DC-INDUSTRIE geht in die zweite Runde

„Gleichstrom für die Fabrik der Zukunft“ – mit diesem Leitsatz ist im Oktober 2019 das Forschungsprojekt „DC-INDUSTRIE2“ gestartet, in dem die Potenziale der Gleichstromtechnik für industrielle Produktionsanlagen untersucht werden sollen.

„Die DC-Technologie hat viele Vorteile, mit denen die Anforderungen an ein modernes, intelligentes industrielles Stromversorgungsnetz erfüllt werden können. Beispielsweise können neue Energieerzeugungssysteme wie Photovoltaik oder Energiespeicher sehr einfach eingebunden werden, da diese ohnehin eine Gleichspannung erzeugen. Weiterhin steigt die Anlagenverfügbarkeit, da ein DC‑Netz flexibel auf Störungen im vorgelagerten AC-Versorgungsnetz reagieren kann. Ein DC‑Netz kann sogar das AC‑Netz aktiv stützen; diese Netzdienlichkeit ist besonders bei schwachen Netzen oder bei einem hohen Anteil an dezentralen Energieerzeugern wie Photovoltaik wichtig“, berichtet Prof. Dr. Holger Borcherding (TH OWL), der wissenschaftliche Leiter von DC‑INDUSTRIE2.

Inhaltlich baut das Projekt auf den Ergebnissen von DC‑INDUSTRIE auf. Hier wurde bereits ein umfangreiches Systemkonzept erarbeitet, dass nun für größere Anlagen erweitert werden soll. „Uns sind Offenheit und Einfachheit besonders wichtig. Dies war auch schon im Vorgängerprojekt der Schlüssel zum Erfolg. Wir wollen, dass alle von den Ergebnissen profitieren“, sagt Dr. Hartwig Stammberger (Eaton Industries GmbH) als Gesamtprojektleiter. Mit 35 Industriepartnern, 5 Forschungsinstituten sowie dem ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie), der das Projekt im Rahmen seiner Verbandstätigkeit mit einem Industriearbeitskreis unterstützt, ist DC‑INDUSTRIE2 eines der größten Verbundforschungsprojekte in Deutschland. Das Konsortium bedankt sich insbesondere beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, welches DC‑INDUSTRIE2 im Rahmen des 7. Energie­forschungs­programms unter den Fördernummern 03EI6002A-Q fördert, sowie beim Projektträger Jülich für die inhaltliche und administrative Betreuung der 18 geförderten Partner.

Die 13 industriellen Verbundpartner BLOCK, BMW, Daimler, Eaton, E-T-A, HOMAG, KEB Automation, LAPP, Lenze, LTI Motion, Phoenix Contact, SMA Solar Technology, Weidmüller werden zusammen mit den 5 Forschungsinstituten Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Technische Universität Braunschweig, Fraunhofer IPA, Fraunhofer IISB, Universität Stuttgart und den 22 assoziierten Partnern ABB, AMK, Audi, Bauer Gear Motor, Bender, Danfoss, Dehn, ESR Pollmeier, Gerotor, Harting, JEAN MÜLLER, KUKA Deutschland, KUKA Systems, LEONI Kabel, LEONI Special Cables, Maschinenfabrik Reinhausen, Paul Vahle, Puls, Rittal, SEW-PowerSystems, Siemens und Wöhner an dem industriellen Gleichstromnetz der Zukunft forschen.

Weitere Informationen zu industriellen Gleichstromnetzen finden Sie unter www.dc-industrie.de .

Welche Aufgaben hat das iFE in DC-INDUSTRIE 2?

Neben Borcherding als wissenschaftlichem Leiter werden aus dem iFE inhaltlich weitere fünf Mitarbeitende an dem Aufbau des geplanten Systemkonzepts für industrielle Gleichspannungsnetze in DC-INDUSTRIE 2 tätig sein.

Während Dr. Johann Austermann einerseits das Gesamtprojektmanagement unterstützt, hat er gleichzeitig die Federführung bei Fragen zur Weiterentwicklung des Systemkonzepts inne (vgl. dazu DC-INDUSTRIE). Darüber hinaus ist er für die kontinuierliche Pflege des weiterentwickelten Systemkonzepts verantwortlich. Der Aufbau eines sog. Transferzentrums ist Aufgabe von Slavi Warkentin, welches mehrere gleichstromversorgte (DC) Antriebe umfassen wird. Mithilfe dieser kann jegliche komplexe Fertigungsanlage flexibel nachgebildet und in realitätsnahen Szenarien (z.B. Spannungen und Ströme von einzelnen Betriebszuständen) gemessen werden. Diese Anlage soll neben dem Einsatz im Projekt auch für Lehre und externe Schulung eingesetzt werden. Tim Stuckmann ist mit dem Bau eines DC-DC-Wandlers für hohe Leistungen betraut, der zur Kopplung von DC-Netzen untereinander oder zur Kopplung mit externen Anlagen (z.B. Solaranlage) benötigt wird. Während Patrick Spanier für die Auslegungstools für DC-Netze sowie die aktive Ladeschaltung zuständig ist, wird Timo Rösler die notwendigen Netzteile (24 V) bauen.

Vom Gesamtprojektvolumen i.H.v. 13,2 Millionen Euro erhält das iFE bzw. die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe rund 1,2 Millionen Euro.