Begutachtung, Austausch und Einblicke in die Zukunft der Brückenprüfung
Der Termin verfolgte zwei wesentliche Anliegen: Zum einen diente der Termin der Information und dem fachlichen Austausch. An mehreren Stationen präsentierten die Projektpartner ihre jeweiligen Beiträge und standen für Fragen zur Verfügung. So konnten sich die Teilnehmenden ein umfassendes Bild vom Projektfortschritt machen und erhielten Einblicke in die Sensortechnik sowie in mögliche spätere Visualisierungen.
Zum anderen ging es um die Begutachtung der Versuchsbrücke. Dabei wurden vor Ort zentrale Rahmenbedingungen überprüft und mit den bisherigen Annahmen abgeglichen.
Untersucht wurden unter anderem:
• die Oberflächenbeschaffenheit des Bauwerks,
• die Zugänglichkeit der Lager,
• die Sichtverhältnisse für Messverfahren wie Laserscanning,
• die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für geplante Experimente am realen Objekt.
Dieser „Realitätscheck“ ist entscheidend, um die geplanten Messmethoden optimal auf die tatsächlichen Bedingungen anzupassen.
Innovative Messtechnik für neue Einblicke
Im Projekt" ImmersiveBridgeAnalytics„ (ImBrAs) werden an diesem Bauwerk neue Methoden getestet und die theoretischen Annahmen auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft. Bei den laufenden Tests dient ein Modell im Labor der Hochschule Bochum als Orientierung. Diskutiert wird insbesondere, wie Sensortechnik sinnvoll eingesetzt werden kann und die so generierten Daten über Videobrillen dem Bauwerksprüfingenieur bei seiner Arbeit zu Gute kommen können.
Die gewonnenen Daten erlauben Rückschlüsse auf das Verhalten im Inneren des Bauwerks. So kann beispielsweise bewertet werden, ob Risse statisch relevant sind oder lediglich oberflächliche Schäden darstellen.
Von der klassischen Prüfung zur digitalen Analyse
Bisherige Brückenprüfungen sollen durch den Einsatz digitaler Technologien ergänzt werden, um so den Zustand der Brücken zuverlässiger beurteilen zu können.
Der fachliche Leiter des Projektes ist Professor Dr.-Ing. Martin Mertens von der Hochschule Bochum. Er äußerte sich bei dem Treffen an der Versuchsbrücke in Gladbeck: „Mit den Möglichkeiten, die die Digitalisierung heute bietet, werden wir in der Lage sein, die Qualität der Zustandsprüfung von Brücken erheblich zu steigern. Dies wird dazu führen, dass Lebenszyklusprognosen von Bauwerken deutlich zuverlässiger erstellt werden können. In Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit von Unterhaltungsmaßnahmen von Bauwerken wird dies in Zukunft einen Quantensprung darstellen.“
Visualisierung für eine neue Art Nutzerfreundlichkeit
Ein zentrales Ziel des Projekts ist die anschauliche Visualisierung der erhobenen Sensordaten. Mithilfe von VR- und/oder AR-Brillen können die Zustände der Brücke künftig immersiv erlebt werden. Fachleute erhalten dadurch die Möglichkeit, Schäden und Belastungen direkt am virtuellen Modell nachzuvollziehen – ein bedeutender Schritt hin zu einer neuen Dimension der Bauwerksprüfung.
„Wir unterstützen gerne die Entwicklung von digitalen Prozessen. Das dient nicht nur der besseren und schnelleren Instandhaltung unserer Bauwerke, sondern auch der Nachwuchsgewinnung in unserem Berufsfeld.“ freut sich Dr. Volker Kreuzer, 1. Beigeordneter und Baudezernent der Stadt Gladbeck über das innovative Projekt in seiner Stadt.
Beitrag der TH OWL
Der Fachbereich Bauen und Umwelt der TH OWL spielt unter der Leitung von Herrn Professor Dr. Nikolai Gerzen und Herrn Professor Dr. Dirk Hollmann eine zentrale Rolle bei der Erfassung und Verarbeitung der Sensordaten im Projekt. So wurde bereits ein kleiner Demonstrator der Brücke gebaut, um erste Tests durchführen zu können. Bevor die Demonstrator-Brücke in Gladbeck vollständig ausgestattet wird, werden wichtige Eigenschaften und Messverfahren getestet.
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten und tragen dazu bei, digitale Prüfmethoden nachhaltig im Bauwesen zu etablieren.
Hintergrund zum Projekt „ImBrAs“
Im Projekt „ImBrAs“ arbeitet ein Forschungskonsortium aus sechs Partnern zusammen. Wissenschaftler und Praktiker forschen bei dem mit rund 2,5 Mio Euro vom „Bundesministerium für Verkehr“ geförderten Projektes zu neuen und digital gestützten Methoden der Bauwerksprüfung im Brückenbau. Das Projekt läuft im Rahmen der Förderinitiative mFUND.
Die Stadt Gladbeck stellt mit der Brücke ein reales Testbauwerk zur Verfügung, an dem die entwickelten Technologien unter Praxisbedingungen erprobt werden. Die Brücke wird für
etwa 24 Monate als Versuchs- und Demonstrationsobjekt genutzt – ohne Einschränkungen für den Verkehr.
Das Forschungskonsortium
Am Projekt beteiligt sind:
• Hochschule Bochum (Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Martin Mertens)
• Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe – Fachbereich Bauen und Umwelt
• Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
• Fraunhofer FIT
• Schüßler-Plan Digital
• HHVision
Gemeinsam verfolgen die Partner das Ziel, die Zustandsbewertung von Brücken nachhaltig zu verbessern und die Potenziale der Digitalisierung im Bauwesen weiter auszuschöpfen.






