Spielerisch das Klima schützen

Wie viel Eis schmilzt an den Polkappen unnötig, wenn ich die Spülmaschine anschalte, obwohl sie nicht voll ist? Und was kann ich besser machen, um das Klima zu schützen? Dennis Hetmann hat in seiner Bachelorarbeit im Studiengang Umweltingenieurwesen an der TH OWL gemeinsam mit Professor Manfred Sietz ein Gesellschaftsspiel entwickelt, das Lust auf Klimaschutz machen will.

„Klimaschutz muss Spaß machen!“ Das ist die Botschaft von Dennis Hetmann und Professor Manfred Sietz, der Hetmanns Bachelorarbeit am Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe betreut hat. Kein „du musst“, kein „du sollst“, sondern ein spielerischer Zugang – mit Glücksrad, buntem Spielplan, Pantomime, Wissensfragen und schmelzenden Eiswürfeln. „Über Klimaschutz darf man nicht nur reden – man muss auch machen“, so Hetmann, der ganz konkrete Vorschläge liefert: Wer im Laufe des Spiels genügend Aktionskarten und Eisbärentaler gesammelt hat, kann symbolisch Klimaschutzmaßnahmen unterstützen. Etwa eine Patenschaft für einen Eisbären übernehmen, zu einem Ökostromanbieter wechseln oder für ein Projekt spenden, das Plastik aus dem Meer sammelt und recycelt – spielerische Anregungen für den echten Alltag.

Eisschmelze als Countdown

Wissenschaftlicher Hintergrund des Spiels ist das Höxteraner Eiswürfelmodell, das Professor Sietz bereits 2016 in einem im Springer-Verlag erschienenen Fachbuch veröffentlicht hat. Gemessen wird dabei die Abwärme, die bei jeder Energienutzung entsteht: „Aufgrund von schlechten Wirkungsgraden wird bei allem was wir tun Abwärme ungenutzt in die Atmosphäre freigesetzt – beispielsweise durch Reibung. Diese Abwärme ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel, neben Kohlendioxid und Überkonsum“, so Sietz. Dennis Hetmann hat nun im Rahmen der Bachelorarbeit für das Spiel ausgerechnet, wie viele Eiswürfel bei Alltagshandlungen durch diese überflüssige Wärme schmelzen.

Ein Eisberg aus einzelnen Würfeln ist der symbolische Countdown des Gesellschaftsspiels: Jede Runde schmilzt ein Eiswürfel weg. „Das Ziel ist, gemeinsam das Spiel zu beenden, bevor der Eisberg aufgeschmolzen ist“, erklärt Hetmann und betont den Ansatz, dass jeder Spieler zwar um den eigenen Sieg spielt, insgesamt aber nur gemeinsam gewonnen werden kann – denn: „Beim Klimaschutz kommt es auch auf jeden einzelnen an, aber letztendlich können wir den Klimawandel nur gemeinsam aufhalten.“ Das Spiel ist für drei bis sechs Spieler ab dem Jugendlichenalter angelegt.

Partner gesucht

„Beim Spielen lernt man, wie man seinen eigenen Alltag klimaschonend gestalten kann. Der Spieler erkennt sich wieder und erfährt, was er an seinem Verhalten verbessern kann, um das Klima zu schützen“, sagt Sietz. Beispielsweise dass es besser ist, mit der Hand zu spülen als eine nur halbvolle Spülmaschine anzustellen – eine volle Spülmaschine schont die Umwelt aber wiederum mehr als die Handwäsche. In der Effizienzklasse A++ verschwendet jede halbvolle Maschine pro Jahr einen Eiswürfel mit einer Kantenlänge von 1,13 Metern gegenüber einer vollen Maschine, wie das Spiel aufzeigt.

Hetmann und Sietz suchen jetzt Partner, die ihnen helfen, das Würfelspiel in größerer Stückzahl zu produzieren, im besten Fall nachhaltig. Sie schreiben Verlage an und präsentieren ihre Idee auf Messen. Denkbar wäre auch, dass ein Unternehmen das Spiel als Geschenk umsetzt. „Es sind nicht nur ‚die Politik‘ oder ‚die Forschung‘, die etwas für den Klimaschutz leisten müssen, sondern es geht um den Beitrag von jedem Einzelnen. Aber dafür müssen wir das nötige Wissen mit Spaß vermitteln – und nicht mit erhobenem Zeigefinger“, so Sietz.

Kontakt: Professor Dr. Manfred Sietz, Telefon 05271 687-7120, E-Mail manfred.sietz(at)th-owl.de