Automatische Bewässerung in Zeiten des Klimawandels

Der Botanische Garten Höxter erweitert sein öffentliches Seminarangebot. Ende Oktober standen in Theorie und Praxis Fragen der Bewässerung auf dem Programm.

„Wir haben viel mitgenommen“, meint Andrea Schmidt, engagierte Gartenliebhaberin aus Albaxen. „Vor allem, dass hinsichtlich der Planung einer automatischen Bewässerung wesentlich mehr Faktoren berücksichtigt werden müssen als wir vermutet hätten.“ So ihr Fazit nach dem zweitägigen Seminar zum Thema „Bewässerung in Zeiten des Klimawandels“, das der Studiengang Freiraummanagement der Technischen Hochschule OWL im Botanischen Garten durchgeführt hat. Ihre Motivation zur Teilnahme: „Ich wollte nicht mehr stundenlang mit dem Schlauch im Garten stehen und die Pflanzen lieber gezielt gießen.“

Hitze und Trockenheit setzen den Pflanzen zu

In einer lockeren Reihe von Seminaren, die die TH OWL – zum Teil in Zusammenarbeit mit dem „Freundeskreis des Botanischen Gartens“ – für die interessierte Öffentlichkeit anbietet, fand die Schulung zum Thema Bewässerung am 24. und 25. Oktober statt. Am Freitag mündete sie in einem praxisorientierten Workshop. Der Donnerstag war hingegen den theoretischen Grundlagen gewidmet. Professor Klaus Maßmeyer vom Fachgebiet Umweltmeteorologie der TH OWL veranschaulichte, welche Prognosen zum Klima aufgrund von mathematischen Modellen realistisch sind und skalierte sie auf den Raum Höxter. Das Szenario: mehr heiße Tage, mehr Niederschläge, aber auch zunehmende Sommertrockenheit, da sich die Niederschlagsereignisse einerseits in Starkregenfällen, andererseits eher in den Wintermonaten ereignen.

Welche Schäden in Bezug auf Pflanzen und Pflanzengesellschaften jetzt schon zu beobachten sind, referierte TH-Mitarbeiterin Nicole Jung. Die beiden Hauptprobleme der klimatischen Entwicklung: Hitze über 40 Grad Celsius – ein Wert, der auf sonnenexponierten Pflanzenoberflächen in den vergangenen Sommern häufig weit überschritten wurde. Und anhaltende Trockenheit, auf die Pflanzen nicht mehr mit Abhärtung, sondern mit Vitalitätsverlust bis hin zum Absterben reagieren. Die Schäden lassen sich – gerade an Gehölzen – noch viele Jahre später nachweisen. Die in immer kürzeren Intervallen auftretenden trockenen Sommer führen in eine Abwärtsspirale, die mit Hilfe gezielter Bewässerung vermieden werden könne, führte die Referentin aus.

Höxteraner Studienangebot führt Ökonomie und Ökologie zusammen

Diese Problematik ist in städtischen Ballungsräumen weit mehr im Fokus als im ländlichen Raum, denn mit Zunahme der Verdichtung der Städte und des Verkehrs wächst der Druck auf die Freiräume stetig. Der Einsatz von Grün zur Regulierung von klimabedingten Hitze- und Starkregenereignissen sowie als Luftfiltersystem sind wesentliche Aufgaben der kommenden Zeit und essentiell, um den Lebensstandard in den Städten langfristig sicherzustellen. Aufgrund zunehmender Trockenheitsperioden in den Städten ist die bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen für das Überleben der Pflanzen essentiell. Der bundesweit einzigartige Studiengang Freiraummanagement an der TH OWL setzt an dieser Stelle an und führt diese Fragen ökonomisch und ökologisch zusammen, um sowohl öffentliche als auch private Freiflächen in Zukunft nachhaltig und wirtschaftlich zu versorgen.

Martin Diesener als Vertreter des in Sachen automatische Bewässerung marktführenden Systemanbieters Rainbird erläuterte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie man mit sensorüberwachten und gezielt auf ressourcensparenden Einsatz konzipierten Bewässerungssystemen dieser Problematik entgegenwirken kann. Von den hydraulischen Grundlagen über juristische Fragen bis hin zu Vor- und Nachteilen der verschiedenen Bewässerungsarten – vom Versenkregner über Düsen, Tröpfchenbewässerung über oder unter Flur beantwortete Diesner alle Fragen anschaulich und praxisnah.