Virtueller Hörsaal: Professor der TH OWL präsentiert seine Vorlesungen in 360 Grad

Wirtschaftswissenschaftler Korbinian von Blanckenburg steht seinen Studierenden ab jetzt rund um die Uhr per Mausklick zur Verfügung. Der Professor stellt die wichtigsten Inhalte seiner Vorlesung über Wirtschaftsmathematik als Virtual-Reality-Video öffentlich zugänglich ins Netz und betritt damit Neuland in der deutschen Bildungslandschaft. Sein Ziel: Die Videos sollen es Studierenden ermöglichen wichtige Inhalte unabhängig von Zeit und Ort nachzuarbeiten. Ein Angebot, das nicht nur für Studierende, die Kinder haben oder keine Muttersprachler sind, interessant ist.

Wer seinen Professor schon immer mal in den eigenen vier Wänden treffen wollte, hat jetzt die Chance dazu. Wirtschaftswissenschaftler Korbinian von Blanckenburg gibt es ab sofort in 3D. Mit seinen 360 Grad Videos möchte er den Studierenden das Büffeln zu jeder Uhrzeit und an jedem Ort ermöglichen. Die Vorlesungen stehen unter youtube.com/wirliebenmathe auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Der Unterschied zum herkömmlichen Lern-Video: Die Studierenden sehen nicht nur ihren Professor, sondern können sich mit einem Abspielmedium ihrer Wahl in einen virtuellen Vorlesungssaal begeben. Die Youtube-Videos ermöglichen einen 360-Grad-Blick durch den Vorlesungssaal inklusive Kommilitonen. Grafiken und Kurven erscheinen als anschauliches 3D-Gebilde im Raum. Die Zuschauer bekommen Aufgaben gestellt und müssen sich aktiv durch den virtuellen Raum bewegen, um mitrechnen zu können. „Auf diese Weise tauchen die Zuschauer wirklich in das Vorlesungsgeschehen ein, das hilft beim Lernen.“ Viele Interessierte haben die virtuelle Vorlesung bereits abonniert. In naher Zukunft sind viele weitere Videos zu mathematischen Themen geplant.

Mit seiner virtuellen Vorlesungsreihe will Korbinian von Blanckenburg besser auf die unterschiedlichen Lebenssituationen von Studierenden eingehen. „Angesichts von sinkenden Studierendenzahlen in den sogenannten MINT-Fächern Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, muss man sich was einfallen lassen, um auf die Bedürfnisse von jungen Menschen einzugehen“, sagt von Blanckenburg.

 

Die Videostreams der Vorlesungen sind für viele Studierende ein Segen. Zum Beispiel für Studierende mit Kind, die sich entscheiden können, ob sie ihr Kind in den Vorlesungssaal mitbringen oder sich ihren Professor lieber ins Haus holen. Nicht-Muttersprachler können sich von Blanckenburgs Ausführungen zur Summenformel von Gauß auch drei oder viermal in der Wiederholung anschauen, wenn sie möchten. Das ist nicht nur bei Sprachbarrieren nützlich: „Viele Studienanfänger kommen gerade in Mathe mit Wissenslücken und Konzentrationsproblemen an die Hochschule, da ist es sehr praktisch, wenn der Professor seinen Satz nochmal wiederholt, ohne dass man vor hundert Mitstudierenden im Vorlesungssaal darum bitten muss“, erklärt von Blanckenburg.

Der virtuelle Professor soll den realen nicht ersetzen, sondern ergänzen, sagt Korbinian von Blanckenburg. „Für viele Studierende ist wöchentliche Routine in der Vorlesung und im Seminar und das Sprechen mit dem Sitznachbarn ganz wichtig, um in den richtigen Lernrythmus zu kommen. Das soll nicht wegfallen. Aber wenn sich die Studierenden die Grundlagen meiner Vorlesung zuhause unendlich oft anschauen können, habe ich im Vorlesungssaal Zeit für andere Dinge, zum Beispiel Übungen und Diskussionen.“

Die Virtual-Reality-Vorlesung ist im Rahmen eines Fellowships für Innovationen der digitalen Hochschullehre entstanden, das Wirtschaftswissenschaftler Korbinian von Blanckenburg vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und dem Stifterverband erhalten hat.