Beim Kiesabbau die Umwelt im Blick

Aus ganz Deutschland ins Weserbergland: Der Standort Höxter der TH OWL richtet die diesjährige Summer School der UVP-Gesellschaft aus. Studierende und Berufseinsteiger verbinden bei Vorträgen, Workshop und Exkursion die Theorie der Umweltverträglichkeitsprüfung mit der Praxis.

Wo früher Kies abgebaut wurde, liegen heute Seen: Die Region Taubenborn in Höxter ist ein Beispiel dafür, wie vom Menschen gemachte Abgrabungen die Natur beeinflussen. Die Teilnehmer der 10. UVP-Summer School lernen vom 9. bis 11. September 2019 solche Landschaftsgebiete in Theorie und Praxis kennen. „Umweltprüfung am Beispiel von Abgrabungen“ lautet das Thema, das 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Höxter gelockt hat: „Von Eutin bis München, von Freiburg bis Bremerhaven, von Eschweiler bis Dresden“, fasst Professor Ulrich Riedl zusammen, der die Summer School gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Boris Stemmer am Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der Technischen Hochschule OWL ausrichtet. Besonders angesprochen sind Studierende und Berufsanfänger. Auch sieben Studierende und Absolventen der Landschaftsarchitektur der TH OWL hatten sich erfolgreich um einen der Plätze beworben.

Der Abbau von Kies oder das Vertiefen eines Flusses wie der Weser sind Eingriffe in die Natur, die in Deutschland ab einem bestimmten Umfang nur nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt werden dürfen. Wie eine solche Prüfung abläuft, haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der UVP-Summer School gelernt. In Vorträgen, Workshops, einem Planspiel und bei einer Exkursion erfuhren sie mehr über den gesamten Prozess von der Planung eines Abbaus bis zur Renaturierung der betroffenen Gebiete. „Der UVP-Gesellschaft liegt die Förderung des Nachwuchses sehr am Herzen. Deshalb bieten wir alle zwei Jahre eine Summer School zu unterschiedlichen Themen an und freuen uns, dieses Jahr hier in Höxter die richtigen Partner gefunden zu haben“, sagt Burkhard Fahnenbruch vom Vorstand der UVP-Gesellschaft. Wichtig sei, den Teilnehmern viel Praxis an die Hand zu geben und die Studierenden und Berufseinsteiger ins Gespräch zu bringen und miteinander zu vernetzen.

Austausch mit „Gleichgesinnten“

„Reinschnuppern“ ins Thema Umweltverträglichkeitsprüfung wollte Jonas Klein, der in Nürnberg in einem Sachverständigenbüro in der Umweltunternehmensberatung arbeitet. „Wir bewerten Umwelt- und Georisiken. Mit der UVP habe ich bisher nur wenig zu tun, aber es gibt viele Schnittpunkte.“ Der Geograph hat bei der Summer School viele „Gleichgesinnte“ getroffen – die auf einem ähnlichen Wissenstand waren, auch wenn sie aus ganz verschiedenen fachlichen Hintergründen kommen. Der Besuch in Höxter war für ihn eine Premiere: „Höxter ist ein schmuckes Städtchen mit seinen vielen Fachwerkhäusern – und hat mit dem Kloster Corvey sogar ein Weltkulturerbe, das war mir gar nicht bewusst. Ich bin vom Tourismuspotenzial sehr positiv überrascht.“

Corinna Reh und Liam Dederke kennen die Stadt bereits sehr gut – sie studieren in Höxter Landschaftsarchitektur. „Ich erhoffe mit von der Summer School, dass sie mir für den späteren Beruf etwas bringt, weil ich vielleicht in die Richtung Umweltverträglichkeitsprüfung gehen möchte“, sagt Corinna Reh, die den Master absolviert und im Studium bereits erste Einblicke in das Themengebiet erhalten hat. Dort ist die Vermittlung aber vor allem theoretisch, wie auch Liam Dederke aus seinem Bachelor-Studium weiß: „Die UVP ist ein Kernthema in unserer Fachrichtung, aber im Studium ist es eher trocken und man hat noch nicht so richtig den Durchblick. Hier bei der Summer School ist es viel vertiefter und sehr praxisnah.“ Für die beiden Höxteraner Studierenden ist zudem der Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern spannend: „Man lernt viele verschiedene Leute kennen und es ist sehr interessant, wer alles mit dem Thema UVP zu tun hat – die fachlichen Hintergründe sind sehr unterschiedlich“, so Corinna Reh.

Aus der Theorie in die Praxis

Aus Winsen an der Luhe, in der Nähe von Hamburg, ist Maria Klöss nach Höxter gekommen. Sie arbeitet als Fachingenieurin bei der Unteren Naturschutzbehörde und ist dort seit Kurzem fachlich für Bodenabbau und Umweltverträglichkeitsprüfungen zuständig. „Ich stehe noch am Beginn der Anwendung und für mich sind die beiden Themen dieser Summer School gleichermaßen wertvoll“, so die studierte Agrarwissenschaftlerin und Umweltmanagerin. Besonders spannend ist auch für sie der Austausch: „Die Gruppe ist sehr heterogen, alle haben unterschiedliche Arbeitserfahrung und Einsatzgebiete.“ Dem stimmt auch Marie-Eve Ringler aus München zu. Sie ist in der Projektplanung der RMD Wasserstraßen GmbH tätig und innerhalb ihrer Arbeitsgruppe für das Thema UVP zuständig. In ihrem Studium der Geographie sowie der Umweltplanung und Ingenieurökologie sei das Thema zwar angeschnitten worden – von der Summer School in Höxter erhoffte sie sich aber tiefere Einblicke. Das Vortragsprogramm am ersten Tag sei sehr intensiv und straff gewesen, am zweiten Tag wurde es dann aber praktischer: „Bei der Exkursion haben wir einen guten Einblick in das Abbaugebiet erhalten. Und die Arbeit im Workshop ist gut, denn nur bei der Umsetzung lernt man was.“

Perspektivwechsel weckt Verständnis

Im Workshop geht es darum, zwei Flächen zu vergleichen, die für den Kiesabbau in Frage kommen: beide liegen in Lüchtringen bei Höxter, wo aktuell bereits Kies abgebaut wird und tatsächlich weitere Flächen hierfür genutzt werden sollen. In Arbeitsgruppen müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Umweltgesichtspunkten abwägen, ob der Plan einer Nachnutzung für den Naturschutz besser abschneidet, oder das Vorhaben, die Abbauflächen anschließend für Freizeitzwecke zu nutzen. Klima, Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere – es gibt viel zu beachten und keine eindeutig richtige Lösung. Vielmehr geht es darum, die Position der Gruppe im anschließenden Rollenspiel überzeugend zu vertreten. Hierbei müssen die Teilnehmer auch in ungewohnte Rollen schlüpfen und beispielsweise einen Vertreter der Kiesindustrie verkörpern, obwohl sie normalerweise für eine Naturschutzorganisation arbeiten. „Das ist wichtig, um Verständnis zu entwickeln und zu erfahren, wie die anderen Beteiligten denken“, erklärt Riedl.