Werfen wir mal einen Blick hinter die Kulissen. Das „anno 1578“ öffnete im Mai 2025 seine Türen. „Die TH liegt in den Köpfen vieler ‚da oben auf dem Berg‘, hinter Bega und Bahnlinie. Im Präsidium bestand schon länger der Wunsch, in der Lemgoer Innenstadt präsenter zu sein“, erinnert sich der technische Koordinator Timo Schäferkordt. „Das ‚anno 1578‘ stellt ein niedrigschwelliges Angebot dar, einfach mal reinschnuppern. Dazu trägt die gemütliche Wohnzimmeratmosphäre bei. Wir haben hier auch eine kleine Bühne und einen großen Bildschirm. Darauf können Gäste sehr gut Videospiele zocken“, ergänzt Dialogmanager Jan Lukas Fründ. Es gibt übrigens auch Brettspiele – und kostenloses WLAN. Bei der Gestaltung der Räumlichkeiten und des Programms hat die Projektleitung viel freie Hand. „Für den Bau der Bühne haben wir uns Rat im Fachbereich Produktion und Holztechnik geholt, echter Know-how-Transfer.“
Bespielt werden die Räume an der Mittelstraße 70 aber nicht nur von der TH OWL, auch die Alte Hansestadt Lemgo ist bei diesem Projekt mit im Boot und nutzt das „anno“ etwa für Ausschuss- oder Ratssitzungen. Gemeinnützige Vereine können das ehemalige Ladenlokal nach Absprache ebenfalls nutzen. „Wir haben hier den Hauptraum für circa 50 bis 60 Leute und hinten noch einen mit Smartboard ausgestatteten Seminarbereich für bis zu 30 Personen“, berichtet Timo Schäferkordt. „Eben ein richtiger Raum für Begegnung, Austausch und Mitgestaltung. Es gibt regelmäßig Workshops, offene Vorlesungen, Gesprächsrunden und andere Formate, die zum Mitdenken und Mitgestalten anregen.“
Das „anno“ ist regulär dienstags bis freitags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Getränke bekommt man hier zwar nicht, beziehungsweise nur bei ausgewählten Veranstaltungen, dafür kann man sich aber aus der Fußgängerzone etwas zu essen oder zu trinken mitbringen, hier verzehren und ganz nebenbei mit Studierenden oder Lehrenden locker ins Gespräch kommen. Diese Möglichkeit hat sich noch nicht so recht herumgesprochen, wie Jan, Jan Lukas und Timo bedauern, aber das werde bestimmt noch. Anders sehe es da bei regulären Veranstaltungen – im November waren es stolze 18 – aus. „Da kriegen wir die Bude voll, bei den nächsten Terminen haben wir schon Wartelisten“, sagen die drei, die beim Institut für Wissenschaftsdialog und zum Teil beim Projekt TRiNNOVATION OWL an der TH OWL angestellt sind.
Wer selbst eine Veranstaltung plant, die sich im „anno“ gut machen würde und bei der sich ein Bezug zur TH OWL herstellen lässt, kann gern mit dem Team Kontakt aufnehmen. Das kann auch eine Ausstellung sein. Die großen Wände sind für Bilder regionaler Künstler:innen ideal. Auch Abschlussarbeiten der Studierenden können hier platziert werden. Anfang Januar ist beispielsweise eine Installation von Kommiliton:innen aus dem Fachbereich Medienproduktion auf 13 Monitoren zu sehen. „Zu uns kommt auch eine Seniorin aus der Nachbarschaft, die hier einen Handarbeitsworkshop macht. Dafür haben sich auch Studierende angemeldet, nicht nur aus Lemgo, sondern auch aus Detmold“, berichtet Timo Schäferkordt.
Kurzum – das „anno 1578“ ist ein Treffpunkt, der ein breites Publikum anspricht. Eine Art generationenübergreifender Nachbarschaftstreff, eine Eventlocation, ein Ort zum Wohlfühlen, zum Lernen oder einfach eine Freistunde zu überbrücken. Einmal im Monat gibt es hier donnerstags sogar ein After-Work-Gaming-Turnier organisiert von dem Institut für Wissenschaftsdialog. „Wir versuchen damit, mehr Berührungspunkte zur TH zu schaffen – nicht nur für Studierende“, unterstreicht Jan Pilgrim.
Einziger Wermutstropfen: Die Zukunft des „anno 1578“ ist erst mal nur kurzfristig gesichert, die Miete für das Ladenlokal dank Projektmitteln und städtischer Hilfe bis Ende März bezahlt. Das Trio hofft, dass es danach mit diesem Dritten Ort weitergeht, die Verstetigung sei aber noch unklar, ein möglicher Förderantrag werde geprüft.



