Seit 1996 prägt der Professor die Lehre und Forschung an der TH OWL. Besonders im Masterstudiengang Life Science Technologies, den er selbst mitkonzipiert und viele Jahre geleitet hat, hat er zahlreiche Studierende inspiriert. Insgesamt sieben verschiedene Fächer, darunter „Grundlagen der Verfahrenstechnik“ und „Prozessplanung“, unterrichtete er in seiner Zeit an der Hochschule.
„Ich habe versucht, einen guten Job zu machen“, sagt Professor Müller bescheiden über seine Karriere. Doch es gibt viele Höhepunkte: 2014 gewann eine seiner Masterstudierendengruppen den Innovationspreis des europäischen Ecotrophelia-Wettbewerbs in Paris – ein Moment, der ihm bis heute in Erinnerung geblieben ist. Auch die kooperativen Promotionen und viele herausragende Abschlussarbeiten gehörten für ihn zu den schönsten Momenten an der TH OWL.
Ulrich Müller entwickelte außerdem im Bereich Forschung und Entwicklung das schnelle und produktschonende Lemgoer Sattdampf-Entkeimungsverfahren für pflanzliche Materialien wie Kräuter, Gewürze und Arzneidrogen und überführte es erfolgreich in den industriellen Maßstab. Dafür erhielt er 2003 den ersten Forschungspreis der damaligen FH Lippe und Höxter.
Gemeinsam mit Patrick Wilhelm und Knut Schwarzer initiierte er die Lemgoer Internet-Datenbank „LDzbase“, die seit 2010 online ist. Sie sammelt Daten über die hitzebedingte Abtötung von Keimen in unterschiedlichen Medien und wird weltweit genutzt. Als Seniorprofessor setzt sich Müller dafür ein, die Datenbank weiter auszubauen.
Weitere Forschungsprojekte seines Labors beschäftigten sich unter anderem mit der schnellen dynamischen Gefriertrocknung, der Gegenstrominjektion zur schnellen Homogenisierung – etwa für die Herstellung stabiler Cremes – sowie aktuell mit der energieeffizienten Wasserdampfdestillation ätherischer Öle wie Oreganoöl, die auch eine höhere antibakterielle Wirkung erzielen könnte.
Unterstützt wurde er bei seinen Arbeiten stets von Studierenden, Hilfskräften und wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die oft durch eingeworbene Drittmittel finanziert wurden.
Neben seiner Tätigkeit an der Hochschule war er über Jahrzehnte in zahlreichen Fachgremien aktiv, unter anderem als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen und als Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten.
In den Ruhestand zieht es ihn keineswegs in die völlige Ruhe: Er will mehrere Buchprojekte weiterverfolgen und denkt an ein Vorhaben in Tansania, möchte seine Sprachkenntnisse in Italienisch und Polnisch ausbauen und sich wieder stärker ehrenamtlich engagieren – früher war er unter anderem 15 Jahre Handballschiedsrichter.
Auch die Familie steht bei ihm hoch im Kurs: Als Großvater, Sportfan seiner Söhne und Modelleisenbahner mit einem seiner Kinder sieht er neuen Projekten entgegen. „Ich freue mich auf selbstbestimmtes Wirken“, betont Professor Müller mit Blick auf die kommende Zeit.
Die TH OWL bedankt sich herzlich für sein großes Engagement und wünscht ihm alles Gute für den neuen Lebensabschnitt!
