Eindrucksvoll, anschaulich und mit einem nachvollziehbaren Einblick in technische Details schilderten Thomas Wunderlich, Kapitän des Forschungsschiffs Polarstern, und Henning Westphal, Leitender Technischer Ingenieur, ihre Erfahrungen zur weltweit einmaligen MOSAiC-Expedition des deutschen Versorgungs- und Forschungseisbrechers Polarstern.
Rund zehn Jahre Planung und Vorbereitung gingen dem einjährigen Driften des Schiffes im arktischen Eis voraus. Einen gesamten Klimazyklus vom Einfrieren bis zum Auftauen zu verfolgen, war die Intention des internationalen Forschungsteams, das 2019 an Bord der Polarstern ging.
Was es für eine so lange Expedition im teilweise völlig unbekannten Polargebiet zu berücksichtigen gibt, erläuterten Wunderlich und Westphal anhand von Erfahrungsberichten, die das Publikum der Montagsreihe im „anno 1578“ in der Lemgoer Mittelstraße fesselten.
Neben den technischen Anforderungen an einen Eisbrecher mit 20.000 PS Leistung und mehr als elf Metern Tiefgang gelten auch soziale Aspekte als Herausforderungen für arktische Expeditionen: Die mindestens 40-köpfige Besatzung operiert sowohl bei 24 Stunden Dunkelheit als auch bei ununterbrochener Helligkeit. Zudem darf bei sogenanntem Eispress keine Panik ausbrechen: „Da muss man einfach warten, das ist menschenfeindliches Gebiet“, beschreibt Wunderlich die Lage, wenn das Schiff vom Eis eingenommen wird.
Trotz der vielfältigen Gefahren und unkalkulierbaren Herausforderungen eint die Schiffsbesatzung und das Forschungsteam ein Wunsch: „Man will mit dem Schiff ins Eis rein“, betont der Kapitän der Polarstern.
Das Einspielen von Videos kleiner Pinguine, die die Schneise des Eisbrechers zum Eintauchen ins Eiswasser nutzen, oder von einem Eisbären, der die Technik des Forschungsteams neugierig erkundet, lässt diesen Wunsch sehr gut nachempfinden. Nicht wegzudenken ist auch der wissenschaftliche Wert, den die Expedition für die Umweltforschung hat – die gesammelten Daten und Erkenntnisse bilden eine international bedeutende Grundlage für die Wissenschaft.
Ausblick: Die Montagsreihe im „anno 1578“ ist eine monatliche Veranstaltung, in deren Rahmen wissenschaftliche Themen verständlich und anwendungsorientiert erläutert werden. Nächstes Mal, am 23. März, geht es ab 18 Uhr um „Klimarisiken und Bauchgefühle“. Anmeldungen sind in Kürze unter www.anno-lemgo.de möglich.
Initiiert durch das Institut für Wissenschaftsdialog der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, gefördert durch das Transferprojekt TRiNNOVATION OWL und unterstützt von Fraunhofer IOSB-INA sowie der Alten Hansestadt Lemgo, ist das „anno 1578“ zu einem Begegnungsort zur Förderung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entwickelt worden.
