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Geflüchtete für Maschinenbau und Bauingenieurwesen in der Region qualifizieren

Der Parlamentarische Staatssekretär Klaus Kaiser informiert sich über das vom DAAD geförderte Kooperationsprojekt „QualifyING“ der Fachhochschule Bielefeld und der Technischen Hochschule OWL.

In Deutschland fehlen in vielen Branchen Fachkräfte. Dem gegenüber stehen gut ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker mit Fluchthintergrund, die in Deutschland oft bei Null anfangen müssen, weil potenzielle Arbeitgeber nicht genau wissen, wie sie den Studienabschluss aus dem Ausland bewerten sollen. Um diese Lücke zu schließen und die Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt akademisch nachzuqualifizieren, haben die Fachhochschule (FH) Bielefeld und die Technische Hochschule (TH) OWL das einjährige Programm „QualifyING“ entwickelt, das auf Ingenieurinnen und Ingenieure im Bauingenieurwesen und im Maschinenbau zugeschnitten ist.

Am Freitag, 19. November, hat sich der Parlamentarische Staatssekretär Klaus Kaiser über die Entwicklungen in dem Leuchtturmprojekt informiert. Vier Teilnehmer aus der Türkei, Syrien und dem Iran berichteten von ihren Erfahrungen mit QualifyING. Die Präsidentin der FH Bielefeld, Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, und die Vizepräsidentin für Bildung und Internationalisierung der TH OWL, Professorin Dr. Yvonne-Christin Knepper-Bartel, warben für eine Verstetigung des Programms.

Schramm-Wölk blickte auf die Anfänge zurück: „Die Idee zu dem Projekt entstand durch einen Besuch bei einem Unternehmen hier in der Region. Dort wurde uns berichtet, dass dringend Ingenieurinnen und Ingenieure gesucht werden und dass auch Bewerbungen von Akademikerinnen und Akademikern mit Fluchthintergrund vorliegen. Diesen fehlten jedoch meist Kenntnisse des hiesigen Ingenieurwesens. Man denke allein an DIN-Normen und rechtliche Grundlagen. Wir erkundigten uns bei anderen Unternehmen und erfuhren ähnliches.“

Zusammen mit der TH OWL wurde sodann „QualifyING“ ins Leben gerufen, finanziert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Im März 2021 ist das Programm gestartet, das in drei Phasen gegliedert ist: In der ersten Phase von März bis Juni haben die Teilnehmenden Workshops zur Fachsprache und Berufsvorbereitung besucht und in der Vorlesungszeit ausgewählte Kurse ihres Studienfachs belegt, die für die deutsche Ingenieursbildung zentral sind. Dabei geht es zum Beispiel um das deutsche Baurecht oder DIN-Normen. Von Juli bis September schloss sich eine begleitete Praxisphase in den kooperierenden Unternehmen an. In den letzten vier Monaten des Programms vertiefen die Teilnehmenden zurzeit ihr fachliches Wissen in Seminaren und Vorlesungen und besuchen parallel das Unternehmen. Am Schluss des einjährigen Programms steht eine Abschlussarbeit.

Den Besuch des Staatssekretärs schloss Professorin Dr. Yvonne-Christin Knepper-Bartel mit dem Dank an alle Beteiligten und der Würdigung des Einsatzes der Teilnehmenden ab. „Deutschland wird auch weiterhin eine Migrationsgesellschaft sein und Projekte wie QualifyING zeigen, dass Hochschulen eine wichtige Rolle bei der Integration spielen und ein Migrationsmotor sein können. Mit verstärkter Digitalisierung, dem Einbezug weiterer Fachrichtungen oder weiterer Hochschulen und der Verstetigung als Zertifikatsprogramm kann das Programm nachhaltige Wirkung entfalten“, so Knepper-Bartel.

28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen an QualifyING teil, davon acht im Bereich Maschinenbau an der FH Bielefeld und 20 im Bauingenieurwesen an der TH OWL. Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten sie ein Zertifikat.

Die FH Bielefeld und die TH OWL übernehmen die Koordination, die Wissensvermittlung und die enge Begleitung der Teilnehmenden des Weiterbildungsprogramms. Eine wichtige Komponente ist auch die praktische Vorbereitung auf den deutschen Arbeitsmarkt. Insgesamt haben acht Unternehmen den Graduierten mit Fluchthintergrund in einem dreimonatigen Praktikum die praktischen Anforderungen im Beruf vermittelt.

Weitere Informationen:

Seit 2017 unterstützt das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW) in Zusammenarbeit mit dem DAAD die Integration studierfähiger Geflüchteter an den Hochschulen des Landes durch das Programm NRWege ins Studium. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die dabei gewonnen wurden, werden im Rahmen des Programms „NRWege Leuchttürme“ genutzt, um die Internationalisierung der Hochschulen durch innovative Projekte nachhaltig voranzubringen. Als Leuchttürme, die durch ihre Konzepte herausragen und wegweisend für andere Hochschulen werden können, werden seit 2020 zwölf Projekte an elf Hochschulen über insgesamt drei Jahre begleitet und mit bis zu 250.000 Euro pro Jahr gefördert. QualifyING ist eines dieser zwölf Leuchtturm-Projekte.