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Neuer Transferpreis bereichert die Museumsrunde

Ein deutliches Bekenntnis zur Zukunft der Region, der Wirtschaft und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat am vergangenen Montag die 35. Auflage der Museumsrund im LWL-Freilichtmuseum Detmold geprägt. Das Motto des Abends – „under construction“ – gab diese Richtung bereits vor. Neben mehreren Vorträgen zu aktuellen Forschungsansätzen innerhalb der TH OWL gab es auch eine Neuerung. Erstmals wurde der Transferpreis der TH OWL vergeben. Er ging an Professor Dr. Guido Falkemeier für seine Verdienste rund um den Kreativcampus und den Aufbau des KreativInstitut.OWL in Lemgo. Moderiert wurde der Abend von Julia Wunderlich aus dem Forschungs- und Transferzentrums der TH OWL.

IHK-Präsident Volker Steinbach erinnerte während der Eröffnungsdiskussion mit Landrat Dr. Axel Lehmann und THOWL-Präsident Professor Dr. Jürgen Krahl an die Folgen des Ukrainekrieges. „Der Krieg geht uns alle an. Von unseren 23.000 Mitgliedern haben viele Ukrainer und Russen beschäftigt“, sagte Steinbach. Bezogen auf die mit dem Krieg zusammenhängenden Probleme wie Lieferengpässe oder steigende Rohstoffpreise machte er deutlich, dass es nicht nur um gute Ideen gehe. „Die TH OWL hängt mit ihrem Input für die Wirtschaft die Latte verdammt hoch. Arbeitsplätze werden digitaler und der gesamte Produktionsprozess wird schneller. So notwendig das ist, uns fehlen auf der anderen Seite durch den Fachkräftemangel Menschen, die das auch umsetzen können“, so der IHK-Präsident.

Landrat Dr. Axel Lehmann griff den Krieg in der Ukraine ebenfalls auf. Neben der Organisation eines Hilfstransportes in die ukrainische Partnerstadt Lutzk habe der Kreis 4500 Flüchtlinge aufgenommen. Dies sei auch im Verhältnis zu anderen Kreisen eine große Zahl. Jetzt, nachdem alle ein Dach über dem Kopf hätten gehe es um die Organisation von Schule und Arbeit. An dieser Stelle appellierte Lehmann an die lippischen Unternehmen, weitere Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. „Wir prüfen gerade, in wie fern die Ausbildungsqualifikationen mit den unseren vergleichbar sind“, so Lehmann.

Der Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Professor Dr. Jürgen Krahl, erinnerte daran, dass die TH OWL sofort nach Beginn des Konfliktes ein Osteuropa-Serviceteam gegründet habe. „Wir bieten zudem ukrainischen Geflüchteten, bei uns das Studium fortzusetzen. Auch haben hiesige Unternehmen zusätzliche duale Studienplätze angeboten“, so Krahl.

Während der Diskussionsrunde ging es vor allem um das Zusammenspiel von Hochschule, Wirtschaft und Kreis. „Die TH OWL ist schon in vielen Bereichen Partnerin der Wirtschaft. Hier ist es wichtig, immer wieder neue Erkenntnisse aus der Forschung miteinander zu diskutieren. Schließlich müssen die Unternehmen am Ende auch mit Nachhaltigkeit Geld verdienen können“, so Krahl.

Für alle drei Partner spielt die gemeinsame Bildungskette für die Zukunft eine entscheidende Rolle. Landrat Dr. Axel Lehmann erinnerte an einen gemeinsamen Workshop mit der TH OWL, in dem darüber nachgedacht worden sei, was man in Sachen Bildung noch stärker miteinander verzahnen könne. So nannte er als Beispiel die Astrid-Lindgren-Schule, die künftig auch einen Standort am InnovationCampus in Lemgo habe. „Die Räume können so auch von der Hochschule mitgenutzt werden. Das ist echte Inklusion und Zusammenarbeit“, sagte Lehmann. TH OWL-Präsident Krahl nahm diesen Ball auf und erklärte, dass an der Hochschule so Bildung durchlässig gemacht werde. Durch das Zusammenspiel von Unternehmen; Kommunen, Kreis und Hochschule entstehe auch für die Lehrenden eine neue Situation. „Sie lehren und lernen“, so Krahl.

