Kinder-Uni: Warum Taschengeld ausgeben doppelte Freude bereitet

Was ist eigentlich ein Staat und was macht der überhaupt? Daniel Nordhoff, Professor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Technischen Hochschule OWL, hat im Rahmen der Kinderuni rund 30 Kindern erklärt, warum auch sie mit ihrem Taschengeld den Staat dabei unterstützen seine Aufgaben zu erfüllen.

„Was ist eigentlich ein Staat?“, fragt Professor Daniel Nordhoff zu Beginn der Vorlesung mutig in die Runde. Nach anfänglichem Zögern, melden sich die ersten Kinder. „Ein Land!“, ruft ein Junge in den Hörsaal. „Richtig, genauer gesagt nennt man das dann auch ein Staatsgebiet. Und die Menschen, die in diesem Staatsgebiet leben, sind das sogenannte Staatsvolk“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler. „Damit fehlt uns nur noch eine Komponente für einen Staat, nämlich die Staatsgewalt. Die setzt sich zusammen aus dem Bundestag, die Bundesregierung und den Bundesrichtern.“

Kinder zwischen 10 und 13 Jahren bekommen im Durchschnitt rund 32 Euro Taschengeld monatlich, die sie gerne für Süßigkeiten, Zeitschriften und andere Freuden ausgeben. Den meisten Kindern ist dabei natürlich nicht bewusst, dass sie damit den Staat bei der Erfüllung seiner Aufgaben unterstützen. „Welche sind denn zum Beispiel die Aufgaben eines Staates? Wofür muss er sorgen?“, will Nordhoff von den Kindern wissen. „Die Polizei!“ „Krankenhäuser!“ „Die Feuerwehr!“ „Schulen!“ Alle diese Aufgaben kosten den Staat natürlich Geld. Aber woher bekommt der Staat dieses Geld? Nordhoff erklärt den Kindern, was Steuern sind: „Wenn ihr euer Taschengeld für Süßigkeiten und andere Dinge ausgebt, bekommt einen Teil dieses Geldes der Staat. Das nennt man Steuern.“

Doch was sind eigentlich Steuern und wie gelangen die Steuern vom Kind zum Staat? Das veranschaulicht Professor Nordhoff den Kindern anhand eines kleinen Rollenspiels. Dazu schlüpfen drei Kinder in die Rolle eines Käufers, eines Verkäufers und eines Finanzbeamten. In dem Spiel kauft ein Kind einen Schokoriegel. Von dem Kaufbetrag muss das Kind in der Rolle des Verkäufers einen gewissen Teil an das Kind vom Finanzamt abgeben. „Diesen Anteil bekommt dann der Staat. Das ist dann nämlich die Umsatzsteuer“, erklärt Nordhoff. „Durch jeden Kauf, den ihr tätigt, unterstützt ihr also den Staat finanziell. Daher freut der sich auch, wenn ihr euer Taschengeld ausgebt.“ Wenn es keine Steuern gäbe, hätte der Staat also kein Geld, um damit Krankenhäuser, Schulen sowie andere Einrichtungen und Institutionen zu finanzieren.

Als Professor Nordhoff verkündet, dass die Kinder in Deutschland dank Taschengeld und anderen Geldgeschenken über eine Kaufkraft von knapp drei Milliarden Euro verfügen, waren die Nachwuchs-Studierenden sichtlich sprachlos. „Wow! Eine Zahl mit so vielen Nullen“, sagt eines der Kinder laut. „Wenn ihr später einmal mitbestimmen wollt, wofür der Staat diese Gelder ausgibt, könnt ihr euch wählen lassen und in der Staatsgewalt als Politikerinnen und Politiker mitwirken“, so Nordhoff.

Zur Belohnung gab es am Ende der Vorlesung für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer Geld – allerdings in Form von Schokolade.