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Wasser für alle! Alle für Wasser? Weltwassertag 2023 in Detmold

Der diesjährige Weltwassertag stand unter dem Motto „Accelerating Change“, den beschleunigten Wandel. Gemeinsam fanden sich das Team der Vertiefungsrichtung Wasserwesen (Lehrgebiete Siedlungswasserwirtschaft und Wasserbau/Wasserwirtschaft) des Fachbereiches Bauingenieurwesen der TH OWL und regionale Akteure für das 30-jährige Jubiläum des Weltwassertags auf dem Kreativ Campus Detmold zusammen, um auf die gravierende Bedeutung des Trinkwassers aufmerksam zu machen und über die Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu sprechen.

An der „Wasserbar“ der Stadtwerke Detmold wurden Detmolder Trinkwasser und Trinkwasser-Cocktails und im Café 45 Kaffee und Kuchen für die Stärkung angeboten. Die Ausstellung zur Notwasserversorgung des THW Lemgo und der „Matschtisch“ des Teams der Tiefbauplanung der Stadt Detmold sorgten für Spannung vor Ort.

Im sogenannten „Speakers Corner“ referierten regionale Akteure ihre Kurzvorträge zum Thema „Leitungswasser“ und klärten über die aktuelle Situation des Kreises Lippe auf. Auch an den dazugehörigen Informationsständen konnten sich Studierende, als auch Bürgerinnen und Bürger mit dem Thema Trinkwasser auseinandersetzen, Fragen stellen und diskutieren.

„Zusammenkommen und einfach mal über Wasser reden“, so begann Professor Dr.-Ing. Jörg Felmeden vom Lehrgebiet Siedlungswasserwirtschaft seine Begrüßung. Wassermangel und die Qualität der Wasserressourcen sind aktuelle Herausforderungen. Notfallpläne helfen temporär, „wir brauchen jedoch langfristige Strategien, um die Ressource zu schützen, effizienter zu nutzen, und sie nachher dann zur Verfügung stellen zu können.“

Und auch die TH OWL wird beim Thema Wasser aktiver: seit dem vergangenen Jahr gibt es auf dem Kreativ Campus in Detmold einen Trinkwasserspender, der an das Leitungswassernetz des Gebäudes angeschlossen ist. „Die Hochschule selbst bemüht sich nicht nur den Nachwuchs auszubilden, sondern selber im Bereich auch was zu tun und Vorbild zu sein“, so Felmeden weiter.

Nun möchte der Professor für Siedlungswasserwirtschaft an den Standorten der TH OWL den Schritt in Richtung „leitungswasserfreundlich“ wagen, d.h. ergänzend bzw. anstelle von Flaschenwasser Detmolder Leitungswasser zur Verfügung zu stellen. Aber „das geht nur gemeinsam“ und benötigt entsprechende Vorbereitung.

In diesem Rahmen verkündete Dr. Miriam Mikus aus dem Verwaltungsvorstand der Stadt Detmold das geplante Projekt „Wasserquartier“ in der Fußgängerzone der Stadt. Das Projekt entsteht in Kooperation mit dem Lehrgebiet Siedlungswasserwirtschaft der TH OWL, dem Verein a tip:tap, den Detmolder Stadtwerken und anderen regionalen Akteuren. Die Umsetzung soll innerhalb von zwei Jahren geschehen und soll der Sensibilisierung und Aufklärung dienen. Auch Bildungsangebote für Schulen soll es künftig geben.

Denn mit Leitungswasser kann man die Welt retten. Svenja Weichhold von a tip:tap, ein gemeinnütziger Verein, der sich für Leitungswasser, gegen Verpackungsmüll und damit für eine ökologisch-nachhaltige Lebensweise einsetzt, appellierte zum Leitungswasser trinken und gab den Besucherinnen und Besuchern fünf Gründe, die für Trinkwasser sprechen, mit auf den Weg. Zum einen wird durch die Transport- und Verpackungsabschaffung CO2 gespart, zum anderen wird weniger Plastikmüll produziert. Außerdem bekommt man bereits für einen Euro ca. 200 Liter Trinkwasser, welches dank der Trinkwasserverordnung streng kontrolliert wird und dadurch von Topqualität zeugt. Und nicht zu vergessen: Es ist bequem und einfach.

Dirk Kornhoff von den Stadtwerken Detmold berichtete in seinem Kurzvortrag über die Wasserversorgung in Detmold. Er veranschaulichte die regionalen Wassergewinnungsgebiete, gab Aufschluss über die Entwicklung des Wasserabsatzes der letzten Jahre und sprach über die Verteilung des Wasserverbrauchs im Haushalt. Eine Grafik dazu zeigte, dass das Trinkwasser in der Regel am meisten für Toilettenspülung und Dusch- und Spülwasser verwendet wird.  

Professor Dr. Martin Oldenburg, Prodekan des Fachbereichs Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik vom Standort Höxter der TH OWL, ergänzte, dass hier Regen- und Grauwasser eine gute Alternative seien. Damit einher gehen könne auch die Wärmerückgewinnung von Duschwasser für Sportanlagen und Schwimmbäder.

Doch es gibt auch andere Möglichkeiten mehr Wasser einzusparen. Hanna Möhring, Studentin der TH OWL, stellte in diesem Rahmen ihre Masterarbeit zum Thema „Möglichkeiten der Wasserwiederverwendung in Bad Oeynhausen“ vor.

In einem weiteren Vortrag erläuterte Henrik Doht, Geschäftsführer der Bockermann Fritze IngenieurConsult GmbH, die Wasserhaushaltsbilanz, die Entwicklungen in der Siedlungsentwässerung, die Ziele und die Folgen daraus. Die Siedlungsentwässerung leiste einen entscheidenden Beitrag für den Schutz der Gewässer sowie zur Stärkung der Wiederherstellung bzw. zum Erhalt des naturnahen Wasserhaushaltes. Das Ziel sei die Beachtung der Wasserhaushaltsbilanz.

Anja Szalatnay vom Fairtrade-Team des Kreises Lippe präsentierte geplante Ansätze für mögliche Wasserschutzgebiete innerhalb des Landkreises. Dabei unterteilt sich ein Gebiet in jeweils drei Schutzzonen, wobei sich die dritte Zone mehrfach unterteilen lasse. Es gäbe bereits 50 Praxisbeispiele für Wasserschutzgebiete im Kreis Lippe, 23 Weitere sind in Planung, verriet Dörte Göckede von der Landwirtschaftskammer NRW.

Seit 2022 gibt es insgesamt 278 Kooperationsmitglieder und 19 Wasserversorgungsunternehmen im Kreis Lippe, die daran arbeiten, dass „Trinkwasser gesichert und die Landwirtschaft in Betrieben erhalten werden kann.“

Zum Schluss griff Professor Dr. Jörg Felmeden sein Zitat: „global denken, lokal handeln“ erneut auf. Die TH OWL habe hier noch Luft nach oben. So soll in Zukunft mehr Regenwasser an der Hochschule genutzt werden, dies könne in Form von Projekten für die Studierenden geplant und mit ihnen gemeinsam umgesetzt werden.