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Museumsrunde 2024: Wie lernen, arbeiten, leben wir in Zukunft?

Bereits zum 37. Mal trafen sich am 3. Juni 2024 Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftsförderung zur „Museumsrunde“ im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Rund 220 Fach- und Führungskräfte aus lippischen Unternehmen, Professor:innen der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) sowie Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung erlebten eine kurzweilige Talkrunde und zwei spannende Impulsvorträge. Im Anschluss konnten zwei Neuberufene ihre Angebote an die Wirtschaft vorstellen. Zum dritten Mal wurde auf der Museumsrunde der Transferpreis der TH OWL vergeben. Er ging in diesem Jahr an Professor Dr. Holger Borcherding für seine Arbeiten rund um das Thema Gleichstrom in der Industrie. Eingeladen hatten die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe), der Kreis Lippe und die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL).

Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz (KI) unser künftiges Leben, Arbeiten und Lernen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der von Julia Wunderlich (Transfer und Forschungskommunikation an der TH OWL) moderierten Talkrunde. Sie diskutierte mit Professor Dr. Jürgen Krahl (Präsident der TH OWL), Landrat Dr. Axel Lehmann und Volker Steinbach (Präsident der IHK Lippe) über aktuelle und künftige Einsatzfelder und Forschungsaktivitäten sowie über notwendige politische und unternehmerische Maßnahmen, aber auch über die Risiken von KI.

„Künstliche Intelligenz ist bereits jetzt in unserem Alltag allgegenwärtig“, so Hochschulpräsident Professor Dr. Jürgen Krahl. „Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sind jetzt gefragt, ihr Know-how zusammenzubringen, damit KI-Systeme in Wirtschaft und Gesellschaft künftig über einen langen Produktlebenszyklus nachhaltig, transparent, sicher und ressourcensparend arbeiten können.“

„Die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung wird mit der künstlichen Intelligenz auf ein neues Level gehoben“, meint Landrat Dr. Axel Lehmann. „Durch die Verknüpfung von Daten und das Erstellen von Zusammenhängen können große Datenmengen ausgewertet werden, um anschließend die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Automatisierung von Arbeitsabläufen kann zu einer Entlastung der Mitarbeitenden führen, die dann zum Beispiel für die Beratung der Bürger:innen genutzt wird. Dabei ist es wichtig, dass Strukturen aufgebaut werden, die vertrauenswürdig sind und den gesetzlichen Rahmenbedingen entsprechen.“

IHK-Präsident Steinbach ist überzeugt: „KI wird einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der lippischen Unternehmen haben.“ Deshalb forderte er die Unternehmen zum Handeln auf: „Beschäftigen Sie sich mit den Potenzialen Künstlicher Intelligenz für Ihr Unternehmen. Entwickeln Sie eine KI-Strategie und interne Regeln. Nehmen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und lassen Sie sie KI-Technologien erproben. Warten Sie nicht ab, fangen Sie an!“

Professor Dr. Krahl, Dr. Lehmann und Steinbach waren sich einig, dass KI in den falschen Händen aber auch Risiken bergen kann: „KI erleichtert die Entwicklung und massenhafte Verbreitung von gefakten Text-, Bild- und Ton-Dokumenten massiv.“ Wirtschaft, Bildungseinrichtungen, staatliche Organe, Politik und Verwaltungen müssten gezielten Desinformationskampagnen aktiv entgegentreten, um unser demokratisches und freiheitliches System zu schützen. In der Bildung sei es wichtig, die Menschen noch intensiver in Medienkompetenz zu schulen.

Im Anschluss berichtete Professor Dr. Henning Trsek, Fachgebiet Vernetzte Automatisierungssysteme, welche Bedrohungen durch Cyberkriminalität entstehen und welchen Einfluss KI darauf hat. Professorin Dr. Helene Dörksen, Fachgebiet Mathematik und Authentifikation stellte vor, wie anhand intelligenter Algorithmen das Geschlecht künftiger Küken bereits weit vor dem Schlüpfen bestimmt werden kann.

Anschließend stellten mit Professorin Dr. Susanne Struck, Fachgebiet Proteinbasierte Lebensmittel, und Professor Dr. Alexander Kutter, Fachgebiet Virtual Reality, zwei Neuberufene der TH OWL ihre Forschungsschwerpunkte vor.

Zum Abschluss wurde zum dritten Mal der Transferpreis der TH OWL vergeben. Professor Dr. Holger Borcherding vom Institut für Energieforschung (iFE) wurde für sein sichtbares und erfolgreiches Engagement für das Thema Gleichstrom in der Industrie ausgezeichnet.  Borcherding ist gleichzeitig Professor der TH OWL und fachlicher Leiter für Innovation bei Lenze SE. Er ist Initiator der Projektschiene DC-Industrie und war 2022 beteiligt an der Gründung der Open Direct Current Alliance, die den kommerziellen Erfolg von Niederspannungs-DC-Netzen mit mehr als 60 Unternehmen und Instituten aus zehn Ländern erreichen will.