Angewandte Spitzenforschung in OWL: Fraunhofer feiert 10-jähriges Bestehen

Im Oktober feiert die Spitzenforschung in der Region Geburtstag: Das Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo wird zehn Jahre alt. Ein Jahrzehnt voller Innovations- und Wachstumsimpulse, die von Fraunhofer auf das Umfeld rund um den Innovation Campus Lemgo ausstrahlen. Dazu zählen sowohl die Meilensteine des mittlerweile 75-köpfigen Teams als auch die Etablierung zahlreicher Initiativen, Forschungsinfrastrukturen und Geschäftsfelder.

Es ist der 1. Oktober 2009. Aufgrund der ausgewiesenen fachlichen Kompetenzen des Instituts für industrielle Informationtechnik (inIT) der Technischen Hochschule OWL sowie persönlichen Kontakten zum Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB), ist es Professor Jürgen Jasperneite gelungen Fraunhofer für Lemgo zu begeistern. Auf der buchstäblichen grünen Wiese des heutigen Innovation Campus Lemgo stehen zu diesem Zeitpunkt provisorische Bürocontainer, in denen entschlossene junge Wissenschaftler gemeinsam mit ihrem Professor an der Zukunft der industriellen Kommunikation arbeiten: Professor Jürgen Jasperneite, Sergej Gamper, Sebastian Schriegel und Carsten Pieper bilden die Keimzelle des Fraunhofer IOSB-INA. 

Das erste Projekt war die Entwicklung eines Chips für die hochleistungsfähige Echtzeitkommunikation. Der heutige Gruppenleiter für Industrielle Kommunikation und IoT, Sebastian Schriegel, erinnert sich: „Der auch als Tiger bezeichnete Chip war von Beginn an Gegenstand unserer Forschung,“ ergänzt Schriegel. „Phoenix Contact und Siemens waren Forschungs- und Entwicklungspartner der ersten Stunde.“

Die Verbindung von IT und Industrie war von Anfang an der fachliche Fokus, der sich bis heute als roter Faden durch die Forschung am Standort Lemgo zieht. Der große nächste Schritt war der Bau des Centrum Industrial IT (CIIT) in 2010, denn die Container konnten keine dauerhafte Forschungsumgebung für das wachsende Team bieten. Mit der Einweihung des ersten Science-to-Business Center im Bereich industrieller Automation in Deutschland war mit dem CIIT für Fraunhofer der passende Nährboden gegeben: Auf 5.000 Quadratmetern arbeiteten Forschung und Wirtschaft fortan Tür an Tür, um gemeinsam Projekte und Technologien rund um die Automation in der Fabrik der Zukunft auf den Weg zu bringen. Diese Fläche wurde mit dem zweiten Bauabschnitt sogar auf 10.000 qm verdoppelt – eine Entwicklung, die für sich spricht.

2012 hat die Region das BMBF-Spitzencluster „Intelligente Technische Systeme OstwestfalenLippe it’s OWL“ gewonnen, an dessen Konzeption Fraunhofer in Lemgo mitgewirkt hat und bis heute einer der zentralen strategischen und fachlichen Partner ist. Ebenfalls in 2012 wurde das IOSB-INA zum deutschlandweit ersten Fraunhofer-Anwendungszentrum mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW ausgebaut. Der Forschungsfokus wurde auf kognitive Verfahren auf der Grundlage vernetzter eingebetteter Systeme und intuitiver Interaktionstechnologien für intelligente technische Systeme ausgeweitet.

Auf zahlreichen internationalen, renommierten Wissenschaftskonferenzen wurden die Wissenschaftler aus Lemgo nach und nach eine feste Größe und richteten diese mitunter als Veranstalter aus – beispielsweise die mit 340 Teilnehmern weltweit größte IEEE-Konferenz im Bereich der industriellen Automation (ETFA) 2016 in Berlin. Mit maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz als Werkzeuge für die Analyse und das Management von Produktionssystemen beschäftigt sich Fraunhofer in Lemgo bereits kurz nach seiner Gründung, als Professor Oliver Niggemann an Bord kam. So ist beispielweise das Projekt »AGATA – Analyse großer Datenmengen in Verarbeitungsprozessen« unter Leitung des IOSB-INA 2014 eines der großen vom BMBF geförderten Forschungsprojekte in diesem Feld.

Und das Wachstum des Forschungsstandorts nahm weiter Fahrt auf: Mit Professor Carsten Röcker konnte 2014 eine von Fraunhofer mitfinanzierte Stiftungsprofessur für die nutzergerechte Gestaltung von technischen Systemen besetzt und ein weiteres Kompetenzfeld im IOSB-INA aufgebaut werden. 

Mit dem Einzug in das CIIT-2 wurde 2016 das Big Data Labor in Betrieb genommen. Mit einem hier installierten Hochleistungsrechencluster können Lösungen für enorme Datenmengen, wie sie im Produktionsumfeld oder auch im Urbanen Umfeld entstehen, getestet, validiert und demonstriert werden. Hinzu gesellt sich in 2016 ein weiterer wichtiger Meilenstein: Die SmartFactoryOWL, eine gemeinsame Initiative der Technischen Hochschule OWL und der Fraunhofer-Gesellschaft, wird im April feierlich eröffnet. Mehrere tausend Gäste besuchen die Forschungs- und Demonstrationsfabrik für die Industrie 4.0 seitdem jährlich – aus gutem Grund ist sie zugleich die Demonstrationsfabrik in OWL des BMWi Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums „Digital in NRW“. 

2017 wurde das Lernlabor Cybersicherheit für die Produktion gemeinsam mit den Karlsruher Kollegen eröffnet, welches zur Erforschung von Sicherheitslösungen im Produktionsumfeld dient und daraus abgeleitete Weiterbildungsangebote für Unternehmen, Wissenschaft und Kommunen anbietet. 

Weitere Meilensteine folgten im Jahr 2018: Fraunhofer eröffnete mit „Lemgo Digital“ ein Reallabor für Mittelstädte. Gemeinsam mit Unternehmen, Kommunen und Stadtgesellschaft sowie finanzieller Unterstützung des Landes NRW werden in der Innenstadt als Mitmachlabor digitale Lösungen entwickelt und getestet.

Und Fraunhofer in Lemgo wächst weiter: Bereits zum Ende des Jahres sollen die Räume des neuen Institutsgebäudes an der Campusallee 1 bezogen werden. Mittlerweile sind es 75 Mitarbeiter, die jeden Tag an technischen Lösungen von der Vernetzung bis zur Künstlichen Intelligenz für Unternehmen und Kommunen arbeiten.