Zum Inhalt springen

Erfahrungsbericht zur Summer School der NMBU in Norwegen

Zwei Masterstudentinnen im Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik am Standort Höxter der TH OWL haben Ende Juni im Rahmen des Forschungsprojektes Graduates for Climate Change adapted water management (CCWater) an einer Summer School der norwegischen Universität NMBU (Universität für Umwelt- und Biowissenschaften) in Ås, Norwegen teilgenommen. Hanna Möhring und Silvana Heere studieren Umweltingenieurwesen und Modellierung mit dem Schwerpunkt Wasser, sodass die Summer School eine optimale Gelegenheit bot, durch Veranstaltungen und Austausch mit anderen Studierenden und Fachleuten Einblick in die Themen und künftigen Herausforderungen der Wasserwirtschaft in Norwegen sowie der ganzen Welt zu erhalten.

Die dreiwöchige Summerschool fand vom 13. Juni bis zum 1. Juli 2022 statt. Die Organisation der Veranstaltung übernahmen die Verantwortlichen der NMBU. Insgesamt nahmen etwa 50 Personen (überwiegend Masterstudierende und Doktoranden) aus 16 verschiedenen Ländern an der Summer School teil: Sri Lanka, Mongolei, Amerika, China, Norwegen, Deutschland, Rumänien, Ukraine, Moldawien, Süd Sudan, Rwanda, Ghana, Brasilien, Uganda, Polen und Tadschikistan. Die Lehrveranstaltungen wurden sowohl von Lehrenden, Doktoranden oder Lehrbeauftragen der NMBU gehalten als auch durch Beiträge von Personen aus der Wirtschaft und Lehrenden anderer Universitäten ergänzt. Inhaltlich wurden die Veranstaltungen in zwei Kurse unterteilt, die jeweils mit einem Test abgeschlossen wurden. Im Nachgang sind jeweils Ausarbeitungen anzufertigen.

In der ersten Woche ging es um Wasser- und Abwasserbehandlung in kalten Klimaregionen. Neben einem Kurs zu besonderen Herausforderungen bei der Trink- und Abwasserbehandlung in kalten Klimaregionen wie Norwegen oder Island, wo zwischen den Jahreszeiten eine Temperaturdifferenz von 10 °C vorliegt, fand in der ersten Woche außerdem eine Exkursion zu einem Wasserwerk und einer Kläranlage in Strømmen statt. Die Studentinnen zeigen sich von der Besichtigung in ihrem Erfahrungsbericht tief beeindruckt: „Zu den Highlights unserer Norwegen-Reise zählt die Besichtigung der Kläranlage und des Wasserwerks im Felsen. Diese Bauweise ist in Deutschland nicht üblich und daher für uns sehr interessant und beeindruckend. Sowohl Kläranlagen als auch Trinkwasserwerke werden in Norwegen in den Felsen hinein gebaut, um den Einfluss kalter Außentemperaturen auf die Prozesse zu verringern und die Becken und Anlagenteile vor Eis und Schnee zu schützen.“