IHK-Präsident Steinbach erinnerte noch einmal an die Notwendigkeit, mehr Menschen für die im Rahmen der Digitalisierung notwendigen neuen Arbeitsplätze zu begeistern. In diesem Zusammenhang rief er alle Anwesenden dazu auf, Mitglied der Hochschulgesellschaft zu werde. „Hier entsteht neben konkreter Hilfe und Unterstützung auch Nähe zu den Studierenden, die für die Unternehmen wichtig sein kann“, so Steinbach.

Während der folgenden Beiträge gaben mehrere Professorinnen und Professoren der TH OWL Einblicke in ihre Arbeit. So stellten Professorin Dr. Uta Pottgiesser und Professor Dipl.-Ing. Ulrich Nether das neue Institut für Designstrategien (IDS) vor. „Wie wollen wir in einigen Jahren leben“ sei die zentrale Frage dieses Institutes führte die Moderatorin des Abends Julia Wunderlich die beiden ein. Die Überschrift ihres Vortrages: „Design matters“ – Strategien für unser Habitat. An diesen Fragen des Designs der Zukunft, so die beiden Mitglieder der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, arbeitet das IDS in den drei Schwerpunkten „Data Driven Design“, „Regeneratives Design“ und „Human Centered Design“.

Am Beispiel des MonoCab-Designs erläuterte Professor Nether, was damit konkret gemeint ist. „Die Monocabs sollen nicht als ÖPNV, sondern als Individualverkehr wahrgenommen werden. Das stellt entsprechende Anforderungen an das äußere und innere Design. „Design ist am Ende etwas, das es schafft, aus Wünschen etwas Greifbares zu machen“, so Nether.

Anschließend zeigten Professor Dr. Guido Falkemeier und Professor Dipl. Reg.  Sebastian Grobler, was heute alles mit Augmented und Airtual Reality in der Filmproduktion möglich ist. „Wir werden immer wieder neue Welten erschließen, allerdings müssen wir auch immer wieder sehen, was wir damit anfangen können“, so Professor Falkemeier.

Traditionell werden auch neue Wissenschaftlierinnen und Wissenschaftler während der Museumsrunde vorgestellt. Professorin Dr. Barbara Steinmann und Professor Dr. Michael Minge vertreten im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften den Studienbereich Wirtschaftspsychologie. Während ihres Gesprächs machten sie auf drei entscheidende Parameter bei der Digitalisierung in Unternehmen aufmerksam: „Menschen müssen mitgenommen werden, Technologie muss machbar sein und sie muss zum Unternehmen passen“, so Professorin Steinmann.

Schließlich übergab TH OWL-Vizepräsident Professor Dr. Stefan Witte erstmals den Transferpreis an den Dekan der Medienproduktion Professor Dr. Guido Falkemeier. Er erhält den Preis für seine Verdienste um den Aufbau des Kreativ Campus Detmold, die Stärkung der Kooperation mit Unternehmen und Gesellschaft im Bereich der Medien sowie das Zustandekommen des KreativInstitutes.OWL.

„Transfer ist neben Forschung und Lehre die dritte Kernaufgabe der Hochschulen“, erläuterte der Vizepräsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Professor Dr. Stefan Witte, während eines Pressegespräches vor der Preisverleihung. Diese Aufgabe habe es immer schon gegeben. Allerdings habe sich der Transferbegriff in der jüngeren Zeit deutlich erweitert. „Heute geht es um den Austausch mit der Wirtschaft und der Gesellschaft auf Augenhöhe“, so Witte weiter. Der Transferpreis sei daher auf einer Transferveranstaltung wie der schon traditionellen „Museumsrunde“ gut aufgehoben.

„Über den Transferpreis und die Möglichkeit an der TH OWL den Transfer mit regionalen und überregionalen Akteuren zu gestalten, freue ich mich sehr. Mit dem hochschulübergreifenden KreativInstitut.OWL haben wir zukünftig die einmalige Perspektive, mit der Kultur- und Kreativwirtschaft interdisziplinär neue Formen des Transfers zu entwickeln und zu leben“, sagte der Preisträger Professor Dr. Guido Falkemeier.