Zwei Tage Entdeckungsreise durch den Botanischen Garten

Beim „Tag der Gärten und Parks“ lockte der Botanische Garten Bürger aus der Region an. Außerdem präsentierte sich der neue Freundeskreis des Botanischen Gartens – mit seiner Unterstützung soll sich der Garten künftig vom Geheimtipp zum Besuchermagneten entwickeln.

Ist es gut oder schlecht, dass Straßenränder gemäht werden? Welche Pflanzen helfen gegen Sauerstoffmangel im Teich? Wann sollte man Meisenkästen säubern? Und was muss man beim Aussähen von Wildblumenmischungen beachten? Beim „Tag der Gärten und Parks“ am 8. und 9. Juni 2019 haben die Besucher das Team des Botanischen Gartens der TH OWL in Höxter mit Fragen gelöchert. In einer Führung zur Biodiversität gaben Studierende der Landschaftsarchitektur den Tipp: „Oft gilt: einfach mal wachsen lassen. Man kann durch Nichtstun häufig sehr viel für die Artenvielfalt tun.“ Ähnlich fasste es auch die technische Leiterin des Botanischen Gartens, Ute Aland, zusammen: „Nicht gegen, sondern mit der Natur arbeiten: Das ist das Geheimnis eines pflegeleichten Gartens.“ Viele der Besucher waren für solche Praxistipps in den Botanischen Garten gekommen. Hier erwarteten sie unterschiedliche Führungen, Infostände, eine Märchen-Rallye, Live-Cooking, eine Pfingstandacht, klassische Musik – und die Gelegenheit, Pflanzen zu entdecken und die Natur sowie den Ausblick über das Weserbergland zu genießen.

Multiplikatoren für den Hochschulstandort Höxter

Familie Gerlach aus dem Höxteraner Stadtteil Lüchtringen hatte in der Zeitung gelesen, dass Führungen auf dem Programm standen: „Das ist fundiert und so bekommt man viel mehr Details mit, die man sonst gar nicht sehen würde. Es war schön, dass die Studierenden selber die Führung zur Biodiversität gemacht haben.“ Die Familie hat selber einen kleinen Garten, in dem ebenfalls das Prinzip gilt: weniger ist mehr. Der Botanische Garten der TH OWL sei noch ein Geheimtipp. Das wird sich künftig ändern: Beim Tag der Gärten stellte sich auch der neu gegründete Freundeskreis des Botanischen Gartens vor. „Die Idee des Freundeskreises ist bei den Bürgerinnen und Bürgern in Höxter auf ein erfreulich großes Interesse gestoßen“, sagte Professor Hans-Peter Rohler, Dekan des Fachbereichs Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, und betonte: „Ich hoffe, dass wir noch viele weitere Multiplikatoren für unseren Standort, unsere Studiengänge und unseren Campus finden.“ Das Gremium unter Leitung von Saskia Fischer als Vorsitzender und Winfried Thiele als Stellvertreter unterstützt das Team des Gartens künftig dabei, diesen noch stärker für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mehr als 1.800 Pflanzenarten gibt es aktuell im Botanischen Garten der TH OWL zu entdecken. Er erstreckt sich auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern rund um die Hochschulgebäude an der Wilhelmshöhe in Höxter. Studierende der Landschaftsarchitektur, des Landschaftsbaus und Grünflächenmanagements sowie des Freiraummanagements finden hier ein Freilandlabor, in dem sie Vermessungen durchführen, Pflanzen bestimmen, Gestaltungsideen entwickeln und eigene Pflanzungen durchführen können. An Werktagen ist der Garten kostenfrei für alle Besucher geöffnet. Künftig soll er auch an Wochenenden zugänglich sein. Außerdem arbeitet das Team des Fachbereichs Landschaftsarchitektur und Umweltplanung aktuell an vielen Baustellen: Unter anderem sollen die Eingänge neu gestaltet werden, außerdem entstehen Freilandlabore, eine neue Beschilderung und eine App. Hierfür erhält die TH OWL europäische Fördergelder.

Inspiration für den heimischen Garten

Beatrix Disse aus Brakel und Heike Bellis aus Boffzen haben sich kurzentschlossen auf den Weg in den Botanischen Garten gemacht, nachdem sie im Radio von der Veranstaltung gehört hatten. Bei einer Führung wollten sie sich Inspirationen für den eigenen Garten holen – vor allem zu passenden Bodendeckern, Stauden und Sträuchern. Regina Hinke aus Hamburg nutzte ihren Aufenthalt im Weserbergland gemeinsam mit Lisa Berger aus Fürstenberg für einen Besuch im Botanischen Garten: „Ich hatte nicht erwartet, dass der Botanische Garten auch sonst für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Garten ist wunderschön – und es gibt in Höxter ansonsten nicht so viele Parks.“ Beide freuten sich, dass am Standort Höxter der TH OWL „eine Menge junge Leute studieren, die umweltbewusst denken“.

Dass diese Studierenden neben den theoretischen Grundlagen auch eine Menge Praxis erlernen, betonte Matthias Goeken. Der Landtagsabgeordnete für den Kreis Höxter hatte die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen. Er hob die gute Zusammenarbeit der Hochschule mit der Stadt Höxter hervor – unter anderem im Rahmen der Landesgartenschau 2023 böten sich den Studierenden viele praktische Erfahrungen. Sein besonderer Dank galt dem neuen Freundeskreis: „Ohne ehrenamtliches Engagement wäre vieles nicht möglich!“ Goeken hat sich unter anderem für die Mitteleinwerbung für die beiden neuen Studiengänge  Freiraummanagement und Precision Farming eingesetzt und sicherte der TH OWL auch für die Zukunft seine Unterstützung zu.