Humangerechte und nutzenstiftende Gestaltung der digitalisierten Arbeitswelt – Forschungsprojekt AWARE abgeschlossen

Ziel des Forschungsprojektes „Arbeit 4.0 | Bedarfsanalyse und Angebote für produzierende Gewerbe und Unternehmen“ (AWARE) war es, Ansätze einer humangerechten und mehrwertstiftenden Ausgestaltung von Potenzialen der Digitalisierung für die Arbeitswelt zu finden. Das Projekt wurde als Innovationsprojekt im Spitzencluster it´s OWL im Zeitraum vom 01.12.2018 bis 30.11.2020 durchgeführt. Das Labor für Industrial Engineering hat dabei an der Bearbeitung des Teilprojekts „Digitale Führung“ mitgearbeitet. Ziel des Teilprojekts war es, Veränderungen von Führungsaufgaben, -kompetenzen und -kultur zu identifizieren. Darauf aufbauend wurden Unterstützungsinstrumente entwickelt, die Führungskräfte auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten und einen Kulturwandel in Bezug auf agile Führungsmethoden unterstützen.

Das Labor für Industrial Engineering bearbeitete ein Pilotprojekt bei einem international agierenden Unternehmen der Investitionsgüterindustrie. Dieses zielte darauf ab, die Arbeit von Führungskräften in der Produktion zu verbessern. Zunächst wurden administrative Routinetätigkeiten, die durch digitale Unterstützungsinstrumente reduziert bzw. eliminiert werden können, ermittelt. Ferner wurden Defizite in der Informationsbereitstellung identifiziert. Zur Datenermittlung wurden im Unternehmen Interviews mit Führungskräften geführt und mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse der Interviews wurden in Workshops im Unternehmen diskutiert und überprüft. „Im Ergebnis konnten wir etwa feststellen, dass eine deutliche Diskrepanz besteht zwischen Führungstätigkeiten, die von den Befragten als zeitintensiv und als wichtig wahrgenommen werden.“, so Prof. Dr.-Ing. Sven Hinrichsen, Projektleiter der TH OWL. So werde nach Einschätzung der befragten Führungskräfte für die wichtigsten Tätigkeiten nicht die meiste Zeit aufgewendet. Beispielsweise wurde von rund der Hälfte der Befragten die Kennzahlenaufbereitung als zeitintensivste Tätigkeit angesehen, während die Interaktion mit den Beschäftigten von den meisten Befragten als wichtigste Tätigkeit empfunden werde.

Im Ergebnis der Analysephase konnten mehrere Handlungsfelder zur Verbesserung der Arbeit von Führungskräften auf dem Shop Floor identifiziert werden. Für das Handlungsfeld Kennzahlensysteme wurde ein Prototyp eines Kennzahlen-Cockpits mit Hilfe der Low-Code-Programmierung umgesetzt und evaluiert. „Das Kennzahlen-Cockpit dient beispielsweise dazu, für Führungskräfte wichtige Daten benutzerfreundlich und anforderungsgerecht darzustellen“, so Benjamin Adrian, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Industrial Engineering. Die Entwicklung des digitalen Hilfsmittels wurde im Rahmen der 4th International Conference on Human Interaction & Emerging Technologies 2020 vorgestellt.

Mittels der Low-Code-Programmierung ist es möglich, Softwareanwendungen ohne erweiterte Programmierkenntnisse über eine grafische Benutzeroberfläche zu erstellen. Auf diese Weise können Beschäftigte in Unternehmen sich mit ihrem Expertenwissen direkt an der anforderungsgerechten Softwareentwicklung beteiligen. „Durch den Einsatz von Low-Code-Plattformen in Betrieben wird Beschäftigten in Fachabteilungen ein Werkzeug an die Hand gegeben, betriebliche Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren“, erklärt Prof. Hinrichsen. Um das Potenzial der Entwicklung von Software zur Digitalisierung von Prozessen mittels Low-Code-Programmierung durch Beschäftigte aufzuzeigen und erste Erfahrungen damit zu ermöglichen, wurde eine Schulung zur Low-Code-Programmierung entwickelt und beim Betriebspartner durchgeführt.

Die Forschung zu Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der Low-Code-Programmierung im industriellen Umfeld wurde im Labor für Industrial Engineering fortgeführt. Sie mündete in einer erfolgreichen Wettbewerbsskizze zur Bearbeitung eines von sechs neuen it´s OWL Innovationsprojekten, welches das Labor für Industrial Engineering als Konsortialführer seit dem 01.03.2021 bearbeitet:

Forschungsprojekt „Pro-LowCode“ – Entwicklung und Umsetzung eines ganzheitlichen Ansatzes zur Digitalisierung von Prozessen in Industriebetrieben mittels Low-Code-Software