Projekt zur Arzneimittelforschung in Glasgow und Nürnberg vorgestellt

Tabletten hat fast jeder in der Hausapotheke – ohne zu wissen, dass sie in der Herstellung große Mengen Wasser und Energie kosten. Das im Fachbereich Life Science Technologies angesiedelte Projekt „PATandSHEAR“ will das ändern und die Produktion von Arzneimitteln nachhaltiger gestalten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), eine der größten Stiftungen Europas, unterstützt das Projekt mit 320.000 Euro.

Tabletten hat fast jeder in der Hausapotheke – ohne zu wissen, dass sie in der Herstellung große Mengen Wasser und Energie kosten. Das im Fachbereich Life Science Technologies angesiedelte Projekt „PATandSHEAR“ will das ändern und die Produktion von Arzneimitteln nachhaltiger gestalten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), eine der größten Stiftungen Europas, unterstützt das Projekt mit 320.000 Euro. Ein wichtiger Meilenstein wurde nun auf zwei Konferenzen präsentiert – darunter auch eine internationale Veranstaltung in Glasgow.

„Abfallprodukte und Fehlchargen von Arzneimitteln stellen eine erhebliche Umweltbelastung dar – dem möchten wir mit unserem Forschungsvorhaben begegnen“, so Projektleiter und Koordinator Professor Gerd Kutz. Im Projekt „PATandSHEAR“ beschäftigen er und sein Team sich mit Granulaten, die bei der Herstellung von bestimmten Arzneimitteln – wie zum Beispiel Tabletten – eine wichtige Rolle spielen. Ihre Herstellung, die sogenannte Granulation, ist das eigentliche Problem in Bezug auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Der Arbeitskreis um Professor Kutz widmet sich der Optimierung der sogenannten Schmelzgranulation. Dieses Verfahren soll weniger Energie benötigen, ohne umweltschädliche Lösungsmittel auskommen und durch eine innovative Sensorsteuerung Fehlchargen vermeiden. „Die Schmelzgranulation ist ein komplexer Vorgang“, so Kutz. „Die Höhe der Temperatur, aber auch Menge und Zusammensetzung der verwendeten Hilfsstoffe müssen ganz genau stimmen, damit das gewünschte Ergebnis erzielt wird.“ Um all diese Parameter während des Granulationsvorgangs zu überwachen, setzt das Team zusätzlich einen speziellen Messsensor ein. Er soll ermöglichen, während der Granulation Daten in Echtzeit zu erheben und zu kommunizieren.

Im Bereich der pharmazeutischen Herstellung müssen Ausrüstungsgegenstände hinsichtlich ihrer Eignung für den geplanten Einsatz überprüft werden. Diese Überprüfung wurde von Dominic Kamke, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitskreis von Professor Kutz, durchgeführt. Seine Untersuchungen weisen nach, dass der verwendete Messsensor die Anforderungen der gängigen pharmazeutischen Regelwerke hinsichtlich Richtigkeit, Präzision und Robustheit erfüllt und somit für den Einsatz in der Arzneimittelfertigung geeignet ist. Diese Erkenntnisse wurden im Rahmen des „10th World Meeting on Pharmaceutics, Biopharmaceutics and Pharmaceutical Technology (PBPWM)“ im schottischen Glasgow internationalem Fachpublikum vorgestellt. Das PBPWM ist ein qualitativ hochwertiger wissenschaftlicher Kongress, den in diesem Jahr rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 56 Ländern besuchten, um sich über eine Vielzahl von Themen rund um die Pharmazeutische Technologie auszutauschen.

Auch auf der „Powtech 2016“ in Nürnberg stellte das Projektteam des Labor Pharmatechnik die innovative Prozessüberwachung vor. In Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Diosna Dierks & Söhne GmbH, die einen Intensivmischergranulator zur Verfügung stellten, und der Parsum GmbH, die das innovative Messsystem beisteuerte, wurden zwei Mal täglich Livevorführungen auf dem Messestand der Diosna GmbH durchgeführt. Interessierten wurde somit die Möglichkeit geboten, sich von dem Zusammenspiel von Intensivmischergranulator und Inline-Sonde zu überzeugen und sich mit dem Projektteam über den wissenschaftlichen Nutzen der Prozessüberwachung bei dieser Anwendung auszutauschen. Nach der POWTECH zieht das Projektteam eine positive Bilanz: „Wir konnten uns über große Resonanz und viele interessante Fachgespräch auf dem Messestand unseres Kooperationspartners Dionsa freuen“, erklärt Professor Kutz.