Das Wasserwerk produziert im Mittel 500 l/s Trinkwasser aus Flusswasser (Glomma river) und versorgt damit rund 160.000 Einwohner. Die Aufbereitung findet in mehreren Schritten statt: Zuerst werden Flockungsmittel hinzugegeben. Anschließend wird das Wasser über einen Superpulsator geführt. Bei dem Superpulsator handelt es sich um einen Schlammbettklärer, welcher Lamellen mit einer pulsierenden Schlammdecke kombiniert. Dieses Verfahren ist wesentlich platzsparender als herkömmliche Sedimentationsbecken. Anschließend wird das Wasser über einen zwei-Medien-Filter geleitet, gefolgt von einem Aktivkohlefilter. Zur Desinfektion wird zuerst eine UV-Bestrahlung genutzt und anschließend Chlor dosiert. Die Kläranlage Nedre Romerike Avløpsselskap IKS (NRA) reinigt das Abwasser für 130.000 Einwohnergleichwerte. Die Hauptkläranlage besteht aus mechanischer (Siebe, Sand-/Fettabscheider), biologischer (Bewegtbett-Biofilmreaktor mit Träger aus Kunststoff zur Vergrößerung der wirksamen Oberfläche) und chemischer Reinigung (P-Fällung mit PAX). Wenn hohe Zuflussmengen die Kapazität der Hauptkläranlage übersteigen, zum Beispiel bei starkem Regen oder während der Schneeschmelze, geht die neue OREA (OvervannsREnseAnlegg) in Betrieb. Der erste Reinigungsschritt erfolgt mechanisch durch Siebe. In der zweiten Stufe wird mit dem Actiflo®-Prozess eine „high-speed“ Flockenbildung und Sedimentation durch Zugabe von Koagulationsmittel (Mikrosand und Polymer) durchgeführt, um Phosphor zu entfernen. Der letzte Prozess, ActiDyn®, sorgt für eine effiziente Eindickung des Schlamms durch Zugabe von Koagulationsmittel und Polymer.

Thema der beiden darauffolgenden Wochen war Wasserressourcen-Management und Trink- und Abwasseraufbereitung. Da die Teilnehmenden aus verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichem Vorwissen kamen, wurde zusätzlich ein Intensivkurs angeboten, der die Grundlagen im Bereich der Trink- und Abwasseraufbereitung näherbrachte. Die Lehrveranstaltungen fanden täglich von 9 bis 16 oder 17 Uhr statt und waren eine Kombination aus Vorlesungen und Gruppenarbeiten (Diskussionen, Recherchen, Serious Games) mit Ergebnispräsentationen.

„Während der Veranstaltungen lag ein Fokus auf der Problematik von Mikroschadstoffverschmutzungen in der Umwelt. In diesem Zusammenhang war es sehr spannend, mehr über die Mikroschadstoffverschmutzung der Arktis zu erfahren. Der größte Teil der Schadstoffe wird durch Meeresströme oder Air-Drift in die Arktis getragen und nicht in der Arktis selbst in die Umwelt entlassen“, schildern Hanna Möhring und Silvana Heere. Interessant sei außerdem der Blick auf globale Zusammenhänge im Bereich des Wassersektors gewesen, insbesondere auf die Gefahren, die sich aus Konflikten um Wasserressourcen ergeben können.
„Ein Beispiel für mögliche Konflikte sind Flüsse, die über Landesgrenzen hinweg verlaufen und so von mehreren Ländern zur Trinkwasserversorgung (Wasserknappheit) oder Abwasserableitung (Akkumulation von Verschmutzungen) genutzt werden. Uns ist deutlich geworden, dass der Klimawandel immer stärkere Auswirkungen auf die Wasserwirtschaft haben wird und der Umgang damit in Zukunft im Fokus stehen wird.“
Durch die vielen Gruppenarbeiten entstand ein spannender internationaler Austausch zu den Unterschieden und auch Gemeinsamkeiten der landestypischen Trink- und Abwasserreinigung.

Ein besonderes Highlight der Summer School war das International Dinner. Hier haben die Teilnehmenden jedes Landes ein Nationalgericht zubereitet und man konnte neben netten Gesprächen auch einen schönen Einblick in die Küche der jeweiligen Länder bekommen.

Zur Summerschool

Die Summer School hat im Rahmen eines Forschungsprojektes stattgefunden, das durch das EU-Programm Erasmus+ gefördert wird. Professor Martin Oldenburg (Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik, Fachgebiet Biologische Abwasserreinigung und Abwasserverwertung) ist als Kooperationspartner in das Projekt involviert und wird dabei unterstützt von Katharina Pilar von Pilchau. Weiterführende Informationen zum Projekt CCWater können folgendem Link entnommen werden: https://www.th-owl.de/umwelt/forschung/projekte/oldenburg-ccwater/