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Exkursion nach Effelsberg: Sternwartengruppe besucht eines der größten Radioteleskope der Welt

Die Sternwartengruppe der TH OWL hat kürzlich ihre erste gemeinsame Exkursion unternommen: Ziel war das 100-Meter-Radioteleskop in Effelsberg bei Bad Münstereifel, eines der größten voll beweglichen Radioteleskope der Erde. Ausblick auf offene Vorlesungsreihe

Eingeladen zur Exkursion in die Eifel waren alle, die aktiv in der Sternwarte mitwirken. „Die Reise bot beeindruckende Einblicke in die Welt der Radioastronomie – technisch, wissenschaftlich und atmosphärisch“, berichtet Professor Dr. Johannes Üpping rückblickend. 

„Schon auf dem Fußweg zum Ziel kündigte sich das gewaltige Teleskop langsam an. Mit jeder Kurve, die man sich dem Tal näherte, wuchs die Dimension des Instruments scheinbar ins Unermessliche – bis man schließlich direkt davorstand und von der gigantischen Schüssel mit einem Durchmesser von 100 Metern förmlich erschlagen wurde“, schildert der Fachmann seine Eindrücke. 

Nach der Begrüßung vor Ort begann das Programm mit einem spannenden Vortrag zur Radioastronomie. Thematisiert wurden unter anderem die Ursprünge von Radiostrahlung im All, die Funktionsweise des Effelsberger Teleskops sowie ausgewählte Beobachtungsprojekte.

Einige der präsentierten Fakten beeindruckten besonders: Das Teleskop ist so empfindlich, dass es ein handelsübliches Mobiltelefon auf dem Mond im Radiowellenbereich mühelos „sehen“ könnte – tatsächlich wäre ein solches Gerät sogar die drittstärkste Radioquelle am Himmel. 

Auch die Bilanz von fünf Jahrzehnten Datennutzung macht das deutlich: Die gesamte Energiemenge aller empfangenen Nutzsignale über 50 Jahre entspricht etwa dem kurzen Aufleuchten einer 1-Watt-LED für weniger als eine Sekunde. Das zeigt eindrucksvoll, wie gering die tatsächlich empfangene Strahlungsenergie ist – und wie extrem empfindlich die Technik sein muss, um sie überhaupt zu erfassen.

„Darüber hinaus lernten wir, wie anspruchsvoll die Filterung echter kosmischer Radiosignale aus der stetig wachsenden Menge menschengemachter Störquellen ist – und wie trotzdem Phänomene wie Fast Radio Bursts (FRBs), extrem kurze, intensive Radioblitze aus dem Weltall, untersucht werden können“, so Üpping. 

Effelsberg ist zudem Teil internationaler Forschungsnetzwerke: Mithilfe präziser Zeitstempel lassen sich mehrere Radioteleskope weltweit zusammenschalten, um sie wie ein einziges virtuelles Riesenteleskop zu nutzen – unter anderem im Rahmen des Event Horizon Telescope-Projekts, das unter anderem das erste Bild eines Schwarzen Lochs ermöglicht hat.

Ein besonderes Extra war die spontane Einladung zu einem weiteren Teleskop, dem sogenannten Astropiler, einem 25-Meter-Radioteleskop, das mittlerweile von einem ehrenamtlichen Verein betrieben wird. „Auch hier bekamen wir eine exklusive Führung – inklusive Einblick in den Kontrollraum und in die laufenden Aktivitäten.“ Der Astropiler wird noch heute für wissenschaftliche Praktika, Abschlussarbeiten und sogar für echte Forschungsbeobachtungen genutzt. 

