Wie verändert sich die Hochschulbildung durch neue Formen des Forschens mit der Gesellschaft?

Die didaktischen Auswirkungen und Anwendungsbereiche der Transdisziplinarität, das heißt der gemeinsamen angewandten Forschung mit der Gesellschaft, werden im neu erschienenen „Handbuch Transdisziplinäre Didaktik“ aus unterschiedlichen Perspektiven erläutert. Auf einer Fachtagung am 9. September in Berlin mit anschließender Buchpräsentation beleuchten Professor Dr. Tobias Schmohl (TH OWL), Dr. Thorsten Philipp (TU Berlin) und weitere Expertinnen und Experten, wie sich Hochschulbildung von festen Orten, beispielsweise Hörsälen, löst und Wissen auf neue Weise produziert, verhandelt und verwandelt wird.

Anlässlich der Veröffentlichung des „Handbuchs Transdisziplinäre Didaktik“ hatte Professor Tobias Schmohl gemeinsam mit Dr. Thorsten Philipp und dem transcript Verlag zu einem wissenschaftlichen Austausch über die Frage eingeladen, wie sich eine im Wandel begriffene Hochschulbildung mit einer transformativen Wissenschaft verbinden lässt. Gemeinsam mit über 70 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Politik fand ein intensiver Fachaustausch statt. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Lehren und Lernen unter Bedingungen transformativer Wissenschaft: Ordnungsversuche im Panorama transdisziplinärer Didaktik“. Bis zum Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden neue Formen der Forschung mit der Gesellschaft und stellten Konzepte einer transdisziplinären Hochschulbildung vor. Anschließend fand die feierliche Präsentation des „Handbuchs transdisziplinäre Didaktik“ statt.

Die Veranstaltung fand als Hybrid-Format vor Ort in Berlin und als YouTube-Livestream statt. Veranstaltungsort war das im BHROX bauhaus reuse, ein gläserner Pavillon auf der Mittelinsel des Ernst-Reuter-Platzes in Berlin – ein Ort, der selbst aus einer transdisziplinären Kooperation heraus entstanden ist und sich aufgrund seiner offenen Gestaltung optimal für das Austauschformat eignete. Im Zentrum standen fünf moderierte Wissenschaftsdialoge, in denen jeweils unterschiedliche Formen transdisziplinärer Zusammenarbeit kritisch unter Einbezug des Publikums im Raum und im Livestream diskutiert wurden. Neben einem Fachpublikum beteiligten sich auch interessierte Studierende und zahlreiche Personen außerhalb des Hochschulkontexts an der Diskussion.

„Wissenschaft findet heute immer weniger in den engen Grenzen einer einzelnen Disziplin statt. Gerade, wenn es um die sogenannten Grand Challenges, also die großen Herausforderungen unserer Zeit geht, haben sich gerade solche Kooperationsformen als besonders wirksam erwiesen, die nicht in die gängigen Schubladen akademischer Disziplinen eingeordnet werden können – und in denen vielfach sogar Personen und Einrichtungen einbezogen werden, die nicht im Wissenschaftsbetrieb beheimatet sind. Dafür steht das Konzept der Transdisziplinarität. Aus ihr ergeben sich neue Impulse dafür, wie wir eine angewandte Hochschulbildung denken und praktizieren können“, so Professor Tobias Schmohl, wissenschaftlicher Leiter des Lernzentrums Lemgo am Institut für Wissenschaftsdialog (IWD) und im Fachbereich Medienproduktion der TH OWL. Er ist gemeinsam mit Dr. Thorsten Philipp Herausgeber des Handbuchs und Veranstalter der Fachtagung.

Im Fokus des Wissenschaftsdialogs standen Ansätze zur Verankerung von Forschung in der Gesellschaft, die die Praxis von Lehre und Studium aktuell grundlegend verändern. „Die in der Transdisziplinarität gewonnenen Erkenntnisse werden auch die Wissenschaftskommunikation weiter voranbringen“, kommentiert Professorin Kathrin Lemme, Vizepräsidentin für Kommunikation und Profil der TH OWL, die sich als Expertin an einem der Panels beteiligte.

Um 17:00 Uhr wurden die ersten Exemplare des Buches feierlich den beiden Präsidenten der beteiligten Einrichtungen überreicht. Professor Dr. Jürgen Krahl, Präsident der TH OWL, und Professor Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin, nahmen die druckfrischen Ausgaben des „Handbuchs Transdisziplinäre Didaktik“ entgegen. „In der Vergangenheit sprach die Wissenschaft lieber zu als mit den Menschen – und das auch zu anderen Disziplinen. Der gelebte Wissenschaftsdialog hat großes Potenzial, dieses zu ändern. Das neue Buch wird dazu beitragen. Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Betrag aus dem IWD auf dem Weg der transdisziplinären Weiterentwicklung“, so Professor Krahl. Es folgten Grußworte, unter anderem von Professorin Gesine Schwan (Humboldt-Viadrina Governance-Plattform) und eine Festrede des Soziologen Professor Dirk Baecker, Universität Witten/Herdecke, der den Wandel des Wissenschaftssystems sowie seine Folgen auf die Art, wie wir Hochschulbildung zukünftig denken können, erläuterte.

Das Handbuch ist ein Nachschlagewerk für Studierende, Dozentinnen und Dozenten, universitäre Kooperationspartnerinnen und -partner und alle, die sich für aktuelle Umbrüche von Forschung und Lehre interessieren. Unter Beteiligung von 48 ausgewiesenen Expertinnen und Experten sowie 35 wissenschaftlichen Gutachterinnen und Gutachtern erläutert es die Grundlagen einer Hochschulbildung, für die die wissenschaftsgeleitete Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren der Praxis den Normalfall bildet. Es soll zu einer gemeinsamen Begriffswelt beitragen: Was genau ist ein Reallabor? Wie funktioniert Service Learning? Wozu dienen Praktikum, Citizen Science, also Bürgerinnen- und Bürgerforschung, und Duales Studium? Entstanden mit Unterstützung der Berlin University Alliance bildet die Publikation den ersten Band der neuen Publikationsreihe „Hochschulbildung und Forschung“ des transcript Verlags.

Die gesamte Veranstaltung wurde gestreamt und aufgezeichnet. Sie kann auf YouTube unter folgendem Link nachgesehen werden:

Zur Aufzeichnung der Tagung

Publikation:
Tobias Schmohl / Thorsten Philipp (Hg.): Handbuch Transdisziplinäre Didaktik. hrsg. unter gleicher Beteiligung (Equal Contribution) www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5565-0        

Weitere Informationen erteilt gern:
Professor Dr. Tobias Schmohl
Institut für Wissenschaftsdialog
Tel.: +49 5261 702 5279
E-Mail: tobias.schmohl@th-owl.de