung befindlichen Strategie, erläuterte Nachhaltigkeits-Manager Christian Einsiedel, der den Workshop organisiert hatte.

In Kleingruppen wurde dieser Anspruch dann auf die eigene Lehre übertragen: Die teilnehmenden Professor:innen und Mitglieder des Teams Lehre und Lernen (TeLL) arbeiteten lösungsorientiert an konkreten Ideen und betrachteten auch bestehende Angebote aus BNE-Perspektive. So wurde beispielsweise das TeLL-Wahlpflichtfach „Schlüsselkompetenzen“ reflektiert und es entstanden zwei Ideen für Projektlern-Seminare im Rahmen des TH OWL Transferjahrs im kommenden Wintersemester.

Kritische Reflexion

Diskutiert wurde auch, ob BNE als normatives Konzept den für die Hochschullehre wichtigen „Beutelsbacher Konsens“ verletzt. Er gibt vor, dass Lernende nicht zu einer bestimmten Meinung gedrängt werden dürfen, dass unterschiedliche Positionen dort, wo sie tatsächlich umstritten sind, als kontrovers dargestellt werden und dass sie sich ein eigenes Urteil bilden können. Auf den ersten Blick könnte BNE damit in Konflikt geraten, denn als normatives Konzept ist sie nicht wertneutral, sondern verbindet Bildung mit bestimmten Vorstellungen davon, wie nachhaltige Entwicklung aussehen kann. 

Bei genauem Lesen zeigt sich allerdings: Der Konsens fordert keine vollständige Neutralität, sondern verbietet nur die Überwältigung Lernender mit einer als Norm gesetzten Einzelmeinung. BNE, die unterschiedliche Perspektiven sichtbar macht, zum Perspektivwechsel einlädt, verschiedene Interessen und Sichtweisen einbezieht und kritisches eigenes Denken fördert, bringt wichtige Elemente des Konsenses bereits mit. Entscheidend ist also nicht, ob BNE normativ ist, sondern wie mit dieser Normativität in der Lehre umgegangen wird. 

Positives Feedback

Die Rückmeldungen nach vier Stunden intensiver Gruppenarbeit waren durchweg positiv: Der Workshop wurde als willkommene Gelegenheit wahrgenommen, sich dem Thema anzunähern und bestehendes Wissen zu vertiefen. Gelobt wurde, dass auch das Format selbst dem didaktischen Anspruch von BNE gerecht wurde. Professorin Dr. Yvonne-Christin Knepper-Bartel fasste als Vizepräsidentin für Bildung und Nachhaltigkeit zusammen: 

„BNE kann weniger als zusätzliche Aufgabe verstanden werden – sondern vielmehr als Perspektive, die Bestehendes sichtbar macht, verbindet und weiterentwickelt. Vielen Dank an alle Teilnehmenden für den offenen Austausch, an Silke Bell für die inspirierende Moderation und an Christian Einsiedel für die Initiative!” 

Referentin Silke Bell zeigte sich ihrerseits beeindruckt von den vielfältigen Ansatzpunkten für hochschulische BNE: 

„Bereits bestehende Strukturen wie das Fokusprofessuren-Projekt oder die vielfältigen Kooperationen mit Wirtschaftspartnern aus der Region bieten tolle Chancen für zukunftsgerichtete Hochschulbildung. Das starke Engagement im heutigen Workshop stimmt mich sehr zuversichtlich, dass BNE an der TH OWL kein frommer Wunsch bleibt, sondern in eine hochwertige Hochschullehre übersetzt werden wird.”

Hintergründe und Vernetzung

Mit dem Workshop und einem vorausgegangenen Vernetzungstreffen ist die TH OWL nun eines von acht BNE-Modellzentren in Deutschland im Projekt NaLeLe:LevelUP. Ebenfalls mit dabei sind die Fachhochschule Aachen, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Technische Hochschule Mittelhessen mit dem Zentrum für kooperatives Lehren und Lernen (ZekoLL), die Technische Universität Dresden mit der AG BNE und zusätzlich mit dem Zentrum für Interdisziplinäres Lernen und Lehren (ZiLL), sowie die Universität Konstanz mit der Binational School of Education. 

Auch nach Ende der Projektlaufzeit ist eine weitere Vernetzung der Modellzentren geplant. Unabhängig davon bietet die laufende BNE-Initiative der TH OWL weitere Gelegenheiten für alle Lehrenden, sich mit dem Konzept vertraut zu machen und es in ihre eigene Lehre einzubinden.

Weitere Informationen: