Sichere Lebensmittel: keine Kompromisse

Tagung zu mikrobiologischen Richt- und Warnwerten hat an der TH OWL stattgefunden – 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Lebensmittelproduktion und -handel, Untersuchungsämtern, Laboren und Wissenschaft tauschten sich in Lemgo aus.

Immer wieder verunsichern Presseberichte über krankmachende Keime in Lebensmitteln Verbraucherinnen und Verbraucher. Um die Qualität von Lebensmitteln zu sichern, gibt es in der Europäischen Union und in der Bundesrepublik Deutschland für bestimmte Lebensmittel rechtsverbindliche Anforderungen. Neben diesen gesetzlichen Vorgaben bieten die Richt- und Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) eine anerkannte Ergänzung, um mikrobiologische Befunde in Lebensmitteln zu beurteilen.

Im Juli hat eine Tagung zu mikrobiologischen Richt- und Warnwerten an der Technischen Hochschule OWL in Lemgo stattgefunden. Mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Lebensmittelproduktion und -handel, Untersuchungsämtern, Laboren und Wissenschaft nutzten die Möglichkeit, sich über die Arbeitsweise der Ständigen Arbeitsgemeinschaft (StAG) „Mikrobiologische Richt- und Warnwerte der DGHM“ zu informieren. Zu dieser eintägigen Veranstaltung eingeladen hatten Professorin Dr. Barbara Becker, Professorin für Mikrobiologie im Fachbereich Life Science Technologies der TH OWL und seit mehr als 15 Jahren Vorsitzende der Ständigen Arbeitsgemeinschaft der DGHM, sowie Honorarprofessor Gerd Weyland, Fachanwalt für Lebensmittelrecht der Rechtsanwaltskanzlei Krell, Weyland, Grube, Gummersbach.

Die mikrobiologischen Richt- und Warnwerte gibt es seit mehr als 30 Jahren und sie sind heute wichtiger denn je, um die mikrobiologische Lebensmittelsicherheit zu beurteilen. Sie zeigen auf, auf welche krankheitserregenden Keime der Hersteller bei der Produktion seiner Lebensmittel besonders achten muss, und sie helfen der Lebensmittelüberwachung, den mikrobiologischen Status eines Lebensmittels zu beurteilen. Die Richt- und Warnwerte der DGHM haben vor allem in den vergangenen Jahren nicht nur in Deutschland, sondern aufgrund des globalen Lebensmittelhandels zunehmend auch in Europa und weltweit an Bedeutung gewonnen. „Noch arbeiten wir primär auf nationaler Ebene, wir sind uns jedoch der weitgreifenden Wirkung unserer Arbeit bewusst“, sagt Professorin Becker.

Bei der Tagung in der Phoenix Contact Arena kamen sieben Referentinnen und Referenten in halbstündigen Vorträgen zu Wort. Abschließend beantworteten in einer Podiumsdiskussion die Mitglieder der StAG alle Fragen aus dem Teilnehmerkreis. Professorin Becker schloss die Veranstaltung mit einem Zitat des Lyrikers Russell Lowell (1819-1891): „Ein Kompromiss ist ein guter Schirm, aber ein schlechtes Dach.“ Sie zog das Fazit: „Wir sind uns alle einig, dass wir in Hinblick auf sichere Lebensmittel keine Kompromisse machen. Sichere Lebensmittel sind ein hohes Gut und daran werden wir gemeinsam weiterarbeiten.“

Mikrobiologie an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Mikrobiologische Lebensmittelsicherheit mit ihren vielschichtigen Fragenstellungen steht im Zentrum der Lehr- und Forschungsaktivitäten von Professorin Dr. Barbara Becker, die das Lehrgebiet Mikrobiologie im Fachbereich Life Science Technologies seit 2002 vertritt. Sie ist Gründungsmitglied des Instituts für Lebensmitteltechnologie.NRW (ILT.NRW) und des Studiengangs Medizin- und Gesundheitstechnologie an der TH OWL. Im Fachgebiet Mikrobiologie stehen Bakterien, Hefen, Schimmelpilze und lebensmittelübertragbare Viren im Fokus der Studierenden-Ausbildung. Neben den mikrobiologischen Grundlagen umfassen die Lehrinhalte auch den Nachweis und die Identifizierung von pathogenen und verderbserregenden Mikroorganismen sowie die Betrachtung von Hygieneaspekten in Luft und Wasser, bei Personal und Betriebseinrichtungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie
Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) wurde 1906 gegründet und ist eine der ältesten Fachgesellschaften, die sich mit Erkennung, Behandlung und Prävention von Infektionskrankheiten beschäftigt. Aktuell gibt es zehn Fachgruppen und sechs Ständige Arbeitsgemeinschaften. Die Ständige Arbeitsgemeinschaft „Mikrobiologische Richt- und Warnwerte für Lebensmittel“ erarbeitet mikrobiologische Grenzwerte für ausgewählte Lebensmittel im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes. Im Fokus stehen die pathogenen, lebensmittelassoziierten Mikroorganismen. Die Ständige Arbeitsgemeinschaft besteht aus 16 Mitgliedern aus Wissenschaft, Lebensmittelüberwachung, Dienstleistungslaboren und Industrie.