Die Exkursion war für die Gruppe nicht nur ein faszinierender Blick hinter die Kulissen der Radioastronomie, sondern auch ein Anstoß, das Thema weiterzuverfolgen. Daher lädt das Team der Sternwarte rund um Professor Üpping erneut zu einer offenen Vorlesungsreihe zur Astronomie und Astrophysik im Wintersemester 2025/2026 ein: 

Unter dem Titel „Grenzen des Wissens: Von Gasriesen bis zur Dunklen Materie“ führt die sechsteilige Reihe in einige der spannendsten und aktuellsten Forschungsfelder der modernen Astronomie. Jede einzelne Vorlesung widmet sich einem zentralen Thema – von den faszinierenden Welten der Gasplaneten unseres Sonnensystems bis hin zu den großen kosmologischen Fragen nach der Natur der Dunklen Materie und der Entwicklung des Universums. 

Ein besonderer Höhepunkt ist der Beitrag von Gastdozent Professor Binder, der das Thema „Entstehung des Lebens“ behandelt. 

Diese Vorlesungsreihe ist für alle offen, die sich für die Naturwissenschaften und die Erforschung des Universums interessieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, ein gutes Vorstellungsvermögen erleichtert jedoch das Verständnis. Jede Vorlesung steht für sich allein, sodass auch ein späterer Einstieg problemlos möglich ist. 

Erste Vorlesung am 21. Oktober: Gasplaneten in unserem Sonnensystem

In der Auftaktveranstaltung widmen wir uns den gewaltigen Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Sie erfahren, wie diese Planeten aufgebaut sind, welche Rolle ihre Atmosphären und Magnetfelder spielen und warum ihre Monde für die Suche nach Leben so spannend sind. Auch aktuelle Missionen und Beobachtungen werden vorgestellt.

Zweite Vorlesung am 4. November: Leben im Universum 

Diese Vorlesung widmet sich der Frage, was Leben ausmacht und wie es auf der Erde entstanden sein könnte. Von der Einteilung und Definition des Lebens über Hypothesen zur Entstehung der Protozelle bis hin zu möglichen Ursprungsorten wie Ursuppe oder hydrothermale Quellen werden zentrale Konzepte vorgestellt. Zum Abschluss richtet sich der Blick auf Spekulationen über außerirdisches Leben.

Dritte Vorlesung am 18. November: Schwarze Löcher und Gravitationswellen

Schwarze Löcher gehören zu den geheimnisvollsten Objekten des Universums. In dieser Vorlesung lernen Sie, wie heute die Gravation und Relativität verstanden werden, was Schwarze Löcher sind und welche Rolle Gravitationswellen dabei spielen. Außerdem wird erklärt, wie diese „kosmischen Botschafter“ unser Bild vom Universum revolutioniert haben.

Vierte Vorlesung am 2. Dezember: Kosmologie

Diese Vorlesung nimmt Sie mit auf eine Reise durch Raum und Zeit. Sie lernen die Grundzüge der modernen Kosmologie kennen: vom Urknall über die Expansion des Universums bis hin zu offenen Fragen nach seiner Zukunft. Dabei werden auch aktuelle Beobachtungen, etwa des James-Webb-Teleskops, diskutiert.

Fünfte Vorlesung am 16. Dezember: Dunkle Materie

Obwohl sie unsichtbar ist, macht die Dunkle Materie einen Großteil der Masse des Universums aus. Sie erfahren, wie man versucht ihre Existenz nachzuweisen, welche Theorien zu ihrer Natur existieren und wie Experimente weltweit versuchen, diesem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Sechste Vorlesung am 13. Januar: Radioastronomie

In dieser Veranstaltung geht es um ein besonderes „Auge ins All“: die Radioastronomie. Sie erfahren, wie Radioteleskope funktionieren, welche Himmelsphänomene im Radiobereich sichtbar werden und welche Bedeutung Radiowellen für die Erforschung von Galaxien, Pulsaren und kosmischem Hintergrundrauschen haben. 

Die Astronomievorlesungen finde immer dienstags von 17 bis 18.3 0 Uhr im Audimax der TH-OWL in Lemgo, Hauptgebäude, Raum 1.204, statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.