Studierende der TH OWL bauen ihr eigenes Segelboot

Studierende der TH OWL bauen ein eigenes Renn-Segelboot. Damit wollen sie im kommenden Jahr an einer Regatta mit Hochschulen aus ganz Europa vor der Küste Siziliens teilnehmen. Das Boot soll zu knapp drei Vierteln aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Wer an der Segelregatta 1001 Vela-Cup vor der Küste Siziliens im nächsten Sommer teilnehmen will, muss nicht nur segeln können, sondern auch sein Boot selber bauen. An der Segelregatta nehmen Hochschulen aus ganz Europa mit ihren Renn-Seglern teil. Dazu sind allerdings strenge Regeln einzuhalten, zum Beispiel, dass das Boot zu 70 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen muss. Da es an der TH OWL keinen Studiengang zum Schiffsbau gibt, haben sich Studierende aus den Schwerpunkten Holztechnik, Maschinenbau und Produktionstechnik zusammengetan und das Projekt „Formula-Sailing“ ins Leben gerufen. Seit sieben Monaten arbeiten sie an einem Skiff-Boot, das zu knapp drei Vierteln aus Holz und Holzwerkstoffen besteht. Als Skiff bezeichnet man in der Wasserlinie schmale Segelboote, die einen flachen Rumpf haben und deshalb besonders schnell werden.

Die zweite große Herausforderung ist, das Boot unter Regattabedingungen zu segeln. „Unter guten Windbedingungen segeln diese Boote über 20 Knoten schnell und dann mehr als doppelt so schnell wie der wahre Wind. Das muss man erstmal beherrschen“, erzählt Professor Adrian Riegel, der das Projekt leitet. Daher ging es für das zwölfköpfige Team im Juli für eine Woche auf das Gelände des Landes Kanu Verbandes Niedersachsen nach Mardorf am Steinhuder Meer. Da Skiffs ständig ausbalanciert werden müssen, brauchen die Segler eine gute Beinmuskulatur. Deshalb war die Anreise auf Rennrädern schon die erste Trainingseinheit. Dann ging es auf einem Vereinsboot des Kanu und Segelclubs Lemgo aufs Wasser. Ergebnis: „Ein zerrissenes Vorsegel und ein ausgebrochenes Ruderblatt“, resümiert Adrian Riegel das stürmische Wochenende.

Neben den praktischen Übungen auf dem Wasser standen auch Regattaregeln auf dem Lehrplan. Harald König und Professorin Katja Frühwald-König – beide mehrfache Teilnehmer an Deutschen Meisterschaften in der ehemals olympischen 505er Klasse – zeigten den Segel-Neulingen wie es bei einer Regatta zugeht. Mit ihren Erfahrungen aus dem Trainingscamp haben sich die Studierenden wieder an ihr eigenes Regattaboot gesetzt und beispielsweise die Trimmung der Segel überarbeitet. Die Holzart für den Mast wurde besonders intensiv diskutiert. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, möglichst alles aus Holz oder Holzwerkstoffen zu machen und das bei einem Bootsgesamtgewicht von unter 100 kg. Da hier Massivholz das bei Skiffmasten übliche Carbon mit mehr als sechsfacher Zugfestigkeit ablösen soll, ist kluges Engineering gefragt“, so Riegel. „Die Crew ist während der Regatta so auf das Balancieren fokussiert, dass bei diesem ‚Tunnelblick‘, die ein oder andere geplante Trimmeinrichtung aus dem Blickwinkel rücken könnte, mit fatalen Folgen. Es muss alles einfacher werden!“

Die Segeltage am Steinhuder Meer begannen täglich mit einer Dreiviertelstunde Frühsport und endeten mit gemeinsamen Kochen und Essen, am letzten Abend zusammen mit einer Gruppe Studierender aus Hildesheim. Am Ende lautete das Fazit aller zwölf Teammitglieder: Segeln macht süchtig! Alle wollen weitermachen und sind hoch motiviert für die Teilnahme am 1001VelaCup 2020 in Sizilien. „Allen Beteiligten ist auch klar, wie schwierig gerade die sportliche Herausforderung in diesem Projekt ist und wieviel Schweiß noch fließen muss“, fasst Professor Riegel die Trainingswoche zusammen. „In diesem Sinne ist das Konzept der Trainingswoche voll aufgegangen!“

Seit Projektbeginn haben die Studierenden große Fortschritte erzielt. Mit der Präsentation ihres Modellbootes auf dem Tag der offenen Tür der TH OWL in Lemgo sowie auf der LIGNA 2019 in Hannover konnten die Studierenden vielen Menschen ihr Vorhaben zeigen.  Das Team ist weiter offen für interessierte Studierende aller Fachrichtungen der TH OWL und freut sich, externe Sponsoren aus der Industrie ebenfalls für das Projekt begeistern zu können.

Kontakt:

Professor Adrian Riegel
Fachbereich Produktions- und Holztechnik
Tel.: +49 5261 702 5588
E-Mail: adrian.riegel(at)th-owl.de