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Hans-Jürgen Sinell-Medaille an Professor Dr. Achim Stiebing

An ihm kam und kommt keiner in der deutschen Fleisch- und Ernährungsindustrie vorbei, denn er gehört zu den prägenden Persönlichkeiten: Professor Dr. Achim Stiebing. In seiner Vita stehen sage und schreibe 24 Jahre Forschung und Lehre im Fachbereich Life Science Technologies der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL). Im Jahr 2015 ging er mit 65 Jahren in den Ruhestand. Ein Leben voll mit vielen Projekten und Engagement für Studierende wurde im Oktober 2021 in Osnabrück durch die Verleihung der Sinell-Medaille durch Univ.-Professor Dr. Dr. habil. Manfred Gareis, Vorsitzender des Kuratoriums der Heinrich-Stockmeyer-Stiftung, gewürdigt.

Professor Dr. Achim Stiebing, Jahrgang 1949, absolvierte zunächst eine Fleischerlehre im elterlichen Betrieb in Philippsthal/Werra, gefolgt vom Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie an der Technischen Fachhochschule (heute Berliner Hochschule für Technik) und TU in Berlin. 1985 promovierte er dort über die technologischen Eigenschaften von Blutplasma. Nach einem Jahr am Konserveninstitut in Neumünster führte ihn sein Weg nach Kulmbach an die Bundesanstalt für Fleischforschung (jetzt: Max Rubner-Institut), wo er 14 Jahre lang als Wissenschaftler am damaligen Institut für Technologie forschte.

1991 startete dann seine Professorenkarriere an der heutigen Technischen Hochschule OWL in Lemgo. Dort vertrat er das Fachgebiet Fleischtechnologie bis zu seiner Pensionierung. Seine Arbeitsschwerpunkte lagen in den Bereichen Technologie und Sensorik von Fleisch, Fleischerzeugnissen, Fertiggerichten und Convenience-Produkten. Für Professor Stiebing, der an seinem Beruf besonders die Abwechslung geschätzt hat, standen immer die anwendungs- und praxisbezogene Forschung und die Lehre im Vordergrund.

Von 2002 bis 2008 war er zudem Dekan des Fachbereichs Life Science Technologies; von 2012 bis 2014 leitete er das hochschuleigene Institut für Lebensmitteltechnologie. „Für den Freiraum bei der Gestaltung meiner Arbeit an der Hochschule bin ich sehr dankbar“, sagt der zu Ehrende.

Professor Gareis hob in seiner Laudatio weitere Tätigkeiten von ihm hervor: Vier Jahrzehnte Facharbeit bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG e. V.) unter anderem als Vorsitzender des DLG-Testzentrums Lebensmittel, wissenschaftlicher Leiter der DLG-Qualitätsprüfung Rohwurst und Rohschinken und als Vizepräsident (2017). Zwischen 2006 und 2017 wurde er mehrmals vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in das Kuratorium der Stiftung Warentest berufen. Zudem war er Mitglied im Vorstand des Lemgoer Arbeitskreises Fleisch+ Feinkost e. V., im wissenschaftlichen Beirat der Fachzeitschrift Fleischwirtschaft und im Fachausschuss Fleisch und Fleischerzeugnisse der Deutschen Lebensmittelbuchkommission.

An die Hochschuljahre denkt Professor Stiebing sehr gern zurück: „Mir war es immer wichtig, mich mit interessanten Fragen und Standpunkten der Studierenden auseinanderzusetzen und den Nachwuchs zu fördern. Ich bin daher schon stolz, zwei Förderpreise für Studierende der Fleischtechnologie etabliert zu haben.“ Von der Wichtigkeit seines Fachgebietes ist der Wissenschaftler überzeugt: „Auf der einen Seite ist Fleisch ein hochwertiges Lebensmittel, auf der anderen Seite steht es immer wieder in der Kritik. Es ist wichtig, die Gesellschaft wissenschaftsbasiert und differenziert über das Thema zu informieren.“

Mit der Hans-Jürgen Sinell-Medaille ehrt die Heinrich-Stockmeyer-Stiftung Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise Verdienste auf den Gebieten Verbraucherschutz, Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität erworben haben. „Mit der Verleihung der Sinell-Medaille an Professor Achim Stiebing zeichnen wir nicht nur einen exzellenten Fleischtechnologen aus,“ so der Laudator Professor Gareis, „wir ehren damit auch seine besondere wissenschaftliche Leistung und das große Engagement für die Nachwuchsarbeit, was durch mehr als 200 betreute Diplom-, Master- und Bachelorarbeiten mit fleischtechnologischem Bezug dokumentiert ist.“

Quelle: Heinrich-Stockmeyer-Stiftung